Stolberg: Noch rollen Bagger durchs Burg-Center, bald die Einkaufswagen

Stolberg : Noch rollen Bagger durchs Burg-Center, bald die Einkaufswagen

Dort, wo jetzt noch jeder Schritt auf dem harten Betonboden durch die riesigen Räume hallt, füllen schon bald meterlange Regale die Leere. Dort, wo jetzt noch Leitern und Gerüste für abschließende Handgriffe bereitstehen, reiht sich schon bald Duschgel an Sonnencreme und Toilettenpapier. Dort, wo jetzt noch die letzten Bagger rollen, rollen schon bald die ersten Einkaufswagen.

Nur ein paar Tage bevor Bäcker, Frisör und Drogeriemarkt ihre Ladenlokale beziehen, können sich unsere Leser schon einmal einen Eindruck davon verschaffen, was das Burg-Center den Stolbergern zu bieten haben wird.

Im Bauleitungsbüro

Andreas Zimmermann, der die Bauleitung für den Projektentwickler AMW Projekte inne hat, führt bei unserer zweiten Entdeckungstour in diesem Sommer über die kurz vor dem Abschluss stehenden Baustelle zwischen Willy-Brandt-Platz, Zweifaller Straße und Kaufland.

Doch bevor die Gruppe zum Rundgang über das Gelände aufbricht, wirft Zimmermann einen Blick zurück. Im Bauleitungsbüro zeigt er auf alten Lageplänen und Fotos, wie es hier früher einmal aussah, was vor dem Burg-Center an dieser Stelle stand.

Ein Raunen geht durch die Runde, ein „Ach ja” hier, ein „Ja, stimmt” dort. Denn noch ist es nicht lange her, da sah hier alles ganz schön anders aus. Vor gut einem Jahr noch befand sich statt des Burg-Centers unter anderem ein großer Parkplatz, eine Pizzeria und eine leerstehende Schreinerei auf dem Gelände.

Wer möchte, darf sich jetzt noch einen Bauhelm aufsetzen - Pflicht sei das allerdings nicht und Gefahren lauerten auf der Baustelle auch keine, beruhig Zimmermann und erklärt noch: „Die gelben waren für die Gesellen und die weißen für die Ingenieure.”

So zieht die rund 20 Mann starke Gruppe - zunächst im Gänsemarsch - aus dem Bauleitungsbüro hinaus, am Bauzaun entlang und Zimmermann hinterher. Eine handvoll Köpfe sind dabei mit Bauhelmen geschützt - mit weißen versteht sich.

An vielen Stellen wird noch gewerkelt, Pflastersteine verlegt, Teer ausgegossen, Leitungen angebracht. „Die Kollegen hier arbeiten im Zwei- und Drei-Schicht-Betrieb, damit alles nach Plan läuft.” Denn der harte Winter machte den Bauherren beinah einen Strich durch die Rechnung. Eis und Schnee über viele Wochen lang ließen die Bauarbeiten zwischendurch ruhen. „Jetzt sind wir voll im Zeitplan und schon in der nächsten Woche werden wir den Mietern die Ladenlokale übergeben, die diese daraufhin beziehen können.”

83 Prozent der Fläche, 4800 Quadratmeter, seien bereits vermietet, größtenteils an Geschäfte, die es bisher in Stolberg noch nicht gibt. So werden hier insgesamt rund 100 neue Arbeitsplätze enstehen, schätzt Zimmermann. Wenige Lokale stehen noch leer, aber da sei man schon in Verhandlungen mit zum Beispiel einer Eisdiele und einer Pizzeria, um das Angebot noch weiter abzurunden.

„Durch eine gute Mischung der Läden soll das Burg-Center zu einem Magneten hier in Stolberg werden”, sagt Melanie Rakers, Projektentwicklerin bei AMW. Auch wenn es aufgrund der Entwicklungen der letzten Jahre eine Weile dauern wird, bis tatsächlich das erhoffte Umdenken erreicht wird, glaubt Rakers. „Wir möchten, dass die Stolberger wieder auf die Idee kommen, in Stolberg einzukaufen und davon wird schließlich auch der Steinweg profitieren”, sagt die Projektentwicklerin.

Vor dem Eingang, der sich in eben diese Richtung, Willy-Brandt-Platz und Steinweg, öffnet, bittet Zimmermann die Gruppe zum Halt. Er muss schon ein wenig seine Stimme erheben, um den Baustellenlärm zu übertönen - noch wird hier eben hart gearbeitet. „Anfang nächster Woche kommen die Gerüste ganz weg”, sagt er, begleitet vom gleichmäßigen Rumpeln und Hämmern der Maschinen und zeigt auf die helle Fassade, die eine große Glasfront einschließt.

Bis dahin wird auch die dunkle Pflasterung, die einmal ganz um das Gebäude herumführen und einen Gehweg markieren soll, ein gutes Stück fortgeschritten sein.

Auf die Probleme, vor denen die Bauherren einer so großen innerstädtischen Baustelle stehen, macht Zimmermann auf der Zweifaller Straße aufmerksam. Wegen des Schulbusverkehrs durfte die Straße erst mit dem Ferienbeginn gesperrt werden, um so die Geschäfte ans Gas- und Stromnetz anschließen zu können. Außerdem wurde lange Zeit ein Kran in die Baustelle hinein-, statt außenvor gestellt, um den Verkehr möglichst wenig zu beeinträchtigen. Der Kran wurde unter anderem zum Zusammensetzen der Fertig-Betonteile, die beim Bau des Burg-Centers hauptsächlich eingesetzt wurden, benötigt.

Eine abrupte Unterbrechung erfährt die moderne Fassade des Burg-Centers an der Ecke Zweifaller Straße/Zufahrtsstraße Kaufland. Ein durchaus kontrastreiches Bild zeigt sich hier dem Betrachter. Links und rechts heller Neubau - das dunkle Häuschen mit der Nummer 46 wirkt beinah wie eingekesselt. Das unter Denkmalschutz stehende Haus musste erhalten bleiben, und so wurde das Burg-Center kurzerhand drumherum gebaut.

Schließlich führt Zimmermann die Gruppe noch hinauf auf das Parkdeck. Die frischgeteerte Auffahrt darf noch nicht betreten werden, deswegen geht es hinten herum, durch eines der zwei Treppenhäusern, die hinauf auf das Dach führen. Durch das Grün der Bäume sind von hier oben die Umrisse der Burg zu erkennen.

Merkwürdig muten allerdings die Metallstreben, die schräg auf dem Dachrand stehen, an. „Hier wird noch ein Schallschutz befestigt werden”, erklärt Zimmermann, „damit die Nachbarn möglichst wenig von dem Parkplatzlärm abbekommen.” Die Stellplätze werden übrigens alle kostenfrei und den Öffnungszeiten der Geschäfte angepasst sein.

Geteilter Meinung

Ganz schön ins Staunen kommen die Teilnehmer der Lesertour, als sie einen Blick in das Ladenlokal werfen dürfen, in dem zukünftig die Drogerie Rossmann sitzen wird. So groß haben es sich wohl die wenigsten vorgestellt. Noch gibt es hier allerdings nicht viel außer weißen Wänden und kahlen Böden. „Um den Bodenbelag und die Regale kümmern sich die Mieter dann selbst ab der nächsten Woche”, sagt Zimmermann.

So beeindruckend und imposant das Burg-Center auch wirkt, beim abschließenden Baustellen-Snack wird deutlich, dass einige Stolberger die zukünftig Entwicklung durchaus skeptisch sehen. Wenn Gottfried Hennig sich vorstellt, dass hier genau das gleiche passiert wie bei den Aachen Arkaden, die in keinster Weise den gewünschten Erfolg zeigen, dann wird ihm „richtig schlecht”. Auch glaubt er nicht an einen positiven Einfluss auf die restliche Innenstadt. „Das wird der Todesstoß für den Steinweg sein.”

Dass die Stolberger über das Burg-Center durchaus geteilter Meinung sind, dass weiß auch Melanie Rakers. Aber sie glaubt an eine gute Zusammenarbeit mit den Geschäften im Steinweg. Sie denkt dabei auch an gemeinsames Late-Night-Shopping oder verkaufsoffene Sonntage.

Vermutlich wird das Burg-Center noch eine zeitlang polarisieren. Auch wenn hier statt der letzten Bagger bereits die ersten Einkaufswagen rollen.

Am Donnerstag, 27. August, werden alle Geschäfte des Burg-Centers gemeinsam offiziell eröffnet. Ab 9 Uhr erwarten die Stolberger viele Aktionen.