Nachbarn der "Friederichs Ecke" fühlen sich oft nicht sicher

Ärger um Bürgerhaus auf Donnerberg : Dreck, Lärm, Parkplatznot und Angst

„Hier zu wohnen ist nicht mehr schön“, sagt Reinhard Voss. Seit seiner Geburt lebt Voss auf dem Donnerberg. Wegziehen komme für ihn und seine Familie nicht in Frage. Wohl fühle er sich in seiner Straße allerdings nicht mehr.

Vor allem am Wochenende gebe es oft Probleme. Müll und Lärm würden von freitags bis sonntags vorherrschen. „Wir kommen nicht mehr zur Ruhe“, sagt Reinhard Voss. Den Grund für seine Schlaflosigkeit finde man nur ein Haus weiter. Dort befindet sich die „Friederichs Ecke“, das Donnerberger Bürgerhaus.

Mitte des vergangenen Jahres wurde dieses widerbelebt. Reinhard Voss und weitere Nachbarn, die ihre Namen allerdings nicht in der Zeitung lesen möchten, wünschen sich jedoch, dass die Feierei dort ein Ende hat. „Wir wollen unsere Ruhe. Am besten wäre es, wenn das Bürgerhaus dicht wäre“, bringen sie ihren Unmut auf den Punkt. Wie es so weit kommen konnte? Dazu später mehr.

Auf Bestand setzen

Ein Rückblick: Den Wunsch nach einem Bürgerhaus gab es auf dem Donnerberg schon seit einigen Jahren. Ein Neubau in der Stadtrandsiedlung wäre eine Option gewesen. Im Herbst 2016 brachte die Interessengemeinschaft Donnerberger Vereine (IGDV) die Idee ins Spiel, stattdessen auf den Bestand zu setzen und die zentral gelegene Gaststätte in ein Bürgerhaus für den Donnerberg und die Umgebung umzuwandeln.

Müll als Problem: Die Reste der Silvesterparty lagen Anfang der Woche noch auf der Straße. Foto: M. Voss

Bei den Donnerberger Vereinen und Bürgern, der Politik und der Verwaltung stieß der Vorschlag auf offene Ohren. Schließlich war die ehemalige Gaststätte „Friederichs Ecke“ in fünfeinhalb Jahren von drei verschiedenen Pächtern betrieben worden und stand zuletzt zweieinhalb Jahre leer. Die Stadt erwarb das Gebäude schließlich für 350.000 Euro.

Reinhard Voss und Tochter Melanie wandten sich vor dem Kauf an den damaligen Bürgermeister Tim Grüttemeier, um ihm ihre Bedenken mitzuteilen, sagt Melanie Voss.  Die Familie ihres Vaters habe die Gaststätte einst selbst betrieben und aus diesem Grund kenne man sich dort bestens aus. „Ich habe damals gesagt, dass dort jahrzehntelang nichts mehr gemacht worden ist“, sagt Melanie Voss und spielt damit vor allem auf das Thema Lärmschutz an – ein Problem, unter dem Familie Voss und ihre Nachbarn laut eigenen Aussagen Woche für Woche leiden müssen.

„Da ist nichts vernünftig isoliert. Früher war das kein Problem. Da haben da noch Kapellen über den Hausverstärker gespielt. Heute dröhnen die Bässe, da reicht das nicht mehr“, meint Reinhard Voss. Er und seine Frau hätten daraus Konsequenzen gezogen und ihr Schlafzimmer, das direkt an das Bürgerhaus grenzte, bereits in ein anderes Zimmer im Haus verlegt. „Man kann in seinem eigenen Haus nicht mehr so leben, wie man will“, ärgert sich der Stolberger. Und ist mit dieser Meinung nicht alleine.

Auch die Nachbarn aus den Häusern Gegenüber bestätigen das. „Ich schaffe es nicht mehr am Wochenende vernünftig zu schlafen. Davon wird man krank“, sagt eine Nachbarin. Die ersten Anwohner seien mittlerweile bereits weggezogen.

Zu Beginn habe man es im Guten versucht, mittlerweile rufe man allerdings bei Lärm die Polizei. Zwischen Januar 2018 und dem jetzigen Zeitpunkt musste diese sechs Mal zum Bürgerhaus ausrücken – jedes Mal wegen Ruhestörung. Einmal wurde deswegen auch Anzeige erstattet. Der letzte Einsatz fand am 21. Oktober 2018 statt. Damals vermerkte die Beamten, dass sich die Anrufer in Bezug auf bauliche Mängel am Gebäude an den Eigentümer – also die Stadt Stolberg – richten müssen. Seitdem habe es am Bürgerhaus keine Einsätze mehr gegeben, teilte die Pressestelle der Polizei auf Nachfrage mit.

Gutachter beauftragt

Dass das Thema Lärm dort immer wieder eine Rolle spielt, ist auch der Stolberger Verwaltung bekannt. Mittlerweile sei ein Gutachter beauftragt worden, der das Innere des Bürgerhauses unter die Lupe nehmen und zusammenstellen soll, inwiefern bauliche Verbesserungen vorgenommen werden könnten, sagt Stolbergs Technischer Beigeordneter Tobias Röhm. Erste Begehungen hätten bereits stattgefunden.

Von Polizeieinsätzen wegen Ruhestörung weiß auch IG-Vorsitzende Carolin Sieven. Das sei kein Geheimnis, sagt sie. Allerdings sei es in den meisten Fällen so, dass die Polizei nicht eingreifen müsse und weitergefeiert werden könne. Natürlich lege man von Seiten der IG Wert darauf, dass die Anwohner lärmmäßig nicht belästigt würden. In einem ersten Schritt habe man Schilder aufgehängt, die die Mieter an die Nachtruhe erinnern sollen. Zudem befinde man sich mit der Stadt Stolberg in Gesrpächen, um das Thema Lärmschutz künftig anzugehen. Mit dem Mietvertrag würde zudem eine Hausordnung ausgehändigt.

Zwischen der Stadt als Eigentümer und der IG besteht ein Nutzungsvertrag. Heißt: Die Stadt übernimmt die Verkehrssicherungspflicht, den Winterdienst sowie laufende Betriebskosten und Substanzerhaltung der Immobilie. Die IG trägt die Haftpflichtversicherung und muss ab 2019 jährlich mindestens 2500 Euro für Ausbau- und Verschönerungsarbeiten investieren. Die IG schließt als Betreiber auch die Verträge mit den Mietern ab. Die Höhe der Miete legte übrigens der Rat fest. Ein Saal mit bis zu 200 Sitzplätzen kostet 200 Euro, ein Saal mit bis zu 100 Sitzplätzen kostet 100 Euro, für einen Saal mit bis zu 60 Sitzplätzen zahlt man 75 Euro, für den Gesellschaftsraum fallen 70 Euro an.

Die Mitgliedsvereine der IG erhalten in der Regel 50 Prozent Rabatt. Es sei denn, für die Nutzung des Saales werden Eintrittsgelder erhoben und oder Getränke verkauft. Davon wiederum ausgenommen sind Gemeinschaftsveranstaltungen, deren Reinerlös zur Instandhaltung des Bürgerhauses bestimmt sind.

Familie Voss und weitere Anwohner stört jedoch nicht nur der Lärm. Müll und zugeparkte Gehwege seien nur die Spitze des Eisbergs. Erst am vergangenen Wochenende bat Voss einen Autofahrer der vor seinem Haus geparkt hatte, darum, sein Fahrzeug wegzustellen. Was folgte waren Beschimpfungen und Drohungen.

„Blöde Bemerkungen“

Besonders schlimm sei es in den Sommermonaten gewesen. Regelmäßig hatten die Mieter ihre Feiern nach draußen verlegt. „Mittlerweile gehe ich nicht mehr raus, wenn dort viele Menschen vor der Türe stehen. Man bekommt blöde Bemerkungen und wird schon komisch angeschaut, wenn man nur auf seinen eigenen Parkplatz möchte“, sagt eine Anwohnerin. Mit einem Bürgerhaus habe das nichts mehr zu tun.

Dieser Meinung ist auch Familie Voss. Im Juni des vergangenen Jahres habe die Familie einen Anwalt eingeschaltet, der zwischen ihr und der Stadt Stolberg vermitteln soll. Wenn es sein müsse, ziehe man auch vor Gericht, sagt Reinhard Voss. Wegziehen sei für ihn keine Option. „Ich ziehe doch nicht hier weg, nur damit andere in Ruhe feiern können“, ist er sich sicher.

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