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Stolberg: Nur mit blauen Deckeln sind es „faire Tonnen”

Stolberg : Nur mit blauen Deckeln sind es „faire Tonnen”

Gelbe Tonnen mit Altpapieraufkleber oder graue Tonnen mit blauem Deckel: Welche werden wohl das Rennen um die Gunst der Stolberger machen? In jedem Fall die Gefäße mit dem blauen Deckel, die die Regio-Entsorgung im Auftrag der Stadt den Bürgern bereitstellt.

Warum? Ganz einfach: Jeder Grundeigentümer bekommt eine solche Tonne mit einem Volumen von 240 Liter von dem kommunalen Unternehmen geliefert. Es sei denn, er möchte mehr als einen Behälter oder eine andere Größe oder etwa doch keine Tonne. Das muss er dann aber der Stadtverwaltung mitteilen.

In diesen Tagen müsste jeder Hauseigentümer ein gemeinsames Schreiben der Stadtverwaltung und der Regio Entsorgung AöR erhalten haben, in der die Einführung der „fairen blauen Tonne” erläutert wird.

Bewusst grenzt sich die Behörde auch mit ihrem Slogan ab von den Umweltdiensten Braun. Das private Unternehmen ist zwar im städtischen Auftrag mit der Abfuhr von Restmüll, Grünschnitt und Sperrmüll beauftragt, aber auf dem Altpapiermarkt sind dieselben Braun Umweltdienste ein Konkurrent der Stadt.

Seitdem mehrere Oberverwaltungsgerichte den freien Wettbewerb bei der Entsorgung von Altpapier bestätigt und damit die kommunale Entsorgungsveranwortung unterminiert haben, ist ein regelrechter Kampf um den Rohstoff entbrannt. Denn steigende Preise für Altpapier haben den Markt interessant gemacht.

Entsorgungs-Sicherheit

Private Firmen wittern hohe Gewinnmargen und unternehmen alles, um möglichst viel Papier bei den privaten Haushalten und Gewerbe abzuschöpfen.

Die Kommunen machen sich dagegen Sorgen um die Entwicklung ihrer Abfallgebühren. Denn die Erlöse aus der Altpapier-Entsorgung wirkten sich bislang senkend auf das Niveau der Müllgebühren aus. In Stolberg machte das rund 70.000 Euro im Jahr aus - mit steigender Einnahmeerwartung.

Ein Grund für die Stadt, unverzüglich zu handeln, als die Firma Braun kostenfreie Altpapier-Tonnen anbot. „Der andere ist die Entsorgungssicherheit”, betont Sven Poschen vom Ordnungsamt.

Denn bei fallenden Preisen werde wohl auch das Interesse der Privatunternehmen sinken, ihre Tonnen weiter zu entleeren. „Das ist aber bei den fairen Tonnen der Stadt garantiert”, betont Poschen. Die Abfuhr - übrigens zum gleichen Zeitpunkt wie bisher für Altpapier im Abfallkalender ausgewiesen - werde unabhängig von der Entwicklung der Papierpreise erfolgen.

Ungeachtet der städtischen Bemühungen, den Service der Altpapierentsorgung auszuweiten, bieten die Braun Umweltdienste ihre Tonnen - gelbe mit Aufkleber - als Geschäft an der Tür von Haus zu Haus weiterhin im Stadtgebiet an. „Das hat inzwischen auch zu vielen Irritationen bei den Stolbergern geführt”, bestätigt Poschen.

Ein freiwilliges Angebot

Weil die Braun GmbH den Restmüll abholt, würden viele Bürger glauben, sie würde auch im städtischen Auftrag die Altpapiertonnen ausliefern. „Dem ist aber nicht so”, unterstreicht Poschen.

Erst zum Ende der Sommerferien werden die städtischen Tonnen durch die kommunale Regio-Entsorgung ausgeliefert. „Es werden graue Tonnen mit einem blauem Deckel sein”, erklärt Michael Uhr, Pressesprecher der Regio-Entsorgung.

Denn bei den „fairen Tonnen” haben die Stolberger die Wahl. Sie wird in der Regel als 240-Liter-Gefäß ausgeliefert. Es sei denn, es wird eine 120 Liter fassende Tonne oder ein 1100 Liter großer Container bestellt. „Auf Wunsch stellen wir auch mehrere Gebinde bereit”, sagt Uhr.

„Dies ist ein Angebot auf freiwilliger Basis”, betont Poschen, denn es kann auf die Bereitstellung eines Sammelgefäßes verzichtet werden. Auch im Nachhinein kann man auf das Angebot verzichten oder es annehmen.

Dazu bittet die Stadt, die dem Anschreiben anhängende und freigemachte Bestellkarte möglichst bis zum 31.Juli an die Regio-Entsorgung zu senden, damit diese Anstalt öffentlichen Rechts die Auslieferung der Gefäße zum Ende der Sommerferien hin wunschgemäß disponieren kann.