Aachen/Stolberg: Mutter der zur Prostitution gezwungenen Nadine M. sagt aus

Aachen/Stolberg: Mutter der zur Prostitution gezwungenen Nadine M. sagt aus

Sie sei schon seit der Pubertät ein schwieriges Mädchen gewesen, gab die Mutter (56) der Hauptbelastungszeugin Nadine M. (26) gestern vor der 8. Großen Strafkammer (Vorsitz Richter Hans-Günter Görgen) am Aachener Landgericht zu Protokoll. Hier sind eine Frau und zwei Brüder angeklagt, junge Frauen in Stolberg zur Prostitution gezwungen und finanziell ausgebeutet zu haben.

Doch das heiße alles nichts, fuhr Mutter Gabi K. manches Mal unter Tränen fort. Denn als die Tochter ihr 2015 gestanden habe, dass sie vom Bruder ihres Freundes, dem angeklagten Miguel C. (26) aus Jülich, schon seit 2014 zur Prostitution in einer Stolberger Wohnung gezwungen worden sei, da habe sie ihr helfen wollen. Sie habe gar nicht verstanden, dass der Freund, der mitangeklagte Patrick C. (28), das zulasse. „Sagt der denn nichts?“, habe sie ihre Tochter entsetzt gefragt. „Nein“, die Antwort, der habe quasi nichts dagegen und mache mit. Das war ein echter Schock für Gabi K.

Als die Sache sich dann weiter zuspitzte — Nadine M. soll von Miguel C. mit der Rache seines Rockerclubs aus dem Umfeld der Hells Angels bedroht worden sein — und in diesem Zusammenhang der kleine Sohn ins Fadenkreuz der mutmaßlichen Zuhälter geriet, hätten sie und ihr Mann den Kleinen zu sich genommen und der Tochter empfohlen, sofort zur Polizei zu gehen und Anzeige zu erstatten.

Das tat die 26-Jährige denn auch und mit ihr ein weiteres, erst knapp 20-jähriges Mädchen, die beide in dem Stolberger Wohnungsbordell im Haus „auf der Mühle“, dort im 2. Stockwerk, anschaffen mussten und dafür eine Tagesmiete zwischen 100 und 120 Euro an den Angeklagten Miguel C. und seine gleichfalls angeklagte Helferin Frederike B. (23) zahlen mussten, ob sie etwas verdient hatten oder auch nicht. Auch der Stiefvater war auf die Tätigkeit seiner Tochter von Arbeitskollegen angesprochen worden. Sie hatten im Netz auf entsprechenden Seiten das Bild der jungen Frau gefunden und dem Kollegen unter die Nase gerieben. Der berichtete die Sache seiner Frau, wollten aber zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht an das Abrutschen der Tochter in die Prostitution glauben. Der Prozess wird mit weiteren Zeugenvernehmungen am 1. Dezember fortgesetzt.

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