Planungswerkstatt zum Geschwister-Scholl-Platz

Zahlreiche Bürger bringen sich ein : Das Herz der Liester wird eine grüne Oase

Dabei ist dieser zentrale Platz der Liester nahezu komplett zugeparkt, während 500 Meter Luftlinie weiter an der an der Walther-Dobbelmann-Straße rund 100 Teilnehmer bei einer Planungswerkstatt über die Neugestaltung des Platzes diskutieren.

Spätestens mit der Fertigstellung der Umgestaltung bis Ende 2022 werden noch etwa 20 öffentliche Parkplätze an der Seite zum Pirolweg erhalten bleiben. Der Geschwister-Scholl-Platz wird dann eine grüne Oase mitten im Quartier sein.

Bei einer ersten Ideenwerkstatt im vergangenen November hatten die Bürger mit ihren Anregungen den Landschaftsarchitekten des Clubs L94, die bereits die Entwürfe für den Bastinsweiher und sein Umfeld lieferten, die Leitlinien für die Neugestaltung vorgegeben. Nach intensivem Abwägen präsentierte das Büro in einer neuerlichen Planungswerkstatt zwei Entwürfe, die die Teilnehmer in vier Gruppen genau studierten, bewerteten und mit weiteren Anregungen und Bedenken spickten. Deutlich bevorzugt wurde die Variante 1, die eben ihren Schwerpunkt in einer großzügigen Grünanlage mit Spielbereichen und Freiraum findet und den Kanten der bestehenden Bebauung folgt.

Die zweite Variante bricht mit diesen städtebaulichen Strukturen, zieht den Vorplatz der St.-Hermann-Josef-Kirche bis ins vordere Platzviertel und lässt Raum für eine kleinere Wiese sowie linkerhand einen Spielbereich für Kleinkinder und rechterhand vis-a-vis der Oase einen Bereich für Jugendliche nebst Parkraum.

Die favorisierte Variante für die Umgestaltung des Geschwister-Scholl-Platzes. Foto: grafik

Apropos Jugendliche: Sie waren an dem Abend stark vertreten und brachten sich mit ihren Wünschen und Vorschlägen intensiv ein. Auch für sie war die erste Variante die favorisierte. In diesem Fall wird der Vorplatz des Gotteshauses bis über die heutige Fahrbahn vergrößert als Fläche, die bei Aktionen im Stadtteil etwa für das Aufstellen von Buden oder für die explizit gewünschte Rückkehr eines Wochenmarktes genutzt werden kann.

Mit Ausnahme diesen Bereiches zieht sich rund um den Platz eine Promenade aus doppelreihig gesetzten Bäumen, wie sich auch am Bastinsweiher zu finden ist, ergänzt mit Bänken und teilweise mit Hecken Den Platz prägt eine überwiegend frei gehaltene Grünfläche. Ebenfalls im nördlichen Teil ist eine Spielfläche mit Sandkasten und Spielgeräten für Kleinkinder vorgesehen, die von einer Hecke eingefasst wird. Im südlichen Teil soll Jugendlichen ein Angebot mit Betonwellen unterbreitet werden. Zum Pirolweg hin sind Parkplätze auf Rasengittersteinen vorgesehen.

Bäckerei siedelt sich an

Die Passagen vor den Ladenzeilen sollen von einer Seite barrierefrei erreichbar sein, während die Höhenunterschiede zur anderen Seite mit Sitztreppen angepasst werden sollen. Die Promenade soll weitere Beete und ausreichend Raum für eine Außenbestuhlung – beispielsweise für die Bäckerei, die sich im ehemaligen Supermarkt ansiedelt. Die große und prägende Bürgerwiese soll als Treffpunkt, Liege- und Spielwiese dienen.

Die Umwandlung der heutigen Pflasterflächen in Rasen sorgte gleichwohl für Diskussionen – grundsätzlicher wie pragmatischer Natur. Warum nicht doch wieder ein Platz mit Steinbelag, wo doch der Grado-Park um die Ecke liegt? fragten einige Teilnehmer. Weil der Geschwister-Scholl-Platz mitten in einem Wohngebiet liegt und nicht Aufgaben übernimmt, wie es in einer Innenstadt der Fall wäre, erklärte Landschaftsplaner Burkhard Wegener. Die Gründfläche werte das Quartier auf, trage mit bei zu Wohlfühlatmosphäre und Aufenthaltsqualität. Zudem biete der gepflasterte Kirchenvorplatz ausreichend Möglichkeiten für Veranstaltungen, wie man sie in einem Wohngebiet erwarten könne. Die pragmatischeren Sorgen galten dem Erhalt einer gepflegten Wiese über die Jahre hinweg sowie der „Tretminen“: Bei der Realisierung soll unbedingt an genügend Hundekot-Stationen und Abfallkörbe gedacht werden.

Ein Anliegen, das übrigens auch von den jungen Besuchern der Veranstaltung kam, die zudem anmahnten, die Senioren bei der Planung nicht zu vergessen. Damit sie nicht im Regen stehen gelassen werden, wünschen sich die Jugendlichen eine kleine Hütte sowie den Erhalt des Angebotes der Tischtennisplatte. Und weil sie wissen, dass es lauter werden kann, wenn sie spielen, plädierten sie für einen Ballspielkäfig, der auch im Grado-Park stehen könne. Der soll zudem besser angebunden werden an den Geschwister-Scholl-Platz. Dort fehle zudem ein Kiosk, das am liebsten rund um die Uhr öffnen möge. Begrüßt wurde in jedem Fall, dass der Platz eine Linienbusanbindung erhalten soll.

Angeregte Diskussionen zum Geschwister-Scholl-Platz: In der Mitte Planer Burkhard Wegener vom Club L94. Foto: Jürgen Lange

Vor der Kirche hatten die Planer einen kleinen Brunnen, an dessen Rand man sitzen kann, vorgesehen. Mehrfach kam der Vorschlag, lieber auf Wasserfontänen, etwa wie vor der Stadthalle oder auf dem Kaiserplatz, zurückzugreifen. Ein weiterer Vorschlag war, solch eine Fontäne in die Wiese zu integrieren.

Breit gefächert waren zudem die Vorschläge, welche Spielgeräte die Eltern für ihre kleinen Kinder bevorzugen. Andere Eltern mahnten eine Kletterwand oder einen Seilgarten an für die Kinder, die zu alt für den Sandkasten, aber noch zu jung für die Jugendangebote. Zudem wurde vorgeschlagen, auch mobile Spielgeräte zu beschaffen, die im Keller der Kirche eingelagert werden könnten.

Unter der Baumpromenade kann man zwar beispielsweise Boule auf der wassergebundenen Decke spielen, aber ein Schachbrett im Boden des Geschwister-Scholl-Platzes dürfe auch nicht vergessen werden.

Parkplätze am Ärztehaus

Aber fast in Vergessenheit geraten wäre etwas, wenn die Bürger nicht selbst daran gedacht hätten: „Es fehlt unbedingt noch eine Würdigung der Geschwister Scholl“. Den Widerstandskämpfern gegen das NS-Regime, die mit der Platzbenennung geehrt werden, soll vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt werden. „Wie wäre es mit einem Garten aus weißen Rosen“, schlugen einige Teilnehmer vor. Denn Hans und Sophie Scholl engagierten sich in der Müncher Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ bis sie 1943 hingerichtet wurden.

Und dann kommt doch noch einmal das Thema Parkplätze auf. Das Ärzteteam, das im ehemaligen Pfarrhaus residiert, machte auf ihre vielen immobilen Patienten aufmerksam. Und die sollen eben mit dem Auto anfahren und dort auch parken können. Auch das wurde für die weitere Planung notiert.