Neue Wege rechtzeitig zum Totenmonat

Premiere in Atsch : Schlaglöcher auf Friedhof „beerdigt“

Auf dem Atscher Friedhof werden als erste im Stadtgebiet die Wege grundlegend erneuert. Die Anlagen in Münsterbusch und Bergstraße sollen folgen.

„Bagger im Eingangsbereich“, „ausgekofferte Wege und Geröllhalden“, „der Parkplatz mit Baumaschinen und Steinen voll gestellt“, „kein Durchkommen zu den Gräbern“: Eine Atscherin ist stinksauer über die Zustände auf dem Friedhof in ihrem Stadtteil.

„Sie ist die einzige, die sich bei uns beschwert hat“; sagt Georg Paulus. Was der Leiter des Technischen Betriebsamtes (TBA) nicht formuliert, ist vermutlich der Umstand, dass alle anderen Atscher froh sind über die Zustände auf den beiden Bestattungsfeldern an der Friedhofstraße. Denn das TBA lässt dort jetzt die Wege von Grund auf überholen. „Vor zwei Wochen haben die Arbeiten begonnen“; sagt Paulus. Wenn das Wetter mitspielt, werden sie in der nächsten Woche abgeschlossen sein.

Eine Beschwerde

In Atsch feiert ein Projekt Premiere, das in den folgenden Jahren kontinuierlich Station auf städtischen Friedhöfen machen soll: Die Grunderneuerung der befestigten Wege und Plätze hat sich die große Koalition auf die Fahnen geschrieben. Jahr für Jahr sollen eigens dazu Mittel in den Haushalt eingestellt werden. Mit rund 200.000 Euro wird in diesem Jahr der Auftakt gemacht.

Weil man mit solchen Summen bei 16 Friedhöfen im Stadtgebiet naturgemäß nicht weit kommt, hat das TBA eine Prioritätenliste erstellt, anhand derer jährlich die Orte abgearbeitet werden. Mit diesem Projekt will Tobias Röhm ein grundsätzliches Problem anpacken. „In vielen Bereichen sind die Wege auf den Friedhöfen so alt und marode, dass man sie kaum noch ausbessern kann“, so der Technische Beigeordnete. Die Teams des TBA kommen stellenweise kaum nach, die schlimmsten Löcher zu stopfen, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Deshalb werde das Problem nun grundlegend angepackt.

In den Bereichen, wo die Substanz abgängig ist, werden die Wege nun komplett erneuert. Das ist mit einer ganzen Menge Arbeit verbunden, wenn man sich auf den beiden Feldern des Atscher Friedhofs einmal umschaut. Insgesamt 18.600 Quadratmeter stehen am Rande der Hamm als Bestattungs- und Ruheflächen zur Verfügung, durch die ein verzweigtes Wegenetz die Besucher führt. Nicht alle Pfade sind desolat oder aus Bitumen, einige sind aus Kies gestreut und werden in diesem Zustand erhalten.

Aber einer Fläche von insgesamt 2250 Quadratmetern werden die Wege ausgekoffert und eine neue Schwarzdecke eingearbeitet. 600 laufende Meter Bordstein aus Naturpflaster und weiterer 320 laufende Meter Tiefbordstein müssen aufgehoben und neu gesetzt werden. Außerdem sind 700 Meter Pflasterrinne zu erneuern. „Das ist sicherlich punktuell und befristet während der Arbeiten mit Unannehmlichkeiten und Einschränkungen für Besucher verbunden“, sagt Paulus. Aber vom Grundsatz her bleiben alle Gräber erreichbar.

Frisch asphaltiert ist bereits der Vorplatz der Trauerhalle. Er bestand zuvor aus einem Meer von Schlaglöchern. Foto: Jürgen Lange

Die meisten Flächen des älteren Friedhof-Bereiches sind bereits hergestellt. So ist der Platz vor der Trauerhalle, der zuvor aus einem einzigen Schlaglochteppich bestand, komplett neu asphaltiert. Derzeit ist das beauftragte Unternehmen mit umfangreichem Personaleinsatz auf dem jüngeren Friedhofsteil, wo selbst bei strömendem Regen die Kantensteine gesetzt werden.

Und dass die Arbeiten ausgerechnet jetzt erfolgen hat – neben dem üblichen Abläufen von Mittelbereitstellung Vergaberecht – vor allem mit den ruhigen Herbstferien und dem bevorstehenden November zu tun. Rechtzeitig zu Allerheiligen, wenn die meisten Angehörigen die letzte Ruhestätte ihrer Verblichenen besuchen, soll sich der Friedhof von seiner besten Seite präsentieren.

Im kommenden Jahr soll in einem vergleichbaren Umfang der Münsterbuscher Friedhof saniert werden. 2021 sieht die Prioritätenliste den Friedhof Bergstraße vor. Dieser zentrale Friedhof mit seinem umfangreichen Wegenetz und seiner starken Hanglage dürfte für Planer und Tiefbauer eine deutlich größere Herausforderung werden.

Mehr von Aachener Zeitung