Stolberg: Pisa-Studie: Schüler des Goethe-Gymnasiums im europaweiten Vergleich

Stolberg: Pisa-Studie: Schüler des Goethe-Gymnasiums im europaweiten Vergleich

Wenn der Hund letztendlich doch den Keks frisst, der Zirkel milimetergenau seine Kreise zieht und die Frage lautet, welche der physikalischen Einheiten Ohm, Celsius, Volt und Watt nicht nach einem Naturwissenschaftler benannt sind, dann fühlt sich Simon Briel ein bisschen wie im falschen Film.

„Ich dachte”, sagt der 17-Jährige rückblickend, „der Pisa-Test wäre zumindest teilweise nicht ganz so sinnlos.”

Nun, auf den Hund sind mit Sicherheit nicht alle Schüler gekommen, die am insgesamt vierten europaweiten Vergleich zur Ermittlung der Lesefähigkeit, der Sprach- und naturwissenschaftlichen Kompetenz im Frühjahr 2009 teilnahmen und dessen Ergebnis nun veröffentlicht wurde. Die Pisa-Studie, gefürchtet und geachtet, bewundert und befolgt.

Das Goethe-Gymnasium nahm im vergangenen Jahr zum ersten Mal an den internationalen Schulleistungsuntersuchungen teil, „wir wurden ausgelost”, erklärt Schulleiter Bernd Decker. Insgeamt 27 Schüler und zusätzlich zwei Klassen der Jahrgangsstufe 9 stellten sich im vergangenen Jahr der „Herausforderung”, wie Decker die zweitägigen Tests nennt.

Wie genau die Ergebnisse für seine Schule ausfallen, dass weiß der Leiter nicht. Er will es aber wissen, auch wenn er einschränkt: „Eine gewisse Gelassenheit mit den Zahlen wäre angebracht.”

Die magische Zahl ist im Pisa-Fall die 500, der Durchschnittswert. Die von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) im Frühjahr 2009 in 65 Ländern mit fast einer halben Million Schülern durchgeführte und nach 2000, 2003 und 2006 insgesamt vierte Testreihe bescheinigt der Bundesrepublik nach wie vor eins: Ihre Schüler sind tristes Mittelmaß. Die Lesefähigkeit der 15-Jährigen hat sich im Vergleich zu vor zehn Jahren nur minimal, um 13 Punkte, auf 497 verbessert. Ein vor allem im Vergleich zu anderen Industrienationen erschreckendes - durchschnittliches - Ergebnis.

Am Goethe-Gymnasium will man sich mit Durchschnitt nicht zufrieden geben. „Ich denke, dass ich recht gut abgeschnitten habe”, sagt Nhu-Khanh, 17. Die Schülerin der Jahrgangsstufe 11 wurde ebenso wie ihre 26 Stufenkameraden schulintern ausgelost, „damit nicht der Eindruck entsteht, wir schicken nur unsere besten zu dem Test”, sagt Goethe-Pisakoordinator Dr. Alexander Heimes.

Nhu-Khanh erinnert sich an sterile Räume, an exakt angeordnete Tische, an denen der Pisa-Test absolviert wurde. „Das war ganz schön anstrengend”, sagt sie. Fragen im Multiple-Choice-Modus, Satzvervollständigungen oder Rechenaufgaben: Die Schüler wurden in mehreren Schwerpunkten gleichermaßen gefordert. Frederik Hansen sagt: „Wir haben uns nicht großartig vorbereitet, nur ein paar alte Pisa-Aufgaben wiederholt.” Der 17-Jährige sagt: „Mit den Tests kommt man vom Image einer guten oder schlechten Schule weg, das ist nur fair.”

Ob die Pisa-Studie allerdings dem Hype gerecht wird, den sie bei Veröffentlichung jedes Mal entfacht, ist eine andere Frage, findet Benjamin Thimm. „In Italien beenden viele Jugendliche schon mit 15 die Schule”, sagt der Goethe-Schüler. „Das sind die Besten, die Italien ins Rennen schickt.”

Es sei in manchen Fällen nicht immer glücklich, französische, spanische, neuseeländische oder norwegische Schüler miteinander zu vergleichen, findet auch Bernd Decker. „Die Voraussetzungen sind nicht immer gleich.” Alexander Heimes ergänzt: „Es geht eben um wirtschaftliche Interessen, nicht um soziale Aspekte.”

Dennoch will das „Goethe” die Ergebnisse ernst nehmen. „Schauen Sie,” sagt Bernd Decker, „viele Veränderungen im Schulsystem sind erst durch die ersten Pisa-Studien realisiert worden.” Doppelstunden, Ganztagsunterricht, minimierter Unterrichtsausfall und Hausaufgabenbetreuung: Es hat sich einiges getan im Vergleich zu vor vielleicht fünf, sechs Jahren.

„Aber”, sagt Alexander Heimes und lacht, „nochmal wollen wir an Pisa nicht teilnehmen.”