Stolberg-Liester: Neue Ideen für altes Schulgebäude gesucht

Stolberg-Liester: Neue Ideen für altes Schulgebäude gesucht

Die positive Antwort auf die wichtigste Frage ist im Grunde genommen mit einer neuen Frage verbunden: Was soll aus der Sporthalle und dem Gebäude der Propst-Grüber-Schule auf der Liester werden, wenn dort zum Schuljahr 2015/16 die Hauptschule ausgelaufen ist? Denn zumindest rund um diese Eckpfeiler der Immobilie soll das städtischen Gelände vermarktet werden.

Darüber besteht auch ohne konkreten Beschluss Konsens zwischen Rat und Verwaltung; und auch die Große Koalition hatte das Projekt bereits vor einem Jahr als ein wichtiges Handlungsfeld für die von Stadt und S-Immo gemeinsam neu gegründete Stolberger Bauland GmbH (SBG) definiert — ohne dabei die Zukunft des FC Adler Büsbach aus den Augen zu verlieren, der sammelt und spart, um den Sportplatz Kranen­sterz in eine Kunstrasenanlage zu verwandeln.

Zwischen Sportplatz und der Straße „Auf der Liester“ wartet nun eine Fläche von rund 3,5 Hektar, für eine zukünftige Nutzung reif gemacht zu werden. Dabei bietet die Topografie des zur Aachener Straße hin abfallenden Geländes eine reizvolle Herausforderung für eine architektonisch interessante Wohnbebauung.

Das ist zumindest bislang der Stand der Überlegungen in den Fraktions- und Verwaltungszimmern: weiteres Ansiedlungspotenzial für das Wohngebiet der Liester zu schaffen.

„Rund 2,5 Hektar netto stünden dafür zur Verfügung“, kalkuliert Andreas Pickhardt. Denn das durch die Städteregion beauftragte Bodenuntersuchung hat ergeben, dass die Altlastenverdachtsfläche frei von problematischen Hinterlassenschaften und Bergbau-Hindernissen ist, erklärte der städtische Fachbereichsleiter und SBG-Geschäftsführer auf Anfrage unserer Zeitung.

Eine Vermarktung als Neubaugebiet — der Bodenrichtwert auf der Liester rangiert bei rund 175 Euro pro Quadratmeter — würde dringend benötigtes Geld ins gebeutelte Stadtsäckel spülen und dabei hilfreich sein, den Pool zur Sportplatzkonzentration aufzustocken, aus dem auch die Büsbacher Adler hoffen bedient zu werden.

Städtebaulich würde das Quartier arrondiert, möglichen Neubürgern eine weitere Alternative geboten zwischen den neuen Siedlungsschwerpunkten Stadtrandsiedlung, Brockenberg, Breinig und Rotsch, für die mittlerweile hinter den Kulissen auch eine größere Lösung als eine Straßenrandbebauung diskutiert wird.

Dazu würde die Liester als ein der Innenstadt naher Wohnort zukünftig gut ins Portfolio des städtische Immobilienangebotes passen. „Dazu wird sich nun die Politik ihre Gedanken machen müssen“, kündigt Pickhardt an.

Aber das Projekt Liester hat auch so seine Tücken. Unstrittig ist, dass die aus den Vorzeiten des „Bum-Bum-Becker-Booms“ stammenden und ungenutzten Tennisplätze so marode sind, dass auf sie verzichtet werden kann. Ordentlich präsentiert sich lediglich ein Kleinspielfeld für den Schulsport auf dem sonst wenig gepflegten Gelände. Verzichtbar werden auch die Pavillons und der Schulhof sein. Doch dann wird‘s schon schwieriger.

Als unverzichtbar für die Aufrechterhaltung des Vereinssport ist dagegen die der Schule angegliederte Sporthalle eingestuft. Hallensportstunden gelten selbst nach der Einführung der Beteiligung der Nutzer an den Verbrauchskosten als ein hohes Gut in der Kupferstadt.

Doch eigenständig erhalten werden kann die Sporthalle nicht ohne zusätzliche Investitionen: Ihr fehlt eine Heizungsanlage. Für Wärme und Warmwasser sorgt die Energietechnik aus dem Schulgebäude.

Hinter dessen Zukunft stehen nach dem Ende der Hauptschule Fragezeichen. „Abriss oder Folgenutzung“?, das ist hier die Frage. In jedem Fall vermieden werden müsste ein längerer Leerstand — das zeigt die leidvolle Erfahrung mit zu vielen anderen Gebäuden in der Kupferstadt. „Man muss frühzeitig in die Vorbereitungen einsteigen“, hatte Pickhardt bereits im vergangenen Jahr gemahnt.

Ein Abriss des Gebäudes aus den 1960er Jahren, das möglicherweise auch problematische Baustoffe enthalten könnte, wäre sicherlich nicht nur eine nachhaltige, sondern auch die Lösung, die städtebaulich sinnvolle und flexible Möglichkeiten eröffnen würde. Sie müssten jedoch durch einen recht hohen Aufwand für die Beseitigung von Baukörper und -material sowie einer neuen Heizung für die Turnhalle erkauft werden.

Alternative wäre eine neue Nutzung für das nicht mehr benötigte Gebäude zu finden. Die Stadt selbst wird sich alleine schon aus finanziellen Gründen beherrschen müssen, Visionen für ein umfangreiches Raumangebot zu entwickeln.

Selbst eine Verlagerung des Bauhofes von den renovierungsbedürftigen Liegenschaften in Mausbach auf die Liester dürfte aus Gründen der Lage in einem Wohngebiet nicht die erste Wahl sei.

Konkurrenz oder Bereicherung

Also müsste ein Investor gefunden werden, sollte das Schulgebäude mit hohem Reparatur- und Renovierungsstau erhalten werden.

Gesucht wäre dann ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept für das Hauptgebäude mit Verwaltungstrakt, fünf Fachräumen, zwölf Klassenräumen mit insgesamt sechs Gruppenräumen nebst Aula, Elternsprechzimmer sowie Nebenräumen.

Denkbar wären viele Nutzungen, realistisch erscheinen wenige. Interessierte Anfragen soll es allerdings geben, die über eine Umgestaltung der Schule in eine Senioreneinrichtung nachdenken.

Dann stünde der Stadtrat auch noch vor der Frage, ob er in solch einer Idee eine willkommene Bereicherung des Angebotes oder eine ungeliebte Konkurrenz zum Seniorenwohn- und Sozialzentrum auf der Liester sehen würde.