Stolberg/Aachen: Phasen des Leidens auf Papier gebracht

Stolberg/Aachen: Phasen des Leidens auf Papier gebracht

Anlässlich des 100. Geburtstags des Schriftstellers Heinrich Böll zeigt das Suermondt-Ludwig-Museum Aachen die Bildfolge „Lazarus - Eine Trauerarbeit“ des Malerpriesters Herbert Falken aus Schevenhütte.

Die von kommenden Samstag bis zum 29. Oktober gezeigten 16 Werke aus eigenem Bestand hat Falken (geb. 1932 in Aachen) unter dem Eindruck des Todes von Böll geschaffen, wie das Museum am Dienstag mitteilte.

Die Arbeiten begannen nach den Angaben am Todestag Bölls, der in unmittelbarer Nachbarschaft des Malers in Kreuzau-Langenbroich in der Nordeifel gelebt hat und am 16. Juli 1985 verstarb. Die Bildfolge wurde am 2. November 1985 abgeschlossen. Es handele sich um eine der persönlichsten Arbeiten von Falken, in denen er die Krankheit und den Tod des Freundes in wenigen Wochen künstlerisch verarbeitet habe, so das Museum.

Falken, der am 11. September 85 Jahre alt wird, zeichnete auf 110 mal 80 Zentimeter großen Papierblättern mit Graphit, Kreide und Tusche. Er umkreiste zeichnend und malend den Kranken immer wieder neu und skizzierte so die verschiedenen Phasen seines Leidens und Sterbens. Der Verweis auf die Figur des Lazarus soll die Auferstehungshoffnung formulieren.

Falken, 1964 zum Priester geweiht, gilt als Grenzgänger zwischen Kirche und Kunst. Nach Kaplansjahren wirkte der Künstler von 1977 bis 2007 als Seelsorger in der Eifelgemeinde Stolberg-Schevenhütte. Gesundheitlich angeschlagen lebt er nahe des langjährigen Wohnsitzes Bölls in Kreuzau-Langenbroich. Falken ist künstlerisch nicht mehr aktiv.

Mystik umgesetzt

Im Mittelpunkt seines Werks stehen Kreuz und Passion. Falken schuf zahlreiche Bilder zu einem Themenbereich oder einem großen Zyklus, darunter „Apokalypse“ (1961), „scandalum crucis“ (1969), „Geburtstod“ (1981), „Jakobskampf“ (1983-85) und die von 1991 bis 1995 entstandenen „Gitterköpfe“, die aus der Auseinandersetzung mit der Mystik des Johannes vom Kreuz rühren.

Zuden bekanntesten Werken Falkens zählen die Studien zum Turiner Grabtuch (1973/74) und die Ölbilder „Kreuz und Engel“ (1981-83). Das Suermondt-Ludwig-Museum Aachen, Wilhelmstraße 18, Aachen. Geöffnet: Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr.

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