Stolberg-Donnerberg: Narzissenweg: Wenn die Stadt mit zweierlei Maßen misst

Stolberg-Donnerberg: Narzissenweg: Wenn die Stadt mit zweierlei Maßen misst

Die Sanierung des Donnerberger Narzissenwegs erhitzt weiterhin die Gemüter der Anwohner. Nachdem die Bewohner der Straße am vergan-genen Wochenende ein Schreiben der Stadt über die Festsetzung des Straßenbaubeitrages erreichte, steht die Stadtverwaltung erneut in der Kritik.

Ingrid und Hans Lentzen, Anwohner des Narzissenwegs, werfen ihr etwa eine „unerklärliche Kostensteigerung“ innerhalb von drei Monaten vor.

So sei bei einer Bürgerversammlung im November vergangenen Jahres noch von einem Beitragssatz von 12,1272 Euro die Rede gewesen, während dieser nun auf 13,10328 Euro gestiegen sei. Auch stellten die Anwohner der Straße „eine erhebliche Differenz“ fest, als sie die Grundstücksmessungen der Stadt auf ihre Richtigkeit prüften. 1440 Quadratmeter Grundfläche wollte die Stadt etwa den Lentzens in Rechnung stellen. Ihre eigene Messung ergab jedoch nur eine Grundfläche von 920 Quadratmetern — eine Differenz von satten 520 Quadratmetern.

Die Anwohner lagen richtig und die Stadt korrigierte ihre Messungen nach dem Einspruch der Narzissenweg-Bewohner denn auch binnen kürzester Zeit. „Für die meisten Anlieger hat sich der Rechnungsbetrag verringert — bei uns um schlappe 5300 Euro“, sagt Hans Lentzen mit einer gewissen Portion Sarkasmus. Seine Ehefrau und er müssen jedoch weiterhin einen Betrag von 13.600 Euro für die Straßen- und Kanalsanierung aufbringen. Einige seiner Nachbarn, so Lentzen, müssten aufgrund der korrigierten Werte jetzt aber sogar tiefer ins Portemonnaie greifen.

Wie konnte es zu diesen deutlichen Messfehlern bei der Stadt kommen? Bernd Kistermann, Leiter des Amts für Immobilienmanagement und technische Infrastruktur, bestätigt auf Anfrage, dass sich bei den Messdaten des Narzissenwegs der „Fehlerteufel“ eingeschlichen habe. Die Stadt habe bei der Berechnung der Grundstücksgrößen einen falschen Maßstab zugrunde gelegt. Die Grundstücke der Anwohner wurden dadurch größer, als sie tatsächlich sind. Kistermann: „Dafür haben wir uns bei den Anwohnern im Narzissenweg entschuldigt.“

Mit dem falschen Maßstab erklärt der Amtsleiter auch die von den Anwohnern kritisierte Beitragssteigerung binnen drei Monaten. Weil die Fixkosten für die Sanierungsarbeiten zunächst fälschlicherweise auf eine größere Fläche umgelegt worden seien, sei der Beitragssatz im November geringer ausgefallen. Weniger Quadratmeter bei gleichbleibenden Fixkosten führten nun zu einem höheren Beitragssatz und damit zu steigenden Sanierungskosten für die Anwohner, erklärt Kistermann. Über die falschen Messungen und höheren Beitragssätze regt sich nicht nur das Ehepaar Lentzen auf. „Man weiß gar nicht mehr, welche Werte stimmen und wem man glauben kann“, sagt auch Matthias Grigoleit, der gemeinsam mit seiner Frau Sara erst seit anderthalb Jahren auf dem Donnerberg lebt. Das Vertrauen in die Stadt hat das junge Ehepaar jedoch nicht erst seit den jüngsten Ungereimtheiten in ihrer Straße, dem Narzissenweg, verloren. Matthias Grigoleit berichtet, dass er sich vor dem Hauskauf bei der Stadtverwaltung erkundigt habe, ob in nächster Zeit mit Sanierungsmaßnahmen im Narzissenweg zu rechnen sei. „Dies wurde verneint“, sagt Grigoleit.

Ein Mitarbeiter der Stadt habe ihm und seiner Frau versichert, dass sie sich keine Sorgen machen müssten. Seine Begründung: Die Stadt habe für derartige Sanierungsarbeiten überhaupt kein Geld. Zwei Monate später dann die böse Überraschung für die Grigoleits. Das Ehepaar erfuhr, dass die Straße nun doch erneuert werden soll — und im Rathaus wollte sich an die Auskunft niemand mehr erinnern.

„Wir haben natürlich sofort das Gespräch mit der Stadt gesucht“, beschreibt Matthias Grigoleit. Seine Frau und er sprachen mit Amtsleiter Bernd Kistermann, Dezernent Tobias Röhm und Bürgermeister Tim Grüttemeier. Ein weitgehend sachliches und konstruktives Gespräch, sagt Grigoleit.

An ihrer Pflicht, sich an den Straßen- und Kanalarbeiten finanziell zu beteiligen, änderte sich aber nichts. „In diesem Fall steht Aussage gegen Aussage“, sagt Amtsleiter Kistermann zu den vermeintlich falschen Versprechen aus dem Rathaus. Und tatsächlich: „Weil uns die Informationen über die Pläne der Stadt nicht schriftlich gegeben wurden, haben wir leider keine rechtliche Handhabe“, sagt Matthias Grigoleit, der wie die anderen Anwohner der Straße jedoch weiterhin die Notwendigkeit einer Straßenerneuerung in Frage stellt. Im Schreiben der Stadt an die Anlieger heißt es hingegen: „Die Straße Narzissenweg ist völlig verschlissen.“

Eine Einschätzung, von der Bernd Kistermann weiterhin überzeugt ist. Er unterstreicht vor allem den Sanierungsbedarf des Kanals. „Der Kanal würde vielleicht noch fünf Jahre halten. Spätestens dann müsste er auf jeden Fall erneuert werden.“ Kistermann weiter: „Externe Büros haben die Straße als schlecht bewertet. Wir nutzen jetzt die Synergieeffekte, die eine gemeinsame Erneuerung von Kanal und Straße mit sich bringt.“ Dies habe dann nicht nur finanzielle Vorteile für die Anlieger, sondern führe auch zu weniger Belästigungen durch Baustellenlärm.

Für Anwohner wie Matthias und Sara Grigoleit ist dies zwar nur ein schwacher Trost. Matthias Grigoleit hofft trotzdem, dass ihr Fall „der Stadt eine Lehre war“. Bürgermeister Grüttemeier habe jedenfalls versprochen, das Anfragen zu Sanierungsvorhaben in Zukunft grundsätzlich nur noch schriftlich beantwortet werden sollen.