Vicht: Neun Jahre nach Gründung: VfL Vichttal in Mittelrheinliga angekommen

Vicht: Neun Jahre nach Gründung: VfL Vichttal in Mittelrheinliga angekommen

Es ist ein spektakuläres Spiel an jenem 11. September vor sechs Jahren. Vor über 500 Zuschauern. Der Lokalsport dieser Zeitung wird am Tag danach schreiben: „Das Derby machte seinem Namen alle Ehre.“ Sieben Tore fallen — äußerst ungleich verteilt: Zwei schießt der VfL Vichttal, fünf Mal jubelt der SV Breinig.

Gefeierter Mann beim Heimerfolg der Breiniger ist der Stürmer, der damals dem SV Treffer nahezu garantiert und auch an diesem Spieltag dreifach trifft: Michael Meven. Vichttal gibt nie auf, kommt nach einem zwischenzeitlichen 0:3-Rückstand noch einmal heran, hat aber auch mit sich selbst zu kämpfen. Es gibt drei Platzverweise, am Ende sind die Blau-Weißen noch zu Acht.

„Das war wirklich kein schöner Abend“, sagt Michael Frey. Er erinnere sich nicht an jedes Spiel, nicht an jedes Ergebnis — dieses ist dem Vorsitzenden des VfL Vichttal aber noch präsent. Es war schließlich nicht irgendein Duell. Und nicht irgendein Stolberger Derby. Es war das erste Liga-Aufeinandertreffen der beiden Klubs. An jenem dritten Spieltag der Saison 2011/2012 ging es um Punkte in der Landesliga.

Für Breinig war die Spielklasse zu dem Zeitpunkt schon lange die sportliche Heimat. Vichttal war Neuling. Der VfL war nach der Fusion 2008, als sich der VfL Zweifall und der VfB Vicht zusammentaten, schnell emporgeschossen. Im ersten Jahr gab es den ersten Aufstieg — aus der Kreisliga A in die Bezirksliga. Noch immer, sagt Frey, sei das einer der emotionalsten Momente der Vereinsgeschichte: „Das war unser Ziel. Wir hätten nie gedacht, dass es weiter geht.“

Im Rückblick ist das kaum zu glauben. Da wirkt es wie ein Puzzle-Stück in einem größeren Plan. Zwei weitere Aufstiege folgten. Die Bezirksliga wurde zur zweijährigen Zwischenstation, die Landesliga-Zeit dauerte sechs Jahre. Heftige Niederlagen wie die am 11. September 2011 blieben die Ausnahme. Schon in der Rückrunde derselben Saison schaffte Vichttal die Revanche gegen Breinig. Es brauchte zwar Glück und einen starken Keeper: „Stefan Delheid Held des VfL“, lautete der Zeitungstitel über den Mann, der zu dieser Zeit noch das Vichttaler Torwart-Trikot trug.

Am Ende stand ein 1:0-Heimsieg. Insgesamt heißt es nach inzwischen zehn Liga-Duellen: Vier Siege für Vichttal, zwei Unentschieden, vier Siege für Breinig. Schöner lässt sich — zumindest für Statistik-Liebhaber — Augenhöhe kaum ausdrücken. Zeitgleich wächst der Sportpark Dörenberg. Auch das zählt zum Erfolg. „Mittelrheinliga, das ist vollkommen überraschend. Das war 2008 wirklich nicht vorstellbar“, sagt Frey dennoch. Damals, als die Vertreter des A-Ligisten VfB Vicht und des B-Ligisten VfL Zweifall bei den Fusionsverhandlungen zusammensaßen. Über Organisatorisches redeten: das Wappen, die Farben, die Platzanlage.

Vorbilder waren zu diesem Zeitpunkt noch rar. Der VfL Vichttal war das erste derartige Konstrukt in der Stolberger Fußball-Landschaft. Skepsis gab es durchaus. Von außen wurde das Projekt kritisch beäugt. Das Wort Neid dominierte die Debatte. Es ging um 250.000 Euro städtischen Zuschuss, die der VfL bekam. Und den Kunstrasen. Nein, beliebt war der neue Fusionsklub nicht wirklich.

Langsam, sagt Frey, werde es nach seinem Gefühl besser. Intern waren die Handelnden überzeugt. Man kannte sich. Der Wille war groß, es zu schaffen. Einige ältere Vereinsmitglieder traten jedoch aus. Heute sagt Frey: „Die Integration ist super gelaufen.“ Inzwischen gibt es eine Jugendgeneration, die nur für Vichttal gespielt hat. Darauf dass die Wurzeln nicht vergessen werden, legt der Verein dennoch großen Wert. Im Vereinshaus hängen zwei Embleme.

Frey wurde bereits 2008 zum Vorsitzenden. Und er ist nicht der Einzige, der von Anfang an beim VfL mit gestaltet hat. „Es sind noch viele Leute der ersten Stunde dabei“, sagt er. Es ist eine auffällige Kontinuität. Sie ist vielleicht die Basis der Erfolgsgeschichte — ein wichtiger Baustein allemal. Sie trägt dazu bei, dass Frey sagen kann: „Wir sind immer noch der gleiche Verein.“ Ein Satz, der zunächst selbstverständlich scheint.

Es aber — mit Blick auf das Wachstum, das der VfL in den vergangenen neun Jahren im Schnelldurchlauf erlebt hat — keinesfalls ist. Moderner Sportpark statt Dorfplatz. 700 statt 400 Mitglieder. Die boomende Jugend-Abteilung. Mittelrhein- statt Kreisliga. Darauf ist man besonders stolz: „Diese Mannschaft ist unser absolutes Aushängeschild, alle sind riesige Fans“, sagt Frey.

Stillstand gibt es auch aktuell nicht. Es wird weiter gebaut. Die Planungen für die Halle sind in der finalen Phase. Und perspektivisch auch weiter aufgestiegen? Bei vielen Vereinen gäbe es wohl ein klares Nein als Antwort. Die Mittelrheinliga ist für ein Gros der Amateurklubs das Nonplusultra — die natürliche Grenze. Frey aber sagt: „Man soll niemals nie sagen.“ Als Plan will er das auf keinen Fall verstanden wissen. Und auch nicht als Ziel, auf das der Verein hinarbeite. Da gibt es andere: Es zähle gerade nur der Klassenerhalt.

„Regionalliga ist für uns zur Zeit genauso unvorstellbar wie es 2008 die Mittelrheinliga war“, sagt er. Wo die Geschichte des A-Ligisten, der die Bezirksliga anpeilte, derzeit geschrieben wird, ist bekannt. Sicher fest steht: An diesem Sonntag erlebt sie nun einen weiteren Höhepunkt — und es ist gleichzeitig einer für ganz Fußball-Stolberg. „Wir kennen uns alle, wir verstehen uns sehr gut. Es ist immer etwas Schönes, gegeneinander zu spielen — auch wenn es wie immer nur drei Punkte gibt“, sagt Frey. Über sieben Tore würden sich die Zuschauer wieder freuen. Der VfL Vichttal über eine andere Verteilung.

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