Stolberg: Norbert Greuel: Stolberg ist auf einem sehr guten Weg

Stolberg: Norbert Greuel: Stolberg ist auf einem sehr guten Weg

Der letzte öffentliche Auftritt von Norbert Greuel in Stolberg hat für einige Furore gesorgt.

Als er kurz vor Weihnachten bei der Einweihung der Gutenberg-Schule den rund 21 Millionen Euro teuren Neubau als „mutige Entscheidung” bezeichnete und den grundsätzlichen Fortbestand der Förderschulen längerfristig in Frage stellte, waren die Vertreter des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) als Schulträger und die Schulleitung um Wolfgang Röber wenig begeistert von den kritischen Bemerkungen in der feierlichen Runde. Der Schulamtsdirektor im Schulamt für die Städteregion Aachen ist bekannt als energischer Verfechter des inklusiven Gedankens und wurde seinem Ruf auch an diesem Tage gerecht.

Was Greuel im Kern befürwortet und fordert, ist die grundsätzliche Integration von Kindern mit besonderem Förderbedarf an den Regelschulen. „Die allgemeine Schule wird in Zukunft der Regelförderort sein”, zeigt er sich überzeugt. Das ergebe sich aus der auch von der Bundesrepublik Deutschland ratifizierten UN-Menschenrechtskonvention, die allen Kindern mit körperlicher oder geistiger Behinderung den Zugang zu einer Regelschule zuspricht.

„Unaufhaltsame Entwicklung”

Aber auch der immer stärker ausgeprägte Elternwille trage zu einer Entwicklung bei, die Norbert Greuel als „unaufhaltsam” bezeichnet. Auch wenn der Gesetzentwurf der rot-grünen Landesregierung noch nicht verabschiedet worden ist und der Prozess durch die Auflösung des Landtages somit vorerst stockt, setzt der Schulamtsdirektor darauf, dass „möglichst noch vor der Sommerpause” das Wahlrecht der Eltern auf den Förderort ihrer Kinder in die Landesverfassung aufgenommen wird. „De facto ist dieses Wahlrecht aber schon durch einen entsprechenden Erlass des Schulministeriums geschaffen worden”, verweist Greuel auf den Trend, dass immer mehr Eltern eine Integration ihrer Kinder an einer Regelschule wünschen. Und er ist sicher: „Immer mehr Kinder werden auf eine allgemeine Schule gehen.”

Im Blick hat er derzeit vor allem den Übergang von der Grund- auf die weiterführende Schule. Hier kann er für Stolberg hinsichtlich des kommenden Schuljahres bereits jetzt einen großen Erfolg vermelden: „Wir haben für alle 21 Kinder der vierten Klassen mit sonderpädagogischem Förderbedarf, deren Eltern eine Anmeldung an einer Regelschule gewünscht hatten, im Einvernehmen einen Platz gefunden.” Anspruch sei, dass es in jeder Schulform ein wohnortsnahes Angebot für die integrative Beschulung gebe. „In Stolberg haben wir das schon geschafft. Hier sind wir auf einem sehr guten Weg.”

Das hatte sich zuletzt auch in dem Ende Januar besiegelten Kooperationsvertrag für eine regionale Bildungsinitiative dokumentiert. Sie ist auf Betreiben der Förderschule Talstraße und der Stolberger Grundschulen sowie mit Unterstützung der „Montag Stiftung” zustande gekommen und will sich für Integration und Inklusion einsetzen.

„Wir fangen nicht bei Null an”, betont Norbert Greuel mit Blick auf die integrativen Bestrebungen und verweist auf die Bemühungen, die der ehemalige Kreis Aachen bzw. die heutige Städteregion Aachen bereits seit 1985 unternehmen.

„In der Städteregion haben wir schon 30 Prozent aller Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf in integrativen Maßnahmen”, stellt Greuel ein gutes Zwischenzeugnis aus.

Zur zukünftigen Notwendigkeit der Förderschulen äußerte er sich am Mittwoch auf Anfrage zurückhaltend: „Immer mehr Kinder mit Förderbedarf werden an einer Regelschule angemeldet”, prognostiziert Greuel. „Man wird sehen, was dann noch an Förderschulen benötigt wird.”

Am Mittwochabend referiert Norbert Greuel im Stolberger Schulausschuss. Die öffentliche Sitzung beginnt um 18 Uhr im Goethe-Gymnasium.