Organisatorin des Klassik-Festival-Momentum in Stolberg im Interview

Interview zum Wochenende : „Innovation ist das Stichwort für das 4. Klassik-Festival-Momentum“

Organisatorin und Musikerin Patricia Buzari verspricht eine besondere Reihe mit zwölf Konzerten unterschiedlicher Künstler beim Klassik-Festival-Momentum.

Vom 22. bis 28. Juli 2019 beginnt in Stolberg das 4. internationale Klassik-Festival-Momentum, bei dem 72 Musiker auftreten und Qualität auf höchstem Niveau bieten. Rund um das Museum Zinkhütter Hof werden zwölf Konzerte gespielt, unter den Mitwirkenden sind zwei Echopreisträger und das Barockensemble der Elbphilharmonie Hamburg. Mit der Gründerin und Intendantin Patricia Buzari hat unsere Mitarbeiterin Marie-Luise Otten gesprochen.

Was ist das Besondere am diesjährigen Klassikfestival?

Buzari: Das lässt sich, denke ich, in einem Stichwort ganz gut zusammenfassen: Innovation! Das erste Mal zwölf Konzerte, das erste Mal das YAC Konzept (Young Artists in Concert), das erste Mal historische Aufführungspraxis mit dem Barockorchester der Elbphilharmonie, das erste Mal Ur- und Erstaufführungen zeitgenössischer Komponistinnen, das erste Mal ein Lounge-Interview mit unserem Artist in Residence und Sony Artist Alexander Krichel, das erste Mal ein Brunch-Konzert.

Sie können nicht für alles alleine zuständig sein, welche Leute arbeiten im Hintergrund mit Ihnen?

Buzari: Da haben Sie recht. Das kann und will ich auch nicht mehr. Meine engsten Mitarbeiter sind Yury Revich und Ingo Jander. Während der Festivaltage ist Dieter Jansen die gute Seele des Hauses und steht mitdenkend mit Rat und Tat zur Seite.

Wie sieht der finanzielle Rahmen aus?

Buzari: Darüber herrscht diskretes Schweigen, wie Sie sicherlich verstehen werden. Ich würde es aber sehr begrüßen, wenn die Stadt Stolberg und ihre Bürger den Mehrwert durch dieses Festival für sie erkennen. Es geht über hochkarätige klassische Konzerte weit hinaus: Wir setzen ein überdeutliches Zeichen an interkulturellem Miteinander und verhelfen der Region zum nachhaltig-wirtschaftlichen Aufschwung. Dass wir uns in einer der strukturschwächsten Regionen Deutschlands befinden, lässt sich nicht verhehlen.

Was haben Sie aus den vergangenen Musikfestivals gelernt?

Buzari: Sehr viel! Einerseits schätze ich die unermessliche Kraft der Musik. Andererseits muss ich mehr auf mein eigenes Bauchgefühl hören. Ich habe gelernt, Menschen zu erkennen, die mich bloß von meinem Kurs abbringen oder mir vorschreiben wollen, was ich kann oder nicht, und das nur, weil ich eine Frau bin. Daher möchte ich mich sehr schnell auf dem Absatz umdrehen und mich von solchen Menschen distanzieren und den eigenen, guten Weg gehen. Auch aus Steinen - Sie wissen, - die einem in den Weg gelegt werden, kann man etwas (Großes) bauen.

Warum zwölf Konzerte statt wie bisher sechs? Und zu welchem Eintrittspreis?

Buzari: Warum nicht?! Es ist ein organisches Wachstum im Festival - in sich - verankert. In den letzten drei Jahren war mir eine Steigerung in die Höhe wichtig. Nun sind es Höhe und Breite. Das Festival wächst im Jahr um 200 bis 300 Prozent. Es gibt Karten zwischen 5 und 40 Euro. Für jeden ist also etwas dabei.

Stichpunkt „Friday nights“. Was können Sie dazu sagen?

Buzari: FRIDAY NIGHTS with Yury Revich ist eine Konzertreihe aus Wien. Gegründet vom Stargeiger und Echopreisträger Yury Revich. Das Konzept basiert auf einer synergetischen und dialogischen Zusammenarbeit zwischen Musik, Kunst, angewandter Kunst, Theater, Tanz und Mode. Das FRIDAY NIGHTS-Konzept sieht vor, dass während Yury Revich und ich musizieren, ein Tänzer auftritt, eine Malerin inspiriert durch unsere Klänge zeichnet, ein Parfüm kreiert wird, Prosa und Poesie vorgetragen werden und noch vieles mehr. Im Sommer 2018 haben das Festival Momentum und FRIDAY NIGHTS kooperiert. Mehr Infos gibt es unter: www.festival-momentum.de und www.fnights.com.

Woher sollen die Zuhörer kommen? Wen wollen Sie mit den Konzerten ansprechen?

Buzari: Regionale, aber auch überregionale Zuhörer. Für diese hochkarätigen Künstler nimmt das Publikum gerne auch mal weitere Wege in Kauf. Die Pressearbeit, vor allem auch im Social Media Bereich, ist die Aufgabe einer professionellen PR-Agentur, die möglichst deutschlandweit agiert. Die Konzerte sollen durch die sehr fairen Preise für alle zugänglich sein, die sich für Musik begeistern.

Wie kommen Sie überhaupt immer an die vielversprechenden Talente, Echopreisträger?

Buzari: Persönliche Kontakte. Freundschaften. Fügungen. Glück.

Ist für den Künstler die Verbindung, die Nähe zum Publikum wichtig?

Buzari: Ja natürlich, sonst würden Sie nicht in diese Region kommen. Die Künstler und das Publikum schätzen sich gegenseitig. Alle sechs Konzerte im Juli 2018 endeten mit Bravo-Rufen und stehenden Ovationen. Die Künstler nahmen das Publikum als sehr aufmerksame Zuhörer wahr, die überaus dankbar, gebildet und auch frei emotional reagierten. So kam es vor, dass vor Begeisterung und aus ehrlicher Emotionalität schon mal zwischen den Sätzen eines Werkes applaudiert wurde.Im nächsten Jahr wird Alexander Krichel zum Beispiel nach seinem Klavier Recital ein Live-Interview geben. Alle Künstler, die hier waren, haben sich sehr wohl gefühlt, waren von der guten Organisation begeistert, die eine gewisse Ruhe in das recht lebhafte Künstlerdasein brachte.

Was ist mit Lampenfieber vor den Auftritten?

Buzari: Das gehört dazu. Ohne Lampenfieber geht es nicht. Es ist auch immer anders und von der Situation abhängig. Unser Hirn ist nicht dafür geschaffen, mit derartig kreativen Stresssituationen wie auf der Bühne umzugehen. Wenn man das weiß, kann man sich positiv von negativem Lampenfieber dissoziieren. Vor dem Auftritt sterbe ich gefühlt hundert Tode, doch sobald ich die erste Taste berühre und meine Liebe für die Musik mit den Menschen teilen darf, bin ich die glücklichste Version meiner selbst.

Wen wollen Sie bei diesem Festival zusammenbringen?

Buzari: So viele verschiedene Kulturen wie möglich. Wenn Sie allein die Liste der bisher teilnehmenden Künstler ansehen, werden Sie schnell feststellen, dass wir sehr international sind. Allein in mir sind zwei großartige Kulturen vereint: Orient und Okzident sind wahrlich nicht mehr zu trennen. Ich denke, wir haben längst bewiesen, dass ein harmonisches, transkulturelles Miteinander lebbar ist. Wir sind alle Bürger dieses einen Planeten Erde. Stichwort: Global citizens.

Der Wettbewerb „Jugend goes classic“ hat welche Kategorien?

Buzari: Insgesamt vier Kategorien: Klavier, Streicher, Blasinstrumente und Gesang.

Wer sitzt in der Jury?

Buzari: Prof. Elsbeth Moser, Prof. Alexej Gorlatch, Prof. Klaus Heitz, Ingo Jander, Yury Revich und ich.

Was erwartet die Sieger?

Buzari: Alle Teilnehmer sind bereits Sieger, da sie sich durch eine erste Runde qualifizieren mussten. Für jeden wird das Passende dabei sein: Preisgelder, neue Kontakte, Inspiration.

Wie gehen Sie mit Kritik um?

Buzari: Es kommt darauf an, woraus diese Kritik erwächst. Destruktive Kritik, die erwachsen ist aus Neid und Hass, prallt an mir ab. Konstruktive Kritik von Fachleuten und wahren Freunden - von denen ich weiß, dass ihnen das Festival am Herzen liegt - vorgebracht nehme ich hingegen demütig und dankbar an und setze sie möglichst auch in die Tat um. Man kann immer etwas verbessern.

Gibt es für Sie noch Zeiten der Ruhe während des Festivals?

Buzari: Während der Festival-Woche ist viel zu tun, und das ist auch okay so. Die mentale Vorbereitung ist, glaube ich, besonders wichtig. Die Doppelfunktion, als Künstlerin die Sache zu unterstützen und auch als Intendantin präsent zu sein, fordert einem viel ab. Danach mache ich immer Urlaub. Die Ruhe ist aber immer in mir. Und alles kann gemeistert werden, Schritt für Schritt.

Wie bereiten Sie sich darauf vor?

Buzari: Eigentlich über 361 Tage im Jahr. Jeden Tag arbeite ich darauf hin, das Festival zu organisieren: Telefonate, E-Mails, Meetings, Reisen, stundenlanges Üben. Alles mit Freude!

Mehr von Aachener Zeitung