„Internationaler Konzertzyklus“: Orgel und Saxophon in der Finkenbergkirche

„Internationaler Konzertzyklus“ : Orgel und Saxophon in der Finkenbergkirche

Ein unbeirrbares Gespür für zeitgenössische Musik legten Burghard Corbach (Sopransaxophon) und Gunter Antensteiner (Orgel) jetzt in der Finkenbergkirche an den Tag. Beim dritten Konzert im Rahmen des „Internationalen Konzertzyklus“ auf dem Finkenberg überzeugten beide Musiker mit spielerischer Leichtigkeit, struktureller Transparenz und liebevoll ausgearbeiteten Details.

Gleich im ersten Stück „La joie“ von Gunther Martin Göttsche, einem deutschen Komponisten, der viele Jahre in der Erlöserkirche in Jerusalem gearbeitet hatte, brachten sie die Freude im Reich Gottes zum Ausdruck. Etwas sperriger, aber nicht minder interessant war das Porträt „Ritratto“ des italienischen Zeitgenossen Massimo Berzolla, in dem das Duo in eine Art Dialog trat.

Jüdisch anmutend folgten „Danse populaire“ und „A Synagogue in the Hill“ aus den Quatre Danses des schweizerischen Filmkomponisten Antoine Auberson. Klanglich wie auch stilistisch facettenreich mit einem Hauch Melancholie beeindruckte das Duo sein Publikum mit einer emotionalen Interpretation.

Dann zeigte sich Antensteiner solistisch auf der Orgel. Jehan Alain war einer der bedeutendsten Organisten der Moderne, der in der relativ kurzen Zeit seines Wirkens - er wurde nur 29 Jahre alt - die französische Orgelmusik des 20. Jahrhunderts stark beeinflusst hat. Seine Stelle im Temple Israelite in der Rue Notre-Dame-de-Nazareth in Paris hatte er nur vier Jahre inne, denn er fiel 1940 als Soldat in einem Gefecht bei Saumur. Alains wohl bekanntestes Orgelwerk sind die „Litanies“, in deren Verlauf es zu einer dramatischen Steigerung bis hin zur Ekstase kommt.

Drei Wochen vor Vollendung der Komposition stellte Alain eine Widmung voran, die besagt „wenn die Seele für die Anrufung Gottes keine Worte mehr findet, dann ist die Wiederholung der richtige Gebetsruf.“

Für die Kinder im Konzentrationslager Ravensbrück hatte der deutsche Musiker (Saxophonist und Komponist) Friedemann Graefs „Lamento“ geschrieben. Burghard Corbach spielte das Solostück sehr gefühlvoll und ausdrucksstark. Von dem Dänen Lars Kristian Hansen, Organist in der Erlöserkirche in Odense, stammte das 2013 komponierte „Homecoming“. Hier zeigten die scheinbar ungleichen Instrumente wieder, wie sie als gleichberechtigte Partner zu einem Gesamtklang verschmolzen, und das immer virtuos und spannungsreich. Den Schlusspunkt setzten Corbach und Antensteiner mit Robert Jones „Triptyque“ und spannten damit den Bogen vom Himmel zur Erde. Für den sich anschließenden großen Applaus revanchierten sich die Künstler gerne noch mit einer Zugabe.

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