Musikalische Andacht des 1. Breiniger Akkordeonorchesters

Zum Totensonntag : Musikalische Andacht des 1. Breiniger Akkordeonorchesters

Mit Texten, Orgel- und passender Akkordeonmusik setzten sich die Orchestermitglieder mit der Vergänglichkeit und den Herausforderungen des Lebens auseinander.

Was Allerseelen in der katholischen Kirche ist, stellt der Totensonntag oder Ewigkeitssonntag wie er heute heißt, für die evangelische Konfession dar. Eine Woche vor dem ersten Advent wird in den Gemeinden der Toten und der Ewigkeit im Allgemeinen gedacht. Für das Akkordeonorchester Breinig war es der Grund, ihre kirchenmusikalische Andacht unter das Thema „Tod und Leben“ zu stellen. Mit Texten, Orgel- und passender Akkordeonmusik setzten sich die Orchestermitglieder mit der Vergänglichkeit und den Herausforderungen des Lebens auseinander. Da war von den „Toten“ die Rede, die allen Menschen vorausgegangen sind, von dem „kleinen Löffel“, an den es zu denken gilt, weil das beste noch aussteht, vom „zeitlichen Segnen“ und vom Leben im Augenblick. Marc Ervens las die Texte vor, während die Zuhörer entspannt lauschten. Auf dem Programm des 18-köpfigen Akkordeonorchesters standen Werke von Paul Kühmstedt, Hans Boll, Astor Piazolla, Samuel Barber, Gabriel Fauré und Philip Sparke. Unter Leitung von Andrea Deserno hatten die Instrumentalisten ein kurzweiliges und ernsthaftes Programm erarbeitet. Gefangen genommen wurde das begeisterte Publikum zu Beginn mit der leidenschaftlichen Melodie aus John Williams Musik zum Film „Schindlers Liste“. Stephen Spielberg hatte Oskar Schindler mit diesem Film ein Denkmal gesetzt, weil er während der Nazi-Diktatur Menschlichkeit und Mut bewiesen und Tausende Menschen vor dem Tod gerettet hatte. „La Muerte del Angel“ (Der Tod des Engels) hieß das Stück von Astor Piazolla, dem Begründer des Nuevo Tango, das zu einer 1962 komponierten Schauspielmusik gehört und mit einer Fuge begann. Im Mittelteil beruhigte sich die Bewegung, um dann im Schlussabschnitt zu dem aggressiven Charakter massiver Klangballungen, wie man sie in vielen Tangos findet, zurückzukehren. Wer einmal so richtig weinen wollte, für den war das hoch emotionale „Adagio“ von Samuel Barber von 1938 das richtige Stück. Die BBC hatte es einst als traurigstes Musikstück ausgezeichnet. Die „Pavane“ wurde 1887 von Gabriel Fauré nach einem spanischen Tanz komponiert und sie der Gräfin Elisabeth Greffulhe gewidmet. Wer in der Belle Epoque etwas auf sich hielt und es sich leisten konnte, schwelgte im Leben und genoss die Zeit uneingeschränkten Lebensgenusses. Eine Mischung aus Fröhlichkeit und Melancholie kamen in den drei unterschiedlichen traditionellen Klezmermelodien wie dem Hochzeitstanz mit Glückwünschen für Braut und Bräutigam, einem Rundtanz und im sogenannten Scherentanz zum Ausdruck. Der irische Segenswunsch als Zugabe, mit dem sich die Akkordeonisten verabschiedeten, ließ die Stimmung der Zuversicht und das Gefühl der Gemeinsamkeit noch einmal aufleben. Als Gaststar wirkte der 15-jährige Martin Schikarski mit, der an der Orgel mit der „Dorischen Toccata“ von Johann Sebastian Bach und dem „Allegro Marziale“ von Frank Bridge zwei musikalische Tupfer setzte. Der junge Mann präsentierte sich hochmotiviert, mit ruhigem Atem für stillere Momente und mit genügend Kraft für rauschende Passagen. Am Ende gab es lang anhaltenden Beifall für alle Beteiligten.

(mlo)