Nach Bergbau-Diskussionen ist das Donnerberger Neubaugebiet Anna-Klöcker fast komplett vermarktet

Straßenausbau Anna-Klöcker-Straße läuft : Donnerberger Neubaugebiet fast komplett vermarktet

Nach einem Jahrzehnt löst sich offensichtlich alle Aufregung auf dem Donnerberg in Wohlgefallen auf. Der Endausbau der Anna-Klöcker-Straße ist im vollen Gange, und das Neubaugebiet ist nahezu ausverkauft.

Vor fast zehn Jahren, im Oktober 2009, gehen die ersten neuen Siedler auf die Barrikaden. Sie mahnen beim genossenschaftlichen Verbund von VR-Bank und BAG eben die Fertigstellung der Erschließungsstraße an. Dies hätte eigentlich bereits drei Jahr zuvor geschehen müssen, monieren die Anwohner. Für das folgende Jahr wurde der Straßenbau avisiert.

Doch die Geschichte reicht weiter zurück. Das mit einst mit Laubenganghäusern bebaute Areal ist Teil eines Immobiliendeals, den 1999 die Stadt mit der Stolberger Wohnungsgenossenschaft abschließt. Sie veräußert das Gebiet an die VR-Bank, die die Erschließung in eigener Regie übernimmt. 2001 werden die Sozialbauten abgerissen. Der „Bebauungsplan Nr. 122 „Am Lindchen“ sieht 55 Grundstücke für Ein- und Zweifamilienhäuser sowie einen Kleinkinderspielplatz vor.

Das Thema Bergbau hat bis dahin kaum jemand auf seiner Rechnung. Erst als 2003 das renommierte Ingenieurbüro Heitfeld-Schetelig im Auftrag der Bank ein Gutachten dazu vorliegt, kommt das Thema auf den öffentlichen Tisch. Aus dem Gutachten geht hervor, dass Bereiche „von Bebauung freizuhalten und gegen Betreten zu sichern“ sind. Das Gutachten war eingefordert worden vom Bergamt, weil einer der ersten Bauherren öffentliche Mittel für die Verwirklichung seines Traums vom eigenen Haus in Anspruch nehmen will.

Gutachten und Sanierung

Langsam ziehen die Spätfolgen des Erzabbaus ihre Kreise. Im Sommer 2010 – im Vorgriff auf den Straßenausbau – schlägt ein Spezialunternehmen an der Anna-Klöcker-Straße ihr Lager auf und beginnt, den Untergrund mit einer stabilisierenden Zementsuspension zu verpressen. Gleichzeitig monieren erste Bewohner Risse in den Wänden und Senkungen der Neubauten. Zudem sieht ein weiteres Gutachten die „nachgewiesenen Gefahrenflächen aus Abbau“ umfangreicher; sie ziehen sich wie ein h-förmiger Korridor quer durch das Neubaugebiet. Laut Bergamt bestehe aber nur „eine latente und keine akute Gefahr ohne Anlass tätig zu werden“, so seinerzeit Planungsamtsleiter Andreas Pickhardt über die Aussagen der zuständigen Bezirksregierung Arnsberg.

Fortan ziehen sich Gespräche und Verhandlungen bis hin zu Gerichtsprozessen über Monate hinweg. Unterschiedlich und individuell sind die Vorstellungen betroffener Bewohner von der Rückabwicklung von Hauskauf und -bau bis hin zu einer Entschädigung.

Mittlerweile übernimmt die Bankaktiengesellschaft BAG die Zuständigkeit für die Sanierung der bebauten Grundstücke und des Umfeldes. Als 2011 ein Tiefbauunternehmen zum Straßenausbau anrückt, gehen die Anwohner erneut auf die Barrikaden. Sie wollen zuerst ihre privatrechtlichen Fragen mit dem Geldinistitut geklärt wissen. Der Ausbau wird gestoppt. Im Herbst 2011 wird der Boden eines Eckgrundstückes zur Duffenterstraße sondiert und saniert: Die WoGe errichtet dort einen Neubau – ein erster Hoffnungsschimmer, dass die Lage gar nicht so dramatisch ist wie sie gehandelt wird.

„Heißer gekocht als gegessen“

Im Frühjahr 2017 beginnen neue Untersuchungen und Sanierungen des Untergrundes. Mittlerweile hat die Bank sieben Immobilien in dem insgesamt 23 000 Quadratmeter großen Neubaugebiet zurückerworben. Im Spätsommer sind diese  abgeschlossen. Wenige Tage später wird öffentlich, dass der Altbergbau „viel heißer gekocht wurde, als gegessen wird“, wie es nun Anwohner formulieren. Das aktuell vorgelegte Gutachten des Aachener Ingenieurbüros Heitfeld-Schetelig geht besagt nicht nur, dass der frühere Erzabbau in einem weitaus geringeren als gemutmaßten Umfang auf dem Areal betrieben worden ist, sondern dass auch relativ einfache Vorsichtsmaßnahmen bei der Gründung von Neubauten ausreichend sind und gewesen wären.

Die bergbaulichen Aktivitäten seien im Wesentlichen auf den Bereich der Pinge begrenzt gewesen. Diese Verhältnisse könnten durch entsprechende Anpassungen bei der Gründung beherrscht werden. Die Standsicherheit des Geländes sei gegeben. Bei neuen Bauvorhaben sollte in der Ausführungsphase aber wegen der in der Region üblichen Inhomogenität des Bodens zwingend eine Baugrunduntersuchung vorangehen. Ansonsten könne wie fast überall in Stolberg lediglich eine überhöhte Schwermetallkonzentration angetroffen werden.

VR-Bank und BAG steigen wieder aktiv in die Vermarktung des Neubaugebietes ein. Mit Erfolg. In seinen jüngsten Sitzungen hat der Ausschuss für Stadtentwicklung bei einem halben Dutzend Bauvorhaben Befreiungen von den Festsetzungen des alten Bebauungsplans zugestimmt. Es ging dabei vor allem um kleinere Überschreitungen von Baugrenzen öder Höhenangaben.

Noch fünf Häuser zu haben

Wer heute an der Anna-Klöcker-Straße seine neue Adresse finden möchte, hat wenig Chancen. Das Neubaugebiet ist weitestgehend vermarktet. „Alle Baugrundstücke sind verkauft oder zumindest reserviert“, berichtet VR-Bank-Sprecherin Nina Müller auf Anfrage unserer Zeitung. Noch zu haben sind fünf der bereits gebauten Häuser, die die Bankengruppe zurückerworben hatte.

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