„Pulse of Europe“: Neujahrsempfang der Kupferstadt steht im Zeichen der EU

„Pulse of Europe“ : Neujahrsempfang der Kupferstadt steht im Zeichen der EU

Der Puls Europas schlägt auch an der Vicht. Und zwar laut und deutlich, wie der Neujahrsempfang der Kupferstadt eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat.

Die sehr gut besuchte Veranstaltung im Museum Zinkhütter Hof stand ganz im Zeichen des Staatenbundes, und Redner wie Gäste legten auf vielfältige Art und Weise ein flammendes Bekenntnis für die Europäische Union ab.

Eine Besonderheit bei diesem Neujahrsempfang war, dass kein gewählter Bürgermeister die Gäste begrüßte, da Tim Grüttemeier jüngst das Amt des Städteregionsrats angetreten hat und den Baesweiler Neujahrsempfang besuchte.

Doch „obwohl uns unser Bürgermeister abhanden gekommen ist, ist Stolberg auch weiterhin nicht führungslos“, erklärte die stellvertretende Bürgermeisterin Karina Wahlen. Rückblickend auf das Jahr 2018, in dem Stolberg sein 900-jähriges Bestehen feierte, bilanzierte Wahlen ein „Jahr der Superlative“ für die Kupferstadt. Stolberg sei ein gutes Stück vorangekommen, und der gesellschaftliche Zusammenhalt werde stärker. Aufgrund vieler anstehenden Projekte stehe der europaaktiven Kommune Stolberg ein spannendes Jahr 2019 bevor.

Joachim Sina appellierte, sich für Europa zu engagieren. Foto: Dirk Müller

Das zweite Grußwort sprach der Erste Beigeordnete Robert Voigtsberger, der die Stolberger Verwaltung bis zur Bürgermeisterwahl leitet, die parallel zur Europawahl am 26. Mai stattfindet. Voigtsberger bezeichnete die Europäische Union als das „erfolgreichste Friedensprojekt aller Zeiten“, und betonte, Europa sei das Fundament unserer Freiheit.

„Es ist nicht selbstverständlich, dass wir reisen können, wohin wir wollen, dass wir treffen können, wen wir möchten, und dass wir sagen dürfen, was wir denken“, meinte Voigtsberger und wünschte „uns allen, dass wir nach der Wahl in einem Europa aufwachen, das dem Nationalismus eine deutliche Absage erteilt hat, das sich seiner Verantwortung vor der Welt bewusst ist und das mit Zuversicht auf seine eigenen Möglichkeiten blickt“.

Das niederländische Duo Annet und Kars untermalte den Empfang musikalisch. Foto: Jürgen Lange

Die Redebeiträge beim Neujahrsempfang wurden stilvoll von dem Duo „Annet und Kars“ musikalisch aufgelockert, und Moderatorin Sonja Essers, Redakteurin unserer Zeitung, begrüßte mit Joachim Sina und Manfred Kutsch die Initiatoren des Aachener Ablegers der überparteilichen pro-europäischen Bürgerbewegung „Pulse of Europe“.

Der Initiative sei es wichtig, „die Menschen von ihren Sofas herunter zu bekommen und der schweigenden Mehrheit eine Stimme zu geben“, sagte Sina. „Wir haben ein unverschämt gutes Leben, das ohne Europa unmöglich wäre.“ Die EU sei ein einzigartiges Friedensprojekt und „das modernste politische Gebilde, das es derzeit weltweit gibt“, so Sina weiter.

Nach Impulsen von Manfred Kutsch erläuterten Beate Roderburg (r.) und Iris Hilker (l.) ihre Beweggründe, sich aktiv für Europa zu engagieren. Foto: Jürgen Lange

„Europa ist jung, erfolgreich und sexy. Aber es steht auf der Kippe. 2019 ist ein Schicksalsjahr für die EU, denn bei den Wahlen im Mai drohen Populisten und rechte Feinde Europas zu erstarken“, mahnte Sina und folgerte, es sei erste Bürgerpflicht, zur Europawahl zu gehen und für Demokraten zu stimmen. Er rief auf: „Verteidigen Sie Europa mit Ihrer Stimme bei der Wahl und in Gesprächen mit anderen Menschen!“ Auch sein Mitstreiter Manfred Kutsch warnte vor „populistischen Viren, die den Pulsschlag Europas attackieren“, bevor eine typische „Pulse-of-Europe“-Aktion startete.

Bekenntnisse zu Europa

Bei dem „offenen Mikro“ konnten Gäste sich in maximal dreiminütigen Statements zu Europa äußern. Eine Aktion, die gut ankam: Das Mikrofon wurde 15 Mal weitergereicht. Gabi Halili zum Beispiel forderte, die Wurzeln des aufkeimenden Populismus in der EU zu bekämpfen.

Die stellvertretende Bürgermeisterin Karina Wahlen und der Erste Beigeordnete Robert Voigtsberger begrüßten die Gäste und sprachen die Grußworte. Foto: Jürgen Lange

Die klaffende „Schere zwischen Arm und Reich“, und die finanziellen Sorgen vieler Menschen würden populistische Parteien stärken. Dieter Brockmann regte unter anderem an, die EU-Mitgliedstaaten bräuchten einen einheitlichen Mehrwertsteuersatz. Andere Redner am offenen Mikro zeigten sich froh, in einem Europa ohne Grenzen zu leben, oder sprachen sich dafür aus, „europäische Emotionen stärker auszuleben“.

„Für Europa kämpfen“

Als „professioneller Europäer“ meldete Arndt Kohn sich zu Wort: „Wir werden Europa noch besser machen, und wir werden für Europa kämpfen“, sagte der Europaparlamentatier.

Das Finale der „Pulse of Europe“-Aktion beim Neujahrsempfang der Kupferstadt war – bei allen bewegenden Redebeiträgen – ein gemeinschaftliches Bekenntnis für Europa: Als alle Anwesenden, aufstanden, sich die Hände reichten und zu Ludwig van Beethovens „Ode an die Freude“, die instrumental die Europahymne ist, Friedrich Schillers Text mitsummten, kam spätestens Gänsehaut an der Stelle auf, als es hieß: „Alle Menschen werden Brüder, wo dein sanfter Flügel weilt.“

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