Stolberg: Musik Wagners virtuos intoniert

Stolberg: Musik Wagners virtuos intoniert

Vor 200 Jahren erblickte Wilhelm Richard Wagner in Leipzig das Licht der Welt, um später als einer der bedeutendsten Erneuerer der europäischen Musik seiner Zeit in die Geschichte einzugehen. Richard Wagners Musik huldigte in der Pfarrkirche St. Lucia der Regionalkantor René Rolle mit einem in sich stimmigen und doch abwechslungsreichen Orgelkonzert.

Die von Rolle präsentierte Auswahl beinhaltete geistliche wie weltliche Musik, und eben nicht nur Werke Wagners, was dem Konzert zu ansprechendem Facettenreichtum verhalf. Da Wagner seinerzeit die Grundlagen der Oper nachhaltig verändert hat, verwunderte es nicht, dass Rolle sich besonders diesem Aspekt in Wagners Schaffen widmete.

Versierter Könner

Der Regionalkantor empfahl sich den Zuhörern als versierter Könner auf dem hoch komplexen Instrument und intonierte zunächst virtuos die „Festmusik“ aus der Wagner-Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“. Rolle begeisterte mit dem Vorspiel zum ersten Akt der Oper „Lohengrin“ und mit „Träume“ aus „Fünf Gedichte für Frauenstimme und Klavier“, den „Wesendonck-Liedern“ nach Gedichten von Mathilde Wesendonck. Während diese Werke von Sigfrid Karg-Elert (1877-1933) für Orgel arrangiert wurden, stammt die von Rolle ebenfalls exzellent dargebotene Bearbeitung des „Pilgerchors“ aus der Oper „Tannhäuser“ von niemand geringerem als Franz Liszt (1811-1886).

Den Nicht-Wagner Teil des Konzerts gestaltete Rolle darauf mit geistlicher Musik aus der Feder Sigfrid Karg-Elerts. „Freu dich sehr, o meine Seele“ (Opus 65,5) und „Herzlich lieb hab ich dich, o Herr“ (Opus 65,14) erklangen eindrucksvoll in der Pfarrkirche von St. Lucia, und „Ach bleib mit deiner Gnade“ brachte Rolle sowohl als Opus 65,1, als auch als „Symphonischen Choral“ (Opus 87,1) harmonisch zu Gehör. Zum Finale des Konzerts spielte Rolle die kraftvolle Opulenz des Instrumentes voll aus, entlockte der großen Wilbrand-Orgel ihren ganzen majestätischen Klang und ihre beeindruckende Dynamik.

Regionalkantor Rolle hatte sich als Abschluss und Höhepunkt des Sommerkonzerts zum Wagnerjahr für eines der großen und bekanntesten Virtuosenstücke der sinfonischen Orgelromantik entschieden und verzückte das Auditorium mit einem Werk von Franz Liszt. „Präludium und Fuge über B-A-C-H“ — eine Hommage an den Komponisten Johann Sebastian Bach (1685-1750) und gleichsam die Folge der Tonbuchstaben B, A, C und H, die ein Kreuzmotiv bilden — stellten durch die vier aufeinander gelagerten Halbtöne einst hohe Ansprüche an die kompositorische Umsetzung seitens Liszts, heute an das Vermögen des Organisten. Der abschließende Applaus belegte eindeutig, dass René Rolle diesem Anspruch äußerst gerecht wurde.

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