Stolberg: Neues Stolberger Kooperationsprojekt vorgestellt

Stolberg: Neues Stolberger Kooperationsprojekt vorgestellt

Traurig starrt Lisa an die Decke. Eine Träne kullert langsam ihre Wange hinunter. Sie hat zwar heute Geburtstag, sie wird 17 Jahre alt, aber zum Feiern ist ihr nicht zumute.

Alles scheint ihr über den Kopf zu wachsen und aus dem Kinderzimmer dringt das laute Weinen ihres neugeborenen Babys. Lisa ist alleinerziehend.

Ihr Freund und Vater des Kindes, der sie verlassen hat, ist keine Hilfe. Zu ihrer Mutter hat sie keinen Kontakt mehr. Sie ist ganz allein und oft völlig überfordert mit ihrer derzeitigen Situation. Eine fiktive Geschichte, doch Fälle wie Lisa gibt es hunderte in Deutschland. Und leider auch in Stolberg.

Ein neues Stolberger Kooperationsprojekt will nicht nur diesen jungen Müttern unter die Arme greifen. Unter dem Motto „Familien stützen - Kinder schützen” sollen Überlastungssituationen in Familien frühzeitig erkannt werden. Durch Frühwarnsysteme und frühzeitige Hilfestellung soll einer Gefährdung des Kindeswohls vorgebeugt werden, denn immer häufiger werden Kinder vernachlässigt oder Opfer von Gewalt.

Durch die Zusammenarbeit des Bethlehem-Gesundheitszentrum, des Sozialdienstes katholischer Frauen Stolberg (SkF) und des Katholischen Vereins für soziale Dienste in Stolberg (SKM) wird es künftig möglich sein, die im Frühwarnsystem wahrgenommenen Situationen der Überforderung von Familien in konkrete Hilfestellung münden zu lassen. Passgenaue und bedarfsgerechte Hilfsangebote können durch den frühen Zugang zu den betroffenen Familien in Form von Familienpatenschaften und Elterntraining vermittelt werden. Geleitet und koordiniert wird das Projekt von drei Sozialpädagoginnen, die jeweils bei den drei Verbundpartnern angestellt sind und in engem Kontakt stehen.

„Ehrenamtliche Paten gehen stundenweise in die Familien, um sie zu entlasten und zu unterstützen”, verdeutlicht Sabine Beckers vom SKM, die als Koordinatorin die Projektsäule „Familienpatenschaften” betreut. Im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe sollen die betroffenen Familien lernen, soziale Netzwerke zu knüpfen, um für Entlastung und Unterstützung zu sorgen.

„Überforderung kommt in den besten Familien vor”, weiß Martina Küpper vom Bethlehem- Gesundheitszentrum, die neben der Projektsäule „Frühwarnsystem” auch gemeinsam mit Beckers den Bereich „Familienpatenschaften” koordiniert. Die Paten sollen mindestens einmal wöchentlich die Familie besuchen und beispielsweise bei Behördengängen oder Arztbesuchen hilfreich zur Seite stehen.

Das Angebot des SkF Stolberg „Guter Start ins Leben - Individuelles Elterntraining vor und nach der Geburt” stellt das neue Projekt auf solide Füße. Minderjährige sowie junge Frauen und Familien will man bereits während der Schwangerschaft oder in der ersten Lebenswoche der Geburt erreichen, um sie auf die Herausforderungen von Elternschaft gut vorzubereiten. Das Elterntraining ist ein Präventionsangebot zur Stärkung der Elternkompetenz sowie zur Entwicklung der Eltern-Kind-Bindung. „Immer mehr junge Mütter suchen uns auf”, berichtet Ute Gillet vom SkF, die die Projektsäule „Elterntraining” koordiniert.

Mit Hilfe des Babysimulators Paula sollen die werdenden Mütter gebührend auf die neue Lebenssituation vorbereitet werden. Paula schreit, weint und muss wie ein ganz normales Baby regelmäßig gefüttert werden. So soll einer möglichen späteren Vernachlässigung von Säuglingen und Kindern vorgebeugt werden. Das auf drei Jahre angelegte Projekt verschlingt rund 360.000 Euro für Personal- und Sachkosten. Dank diverser Sponsoren beschränkt sich die Eigenleistung der Projektträger auf 96.000 Euro. Wertvoll investiertes Geld, wenn später auch eine Lisa ihren Geburtstag wieder richtig feiern kann...