Stolberg: NRW-Innenminister Ralf Jäger gibt Fahrradtraining für junge Flüchtlinge

Stolberg: NRW-Innenminister Ralf Jäger gibt Fahrradtraining für junge Flüchtlinge

Im Rahmen eines landesweiten Projekts stellt NRW-Innenminister Ralf Jäger ein Fahrradtraining für junge Menschen im Stolberger Agnesheim vor. Noch sitzt Otmane etwas unsicher auf seinem schwarzen Fahrrad. Schulterblick, Handzeichen und langsam um die Kurve fahren.

Das einhändige Fahren bereitet dem 17-Jährigen aus Marokko noch Probleme. In seiner Heimat gebe es längst nicht so viele Autos auf den Straßen wie hier in Deutschland, sagt der junge Mann, der seit einem Jahr in Stolberg lebt. „Man muss hier immer nach rechts und nach links gucken, das ist ganz schön anstrengend.“

Erst die Theorie, dann die Praxis: Für NRW-Innenminister Ralf Jäger (kleines Bild 2.v.l.) ist das Fahrradtraining der Aachener Polizei für Flüchtlinge ein wichtiger Baustein der Willkommenskultur. Foto: A. Kasties

Für Flüchtlinge ist in Europa vieles ungewohnt. Aus der Heimat geflohen, müssen sie sich in einem neuen Umfeld mit einer teils fremden Gesellschaftsstruktur zurechtfinden. Auch die Regeln im Straßenverkehr gehören dazu.

Jürgen Steffens von der Verkehrsdirektion der Polizei Aachen legt dem jungen Flüchtling eine Sicherheitsweste an. Foto: A. Kasties

Damit die neuen Mitbürger auf den Straßen sicher unterwegs sind, bietet die Aachener Polizei ein spezielles Fahrradtraining für Flüchtlinge an. NRW-Innenminister Ralf Jäger stellte das landesweite Projekt am Dienstag im Stolberger Agnesheim vor.

Das Sicherheitstraining der Polizei ist für den Minister ein wichtiger Bestandteil der Willkommenskultur. „Das klingt möglicherweise banal, aber die Menschen kommen aus Ländern, in denen es keine Verkehrsregeln gibt, schon gar nicht diesen dichten Verkehr. Das ist für diejenigen, die Fahrrad fahren, echt gefährlich“, erläuterte Jäger. „Dafür zu sorgen, dass sie im Straßenverkehr sicher unterwegs sind, ist ein Teil von Integration.“

30 minderjährige Flüchtlinge, die derzeit in der Stolberger Betreuungseinrichtung leben, nahmen an dem Fahrradtraining der Aachener Polizei teil. Ihre Erfahrungen mit dem Zweirad waren dabei so unterschiedlich wie ihre Herkunftsländer. Einige Flüchtlinge, die dem syrischen Bildungsbürgertum entstammten, waren in ihrer Heimat häufig mit dem Fahrrad unterwegs gewesen. Andere, die aus ländlicheren Gebieten beispielsweise in Afghanistan kommen, hatten bis dato noch nie Hand an einen Fahrradlenker gelegt, geschweige denn eine Runde auf einem Zweirad gedreht.

Den Ausführungen von Jürgen Steffens von der Verkehrsdirektion der Polizei Aachen lauschten sie gleichermaßen gespannt. In einer theoretischen Einweisung erklärte der Polizist — mit Hilfe eines Dolmetschers — die wichtigsten Verkehrsregeln und Verkehrszeichen für Fahrradfahrer. Welche Vorfahrtszeichen gibt es? Wann gilt rechts vor links? Und was bedeutet es, wenn ein Polizist auf der Straße mit einem roten Stopp-Zeichen winkt?

So viel zur Theorie. Die Herausforderung liegt in der Praxis. Die wichtigsten Utensilien dafür lieferte die Aachener Polizei gleich mit. Zehn Fahrräder und ebenso viele Fahrradhelme übergab Innenminister Jäger den Bewohnern des Agnesheims.

30 weitere Räder nebst Helmen gehen an zwei weitere Unterkünfte der Städteregion Aachen. Unter den Rädern waren von Aachener Polizisten gespendete Fahrräder und Fundräder, deren Besitzer nicht mehr ermittelt werden konnten. Sie wären sonst versteigert worden. Ehrenamtliche Mitarbeiter des diakonischen Netzwerkes WABE hatten die Drahtesel zuvor für die Flüchtlinge verkehrssicher gemacht.

„Das Fahrradtraining ist ein wichtiger Beitrag zur Mobilität der jungen Flüchtlinge und zur Verkehrssicherheit“, betonte Aachens Polizeipräsident Dirk Weins-pach. Das Training soll nun fortgeführt und intensiviert werden. Da die Beamten nicht jede Flüchtlingsunterkunft besuchen können, will die Polizei zudem Mitarbeiter aus Heimen als Multiplikatoren ausbilden.

Übung macht den Meister, das wurde auch den jungen Flüchtlingen schnell klar. Insbesondere das einhändige Fahren wurde für die meisten jungen Menschen auf den Straßen rund ums Agnesheim noch zu einer wackligen Angelegenheit. Jürgen Steffens gab ihnen auch beim praktischen Teil des Fahrradtrainings Hilfestellung. Und erinnerte sie immer wieder an die wichtigsten Vorkehrungen als Fahrradfahrer im Straßenverkehr: Schulterblick, Handzeichen und langsam um die Kurve fahren.

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