Stolberg: Pietätlos? Bestattungsinstitut im Senioren-Wohnsitz

Stolberg : Pietätlos? Bestattungsinstitut im Senioren-Wohnsitz

Ist das nun ein ganz normaler Vorgang oder einfach nur pietätlos? Im Haus Eulenhof in Büsbach regt sich jedenfalls Unmut, denn in den Gebäudekomplex, der vor zweieinhalb Jahren als moderne Wohnanlage für Senioren errichtet und mit viel Lob und Vorschusslorbeer bedacht wurde, zieht ein neuer Mieter ein: ein Beerdigungsinstitut.

So manchem Mieter kommt das ziemlich makaber vor: „Wir sind entsetzt”, sagt eine Bewohnerin, die allerdings öffentlich nicht genannt werden will.

Die Vermieterin des Komplexes, in den Anfang 2007 die ersten von derzeit 19 Bewohnern eingezogen sind, kann an der Entscheidung, ausgerechnet einem Beerdigungsinstitut die leer stehende Räumlichkeit zu vermieten, nichts finden, im Gegenteil: „Wo sind wir denn, dass ein Bestattungsunternehmer in Deutschland nicht mehr überall hinziehen darf?”, fragt Marliese Renze-Westendorf. Das sei ein ganz normales Geschäft wie jedes andere auch.

Mehrere Gewerbeflächen

Neben insgesamt zwölf Wohneinheiten gibt es in dem als barrierefreies Niedrigenergiehaus konzipierten Komplex, der in L-Form angelegt worden ist, nach vorne zur Straße hin zwei Gewerbeflächen. In der einen befindet sich ein ambulanter Pflegedienst, der gleich auch die im Eulenhof lebenden Senioren betreuen kann. Daneben befand sich seit der Eröffnung ein Café, dass von den Bewohnern ebenfalls gerne genutzt wurde.

Für die Bauherrin und Vermieterin war das allerdings kein erträgliches Geschäft: Das Café machte nach knapp zwei Jahren dicht und hinterließ nicht nur leeren Raum, sondern auch Mietrückstände. Seit einem halben Jahr - so lange stand das ehemalige Café jetzt leer - fehlen Mieteinnahmen, die Renze-Westendorf nach eigenen Angaben dringend braucht. „Ich habe zwei Millionen Euro in diesen Bau investiert.”

Und sie wehrt sich gegen Vorwürfe der Pietätlosigkeit: „Ein halbes Jahr lang habe ich erfolglos versucht, einen Nachmieter aus dem Bereich der Gastronomie zu finden. Dann habe ich den Bewohnern schriftlich mitgeteilt, dass ich kein Café gefunden habe”, sagt die Breiniger Apothekerin.

Als klar wurde, wer in die Räumlichkeiten im Erdgeschoss ziehen würde, habe sie von keinem Bewohner des Eulenhofs eine negative Rückmeldung bekommen, so Renze-Westendorf weiter.

Im Gegenteil: „Eine Frau sagte, sie habe zuerst schlucken müssen, dann aber fand sie es gar nicht so schlimm.” Ein anderer Bewohner habe sich sogar positiv darüber geäußert, dass nun kein Café mehr dort einziehen würde.

Marliese Renze-Westendorf vermutet hinter der anonymen Beschwerde deshalb auch etwas ganz anderes. „Da versucht jemand ganz gezielt, mich zu beschädigen”, sagt sie und deutet an, mit einer ganz bestimmten Person in dem Haus - „einer Querulantin” - immer nur Ärger zu haben.

Tatsächlich liegt das Haus Eulenhof nicht nur neben der Büsbacher Kirche, sondern auch in direkter Nachbarschaft zum Friedhof. „Dann müsste man ja auch ein Problem damit haben, daneben zu wohnen”, sagt Renze-Westendorf.

Am Mittwoch beginnt das Mietverhältnis, der neue Nachbar ist in Büsbach kein Unbekannter. Das Bestattungsinstitut Deussen hat seine Heimatadresse in der Bischofstraße - übrigens in guter Nachbarschaft zum Marienheim schräg gegenüber. Und das ist - richtig - ein Seniorenheim.

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