Neue Entwicklungen zur Notfallpraxis am Bethlehem

Bethlehem-Gesundheitszentrum : Muss die Notfallpraxis bald schließen?

Wird die Notdienstpraxis am Bethlehem-Gesundheitszentrum bald schließen? Aus gut unterrichteten Kreisen erfuhr unsere Zeitung, dass dies ein „offenes Geheimnis“ sei.

Und damit nicht genug. Die Idee, die die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KV) derzeit verfolge, sehe vor, dass die Praxen aus Stolberg und Eschweiler zusammengelegt werden. Heißt: Wer die Notfallpraxis aufsuchen muss, ist dazu gezwungen nach Eschweiler zu fahren. Zudem soll es auch nur noch einen Fahrdienst der Ärzte für Hausbesuche für beide Städte geben. Auch, dass längst Mediziner in die Pläne involviert sind, streitet die KV allerdings ab.

Großer Widerstand

Neu ist das Thema nicht. Bereits seit Jahren versucht die KV sich zurückzuziehen. 2014 gab es Überlegungen, die Praxen an den Krankenhäusern von Eschweiler und Stolberg zusammenzulegen. Dabei stieß man allerdings in der Bevölkerung auf große Widerstände. So konnte die Schließung verhindert werden. Die KV entschied sich damals für das so genannte Heinsberger Modell. Ein KV-Arzt sollte in der Aufnahme jedes Krankenhauses in den Kreisen Aachen, Düren und Heinsberg erster Ansprechpartner der Notfallpatienten sein und entscheiden, ob ein Fall für das Krankenhaus oder die kassenärztliche Behandlung vorliegt.

In diesem März kochte das Thema dann erneut hoch. Der Grund: Damals wurde Dr. Lothar Nossek im Bethlehem-Gesundheitszentrum gesehen. Er ist der Vorsitzende der KV-Kreisstelle Aachen. Nossek bestätigte damals auf Nachfrage, dass es Planungen von Seiten der KV geben würde. Es sei denkbar, dass die Behandlung der jüngeren Patienten am Bethlehem-Gesundheitszentrum vonstattengehen könnte. Erwachsene könnten in Eschweiler behandelt werden. Beschlossen war zu diesem Zeitpunkt – laut Nossek – noch nichts. Zu den derzeitigen Spekulationen wollte Nossek „nichts sagen“. Er erklärte, dass man voraussichtlich Ende November mit Beschlussfassungen rechnen könne.

Aus gut unterrichteten Quellen erfuhr unsere Zeitung, dass bei der KV verschiedene Modelle diskutiert worden seien. Unter anderem sei überlegt worden, dass ein Wagen des Deutschen Roten Kreuzes für die Hausbesuche zur Verfügung stehe. Schließlich seien sowohl in Eschweiler, als auch in Stolberg immer weniger Ärzte bereit, diesen Fahrdienst zu übernehmen. Zwischenzeitlich habe es wohl auch die Überlegung gegeben, nur die beiden Praxen in Eschweiler und Jülich offen zu halten und für diesen Bereich – Kreis Düren inklusive – ein oder zwei Fahrdienste einzurichten. Von diesen Überlegungen habe man Abstand genommen.

Eine Überlegung, die konkreter zu werden scheint: Die Zusammenlegung der Praxen aus Stolberg und Eschweiler. So würden niedergelassene Ärzte aus Stolberg demnächst auch in Eschweiler Patienten behandeln. Kinder sollen weiterhin in Stolberg behandelt werden können. Kritiker mahnen allerdings an, dass es dafür viel zu wenig niedergelassene Kinderärzte gebe. Von Eschweiler aus soll zudem der Fahrdienst geregelt werden. Dieser beinhaltet, dass Ärzte Patienten auch in den eigenen vier Wänden aufsuchen können. Notfälle sollen allerdings weiterhin über die Notaufnahme versorgt werden.

Abwegig ist dies nicht. Schließlich kooperieren die beiden Krankenhäuser bereits. In Eschweiler konzentriert man sich seit 2016 auf die Gynäkologie, also alle operativen und gynäkologischen Fälle, und in Stolberg steht die Geburtshilfe im Fokus.  Folgen nun die beiden Notfallpraxen? Laut Informationen unserer Zeitung sollen die Pläne seit knapp sechs Monaten in „trockenen Tüchern“ sein. Lediglich Einzelheiten müssten noch besprochen werden, und auch ein genaues Datum stehe noch nicht fest. Wie unsere Zeitung erfuhr, soll dies frühestens 2019 der Fall sein. Wahrscheinlicher sei allerdings ein Start zum 1. Januar 2020. Offen kommuniziert wurde dies von Seiten der KV bisher allerdings nicht.

Schriftliche Antwort

Und was sagt die KV dazu? Die Entscheidung, wie es mit den beiden Praxen weitergeht, trifft der Hauptvorstand in Düsseldorf. Gerne hätte unsere Redaktion mit dem Vorsitzenden Dr. Frank Bergmann gesprochen. Das war nicht möglich. Über die Pressestelle ließ man uns schriftlich dieses Statement zukommen: „Die Organisation des ambulanten Notdienstes im Rheinland wird zur Zeit an verschiedenen Stellen überarbeitet – nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Vorgaben des Gesetzgebers. Dabei spielt zum Beispiel die Weiterentwicklung der intersektoralen Zusammenarbeit durch die Etablierung gemeinsamer Patientenaufnahmen von Krankenhausambulanzen und Notfallpraxen der Niedergelassenen eine Rolle, Stichwort „Portalpraxen“. Konkrete Beispiele aus der Region dafür sind u.a. die jüngsten Eröffnungen der fachärztlichen Notdienstpraxen in Aachen und Mönchengladbach. Im Rahmen dieser Entwicklung erarbeiten auch die Kreisstellen der KV Nordrhein verschiedene Modelle zur Umsetzung der geforderten Praxen und der Zusammenarbeit mit dem stationären Bereich vor Ort, auch in der Kreisstelle der Städteregion Aachen. Die auf regionaler Ebene entwickelten Konzepte werden im weiteren Prozess von der Hauptstelle der KV geprüft, um ggf. in verbindlichen Beschlüssen zu münden. Konkrete Ergebnisse zu etwaigen Veränderungen des ambulanten Notdienstes im Bereich der Städteregion gibt es aktuell nicht.“

Eine weitere Nachfrage, ob bereits feststehe, dass die beiden Notfallpraxen in Eschweiler und Stolberg zusammengelegt werden würden oder ob diese Entscheidung Ende November falle, wurde so beantwortet: „Wann und ob über definitive Änderungen in der Notdienststruktur entschieden werden könnte, steht zum jetzigen Zeitpunkt nicht fest. Grundsätzlich haben Änderungen an ambulanten Notdienststrukturen stets einen erheblichen Vorlauf. Bevor Änderungen vorgenommen werden, wird zunächst die Machbarkeit detailliert überprüft. Zudem braucht es – neben entsprechenden Änderungsbeschlüssen – z.B. auch neue Dienst- und Organisationspläne für die niedergelassenen Ärzte der Region. Einzig diese Faktoren bilden die entscheidende Grundlage sowohl für etwaige strukturelle Veränderungen als auch für den geregelten Ablauf des ambulanten Notdienstes.“

Pläne nicht bekannt

Stolbergs Bürgermeister Dr. Tim Grüttemeier und auch Eschweilers Bürgermeister Rudi Bertram seien diese Pläne nicht bekannt, teilten sie auf Nachfrage mit. Bereits in der Vergangenheit hatte man sich in beiden Städten für den Erhalt der Praxen eingesetzt. Auch von Seiten der Bevölkerung gab es Widerstand. Eine Stolberger Bürgerinitiative sammelte alleine in diesem Jahr 7766 Unterschriften für den Erhalt und reichte diese bei der KV ein. In der Vergangenheit fanden auch regelmäßig Demonstrationen statt – in Stolberg und in Eschweiler. Dem Bethlehem-Gesundheitszentrum lagen übrigens auch keine Informationen vor, erklärte Pressesprecherin Heike Eisenmenger.

 Sollte es tatsächlich zu einer Zusammenlegung der beiden Praxen kommen, dürfte sich am Eschweiler St.-Antonius-Hospital noch einiges tun. Die Räume der Notdienstpraxis würden bereits jetzt nicht mehr ausreichen, verriet ein Insider.