Stolberg: Positives Kirchenbild: Weniger Austritte, mehr Taufen

Stolberg: Positives Kirchenbild: Weniger Austritte, mehr Taufen

Die Zahl der Austritte aus der katholischen Kirche ist in der Kupferstadt im Jahr 2015 um 15,4 Prozent gesunken. Das geht aus der aktuellen Statistik des Bistums Aachen hervor. Waren es im Jahr 2014 noch 221 Menschen, die der Kirche den Rücken gekehrt haben, waren es demgegenüber im vergangenen Jahr nur noch 187.

Die Zahl der Wiederaufnahmen in die katholische Kirche blieb mit acht konstant. Eintritte aus anderen christlichen Konfessionen gab es im Jahr 2015 keine.

Dagegen ist die Zahl derer, die sich im Jahr 2015 taufen und firmen ließen, gegenüber 2014 deutlich gestiegen. Mit 224 wurden 22,4 Prozent mehr Kinder und Erwachsene in den 17 Stolberger Kirchen getauft. Zur Firmung gingen 99 Jugendliche — das sind 23 mehr als im Jahr davor.

Als Grund für diese aus Sicht der Kirche erfreuliche Tendenz vermutet Stefan Wieland, der Sprecher des Bistums Aachen, dass viele Menschen die jüngsten Entwicklungen der katholischen Kirche positiv wahrnähmen. Die Skandale der vergangenen Jahre, wie zum Beispiel die Missbrauchsfälle und die Vorkommnisse im Bistum Limburg, die viele Austritte zur Folge hatten, lägen nun schon eine Weile zurück und die Menschen merkten, dass die Kirche ihnen doch etwas gibt.

Der Stolberger Pfarrer Hans Rolf Funken sieht die Situation etwas kritischer und betont, dass man trotz sich etwas stabilisierender Zahlen realistisch bleiben solle. „Nach wie vor gibt es viele, vor allem junge Menschen, die sich vom Glaubensleben entfremdet haben“, sagt der Leiter der Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Nord. Dem wolle man mit guter Arbeit in den katholischen Kindertagesstätten, einer attraktiven Erstkommunionsvorbereitung und der Vermittlung eines positiven Gottesbildes in allen kirchlichen Einrichtungen entgegenwirken. „Wir müssen mit den Menschen wieder mehr ins Gespräch kommen“, sagt er.

Positiv hebt Funken hervor, dass die vielen sozialen Einrichtungen in katholischer Trägerschaft, die sich über das gesamte Stadtgebiet verteilen, nach wie vor gute Arbeit leisteten, gut untereinander und mit nicht-kirchlichen Anlaufstellen vernetzt seien und sich an Orten wie dem Flüchtlingscafé auch Ehrenämtler mit viel Engagement einbrächten. „Die Chancen, die sich uns dort eröffnen, den Menschen ein positives Bild von Kirche zu vermitteln, möchte ich so gut wie es geht zusammen mit meinen Mitarbeitern nutzen“, sagt er.

Mit 32 067 gemeldeten katholischen Christen ist in Stolberg noch immer mehr als jeder zweite Einwohner katholisch — auch wenn die Gesamtzahl der Katholiken im vergangenen Jahr um 599 zurückging. Diese Änderung um rund zwei Prozent lässt sich unter anderem mit dem Wegzug von katholisch getauften Christen sowie mit einer gestiegenen Anzahl der Bestattungen von 316 auf 341 bei sinkenden Geburtenraten, das heißt demografischen Faktoren, begründen.

Allerdings ging auch die Zahl der Gottesdienstbesucher im Jahr 2015 weiter zurück. Die Zählung, die alljährlich am zweiten Fastensonntag im Frühjahr und am zweiten Sonntag im November stattfindet, ergab einen Rückgang um etwa drei Prozent. Übertragen auf die Gesamtzahl der Stolberger Katholiken bedeutet das, dass nur noch sieben Prozent regelmäßig die Gottesdienste besuchen.

Auch die Zahl der Erstkommunionen ist rückläufig. Laut der aktuellen Statistik empfingen im vergangenen Jahr 34 Kinder weniger zum ersten Mal die heilige Kommunion. Das ist ein Rückgang um 12,8 Prozent von 265 auf 231.

Die Anzahl der kirchlichen Trauungen in der Kupferstadt liegt dagegen mit insgesamt 50 Paaren auf dem gleichen Niveau wie im Jahr zuvor. Das sei sehr erfreulich, sagt Funken.

Dem Aachener Generalvikar Dr. Andreas Frick, der in Stolberg aufgewachsen ist, zeigt die statistische Erhebung mit Blick auf das gesamte Bistum, dass die katholische Kirche nach wie vor in der Mitte der Gesellschaft verankert ist.

„Wir sind präsent und gemeinsam in der Lage, als Kirche Gutes zu bewirken. Das breite, andauernde haupt- und ehrenamtliche Engagement in der Flüchtlingsarbeit zeigt dies eindrucksvoll“, sagt er. Für dieses Engagement bedanke er sich bei allen Beteiligten von Herzen.

Natürlich sei jeder einzelne, der — aus welchen Gründen auch immer — sich gegen die Kirche entscheide, ein schmerzhafter Verlust. „Umso mehr freue ich mich, dass sich auch im vergangenen Jahr wieder Menschen bewusst für den katholischen Glauben entschieden haben“, sagt Frick.

Mehr von Aachener Zeitung