Stolberg-Büsbach: Neubaugebiet Brockenberg: Mehr als Birnen in „Ribbecks Garten“

Stolberg-Büsbach: Neubaugebiet Brockenberg: Mehr als Birnen in „Ribbecks Garten“

Hatte Jugenddezernent Robert Voigtsberger vor eineinhalb Jahren bei einer Pflanzung von Obstbäumen noch eine „latente Gefahr von Wespen“ befürchtet, so sollen sie nun doch gepflanzt werden: die Birnen in „Ribbecks Garten“. Allerdings nicht in unmittelbarer Nachbarschaft der Angebote auf Stolbergs erstem generationenübergreifenden Spielplatzgeländes, wohl aber in seinem Umfeld.

Der Inbetriebnahme des zweiten Bauabschnittes des Büsbacher Spielplatzes soll nun die Gestaltung der Grünflächen in dem Neubaugebiet von Eburonen- und Gallierweg folgen. Mit ihren Vorschlägen dazu orientiert sich das Tiefbauamt an den dörflichen und botanischen Strukturen des Standortes, auch um die Verbindung zwischen Hostet und Brockenberg — zwischen historisch gewachsenem Dorfkern und Neubaubereichen — zu optimieren, wie Tobias Röhm unterstreicht.

Eine Reihe an Ansprüchen stellt der Technische Beigeordnete an den neuen Grünzug, der sich über 4000 Quadratmeter durch das Neubaugebiet zieht und damit eine mehr sein soll als ein grüner Rahmen für die 2000 Quadratmeter messende Spielplatzfläche: „attraktiv, vielseitig und individuell“, zudem „generationenübergreifend nutzbar und ökologisch wertvoll mit einem hohen Aufenthaltswert“.

Dazu orientiert sich Grünflächenplaner Bernhard Frings an der Charakteristik der Voreifellandschaft und den früher landwirtschaftlich und industriell genutzten Naturschutzgebieten Brockenberg und Rüst, die gleich am Rande des Neubaugebietes beginnen.

Dem Ergebnis, das dem Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt am 8. sowie dem Bauausschuss am 16. November (jeweils 18 Uhr im Rathaus) vorgestellt wird, sind Gestaltungselemente englischer oder japanischer Ziergärten fern. Vielmehr setzt Frings auf die Gestaltung eines eher ortsüblichen Landschaftsbildes: eine etwas geordnetere Streu- und Wildobstwiese, die von barrierefreien Wegen durchzogen wird. Sitz- und Ruhemöglichkeiten — altersgerecht und barrierefrei konstruiert — sowie interessante Objekte sollen zum Verweilen einladen.

Das höher gelegene nördliche Entree soll durch ein „Hopfentor“ gebildet werden — eine hölzerne Rankhilfe für diese Pflanzengattung, die zudem die Zufahrt unerwünschter Fahrzeuge unterbinden helfen soll. Der Weg bergab in Richtung des vom Brockenberg kommenden Eburonenwegs führt durch den „Prummehuck“, die Pflaumenecke, und wird von Sitzgelegenheiten und Slackline gesäumt. Am Eingang eines weiteren Wegs von der oberen Bebauung zum Vorfeld des Spielplatzes soll eine „Gefühlsdusche“ stehen: eine Holzkonstruktion mit unterschiedlich dicken Seilen und Ketten.

„Kirschstückchen“, „Filzkirschen“ und Holunder im Westen sowie Quitten im Osten säumen ein eher freies Gelände, das neben einer Sitzgelegenheit Raum lassen soll für alle möglichen Nutzungen. Von dort führt die Grünanlage oberhalb des Spielplatzes und unterhalb der Gärten der Bebauung durch eine Anlage mit sortenweise gruppierten Sträuchern von Beeren.

Maulbeeren und Apfelbeeren bilden den Anfang, Brom-, Johannisbeeren und weitere Sorten begleiten den Spaziergänger bergab. Unterhalb des Spielplatz- Karussells lockt ein Aussichtspunkt mit Sonnenblumen und Holunder. Weiter darunter ist ein Birnengarten vorgesehen, in dessen Mitte ein eingesenktes, gemauertes Sitzrondell sowie eine hölzerne Wellenliege angedacht sind.

Bürger sollen sich bedienen

Berbertizen, Wildrosen, Ölweiden und Schlehen bilden den Abschluss zur Fahrbahn hin, während ein „Wildgarten“ auf die Ecke zur wieder bergaufführenden Straße gepflanzt werden sollen. Verschiedene Wildobstsorten sollen die nördliche Ecke des unteren Weges zum Spielplatz zieren.

Die Früchte der unterschiedlichen Obst- und Beeren alter Arten sollen die Bürger einladen, sich selbst zu bedienen und damit auch zur Kommunikation anregen. Die Verwaltung will damit den aktuellen Trend einer „essbaren Stadt“ und des „urban gardening“ aufgreifen, wodurch der Bezug der Anwohner auf Grünanlage und Spielplatz weiter intensiviert werden soll. Der Einsatz der mobilen Obstpresse, Lehr- und Informationsstände sowie Tafeln zur Information seien denkbar.

Zudem soll die Anlage durch diese Gestaltung weitgehend pflegearm sein. Angedacht ist lediglich ein bis zwei Mal im Jahr eine Mahd. Denn die extensiv genutzten Flächen sollen die Biotopvielfalt erweitern, zahlreichen Tieren und Pflanzen einen natürlichen Lebens- und Schutzraum sowie den zahlreichen Besuchern ein vielfältiges Naturerlebnis bieten. Die Kosten werden auf rund 130.000 Euro geschätzt.

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