Stolberg: Pastor Ferdi Bruckes muss Stolberg verlassen

Stolberg: Pastor Ferdi Bruckes muss Stolberg verlassen

„Das gibt es nicht”: Das sind die Worte, die nach der Erklärung von Pastor Ferdi Bruckes zu Beginn des Gottesdienstes in der Donnerberger St.-Josef-Kirche zu hören; „Buh”-Rufe sind es auf der Liester: Der beliebte Seelsorger muss Stolberg verlassen.

Mit Sprachlosigkeit, Entsetzen, Trauer und auch wachsender Verärgerung nehmen die Katholiken diese Entscheidung von Bischof Heinrich Mussinghoff auf. Sie haben Tränen in den Augen. Sie zweifeln, weniger am Glauben, denn an der Entscheidung aus dem fernen Generalvikariat.

Für die Katholiken auf dem Donnerberg wie auf der Liester ist sie wie eine Absage an die neue zukünftige Großpfarrei. Und sie wollen es nicht widerspruchslos akzeptieren dieses Urteil des Domherrn, das ihnen so fern ihrer täglichen Realität erscheint. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Stolberger aufbegehren gegen den Oberhirten. Schon Bruckes Vorgänger Bobby van den Berg wollten sie nicht so einfach ziehen lassen.

Das war Anfang der 90er Jahre. Auch am Sonntag stehen sie auf dem Donnerberg und auf der Liester nach dem Gottesdienst noch lange beisammen, versuchen mit dem Unfassbaren fertig zu werden, beraten, was zu tun ist, um ihren Pastor zu halten.
Artikel„Sehr betroffen”

Der müht sich sichtlich, die Fassung zu bewahren in der auch für ihn schweren und bewegenden Stunde. Gleich zu Beginn des Gottesdienstes informiert der 51-Jährige, denn die spätere „Predigt ist der Ort der Verkündigung des Gotteswortes und nicht der Ort, um die Entscheidung des Bischofs zu verkünden”. Der Stolberger Pastor Hans-Rolf Funken (52) wird die Leitung der neuen Großpfarre zum 1.Januar übernehmen; Pfarrer Dawit Mesghinna (70) von St. Franziskus wird als Pfarrvikar und Titularpfarrer beauftragt.

„Meine Aufgaben als Pfarrer von St. Josef und St. Hermann-Josef und meine Zeit hier in Stolberg sollen bis spätestens 31. Dezember zu Ende sein”, sagt Ferdi Bruckes. „Die getroffenen Entscheidungen habe ich mir so nicht gewünscht, und ich habe sie so nicht gewollt. Es gab und gibt für mich keinen Grund, Stolberg zu verlassen. Von daher trifft mich diese Entscheidung sehr hart; ich weiß auch, dass andere diese Entscheidung bedauern”, und der Pastor betont: „Ich hätte mir auch eine andere Entscheidung vorstellen können.”

Die getroffene Entscheidung ist das Ergebnis von Gesprächen, die in den zurück liegenden Wochen zwischen den Beteiligten hier in Stolberg und Domkapitular Heiner Schmitz, der zuständige Hauptabteilungsleiter für das pastorale Personal des Bistums, geführt wurden. Im März hatte der Domkapitular in St. Lucia das silberne Priesterjubiläum seines Studienkameraden Funken zelebriert.

Die Donnerberger singen derweil „Eine große Stadt wird entstehen”, hören das Evangelium, „das Mut macht”, jeden Tag von neu mit Freude zu beginnen, und zur Zusammenarbeit aufruft, predigt Pastor Ferdi Bruckes. Der 51-Jährige war bereit zu einer Zusammenarbeit in der neuen Großpfarrei.

„Ich werde bis zum letzten Tag in den Gemeinden so gut es geht meinen Dienst verrichten”, sagt Bruckes. „Die Dinge und Entscheidungen, die über meine Zeit hier in Stolberg hinausgehen, liegen ab sofort in der Verantwortung von Pastor Funken.” Und das gelte beispielsweise schon für die spannende Frage des Termins für die nächste Kinderkommunion.

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