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Stolberg: Perspektiven für Problemfälle

Stolberg : Perspektiven für Problemfälle

Andreas war ein schwieriger Fall: Nur Fünfen und Sechsen auf dem Zeugnis, bei den Lehrern eckte er an - sozial unverträglich, hieß es. Andreas hatte Glück. Seine Eltern suchten Hilfe bei Sabine Wierts.

Die selbstständige Kommunikationsberaterin (Agentur „Jobaixperten” in Würselen) erzählte die Geschichte von Andreas bei der „Gemeinsam-Lernen-Konferenz” im Zinkhütter Hof in Stolberg. Das vorläufige Happy End: Andreas bekam eine Chance in seinem Traumberuf und ist heute ambitionierter Koch in einem guten Aachener Restaurant.

Unter Federführung der Aachener Arbeitsloseninitiative „Pro Arbeit e. V.” haben sich regionale Jugendhilfeträger zum Projekt „come 2gether - gemeinsam lernen” zusammengeschlossen. Erklärtes Ziel: Jugendlichen wie Andreas zu einer Chance zu verhelfen und bei potenziellen Arbeitgebern ihre Stärken zu vermarkten.

Dieses Pilotprojekt, so Helmut Malmes, Geschäftsführer von „Pro Arbeit”, werde bei Erfolg modellhaft aufzeigen, „wie die zwei verschiedenen Welten von Unternehmen und Jugendlichen einander näher kommen können”.

Für diesen Erfolg braucht es Betriebe, die bereit sind, sich für die so genannten schwer vermittelbare Jugendlichen zu interessieren. Dass die Initiatoren noch kräftig die Werbetrommel rühren müssen, zeigt die bisherige Resonanz: Von rund 400 angeschriebenen Firmen haben zwar 20 ihre Bereitschaft erklärt, sich mit dem Anliegen von „come 2gether” zu beschäftigen. Nur zwei Unternehmen waren hingegen bei der „Gemeinsam-Lernen-Konferenz” in Stolberg vertreten, die der Information über das Projekt diente.

Allerdings brachten die Firmenvertreter gute Ansätze in das Projekt ein, das im Januar die praktische, kreative Arbeit mit 20 Jugendlichen aufnehmen wird.

Gaby Podborny vom gleichnamigen Stolberger Metallbaubetrieb schlug vor, den jungen Leuten Praktika oder Schnuppertage zu ermöglichen, damit sie überhaupt erst herauszufinden können, welcher Beruf sie interessiert. In kleinen Firmen bedeute das aber, dass der Praktikant „einfach mal mitlaufen und zugucken” müsse.

Anders sieht das bei produzierenden Betrieben wie der K+G Pneumatik in Eschweiler aus. Dort soll ein Praktikant zwei oder drei Wochen bei leichten Arbeiten mithelfen, „damit wir sehen, wie er sich gibt”, erläuterte Fertigungsleiter Daniel Savelsberg.

Beide Seiten - die der Unternehmer und die der Jugendlichen - kennt Sabine Wierts von der Beratungsagentur Jobaixperten, zu deren Portfolio auch das Bewerbungstraining gehört. Ihr Vortrag „Privat statt Staat - Unternehmen engagieren sich für benachteiligte Jugendliche” war gleichsam ein Erfahrungsbericht: „Benachteiligte Jugendliche verfügen über ein hohes Maß an Potenzial. In unserem Schulsystem werden die individuellen Kompetenzen nicht so stark gefördert. Sie spiegeln sich auch nicht im Zeugnis wieder. Die Vorstellung vom Traumberuf ist für Jugendliche mit schlechter Qualifizierung schon nach der Schule ausgeträumt.”

Sabine Wierts verwies auch auf die Argumente für Betriebe, benachteiligten Jugendlichen eine Chance zu geben: „Es gibt Unternehmen, die engagieren sich. Sie bezahlen ihren Auszubildenden zum Beispiel Nachhilfestunden, investieren Zeit und fördern sie, da sie dadurch eine ganz großartige Rückmeldung bekommen: nämlich Loyalität. Sie erhalten eine fachlich gute, zuverlässige und loyale Arbeitskraft.”

Anfang des Jahres erstellen die Jugendlichen also in Kreativshops ihre Bewerbungen. Während der Praktika, die für Mai und Juni 2005 vorgesehen sind, begleiten Sozialpädagogen die jungen Leute in den Betrieben. „Wir werden Betriebe wie Jugendliche nicht allein lassen”, kündigte Helmut Malmes von „Pro Arbeit” eine intensive Betreuung durch die Fachleute der Jugendhilfe während des gesamten Projektes an.