Mütter als Helden des Alltags

Muttertag : Sie sind wahre Heldinnen des Alltags

Eigentlich haben Suad El-Bodon und Petra Schmitz (Name von der Redaktion geändert) nicht so viele Gemeinsamkeiten. Suad El-Bodon ist 26 Jahre alt, sie arbeitet ehrenamtlich als Übersetzerin und kümmert sich um ihre Familie und den Haushalt. Der Alltag von Petra Schmitz sieht ein wenig anders aus. Sie ist 37 Jahre alt und hat gleich zwei Jobs: Sie arbeitet als Betreuerin im Offenen Ganztag und geht kellnern. Eine Sache verbindet die beiden Frauen allerdings. Sie sind beide Mütter.

Suad El-Bodon ist Mama von insgesamt vier Kindern unter zehn Jahren, Petra Schmitz ist alleinerziehende Mutter von zwei Kindern. Zum Muttertag haben die beiden Frauen – exemplarisch für etliche Mütter in Stolberg – von ihrem Alltag berichtet.

„Mutter von vier Kindern zu sein, kann manchmal auch ganz schön anstrengend sein“, sagt Suad El-Bodon und lacht. Vor neun Jahren erblickte ihre älteste Tochter das Licht der Welt. Drei Jahre später folgte Tochter Nummer zwei. Vor zwei Jahren kam dann ihr erster Sohn zur Welt. Und dann ging alles ganz schnell. Nur wenige Monate nach der Geburt war El-Bodon wieder schwanger. „Ich wollte zwar immer viele Kinder haben. Aber so schnell hintereinander war das nicht geplant“, verrät sie.

Sie selbst ist die Zweitälteste von insgesamt acht Kindern und weiß, welche Vor- und Nachteile das Leben in einer Großfamilie hat. Da wäre beispielsweise der Start in den Tag, der bei einer sechsköpfigen Familie durchorganisiert sein müsse. Um 6.30 Uhr steht Suad El-Bodon auf, schmiert etliche Butterbrote und macht ihre Mädchen fertig für die Schule.

Während sie die beiden dorthin bringt, kümmert sich ihr Mann zu Hause um die zwei Jungs. Danach geht’s in den Kindergarten. Der jüngste Sohn bleibt allerdings noch zu Hause. Wieder in den eigenen vier Wänden angekommen, gehe die Arbeit dann so richtig los. Die Hausarbeit steht auf dem Programm. Am frühen Nachmittag – wenn der Nachwuchs von Kindergarten und Schule zurück ist – geht´s dann zu den Großeltern. Eine Tradition im Hause El-Bodon. „Bei meiner Mama essen wir alle zusammen zu Mittag“, sagt Suad El-Bodon.

Am frühen Abend geht es dann wieder nach Hause, die Kinder werden bettfertig gemacht und zum Einschlafen darf auch die Gute-Nacht-Geschichte nicht fehlen. „Dann habe ich ein bisschen Zeit für mich“, sagt El-Bodon, die nicht selten vom Tag geschafft ist. „Manchmal bin ich von morgens bis abends nur als Taxi unterwegs“, sagt sie und lacht.

Und nicht nur der Platz im Auto wird mit vier Kindern ganz schön knapp. „Wir wohnen momentan zu Sechst in einer 80 Quadratmeter großen Wohnung. Das ist schon ziemlich eng. Aber es ist auch schwierig mit vier Kindern eine neue Wohnung zu finden“, weiß die junge Frau aus eigener Erfahrung. Und auch die Hausarbeit nehme manchmal Überhand. „Bei uns hört die Wäsche eigentlich nie auf“, sagt sie und lacht. Auch wenn das Muttersein oft anstrengend sei, etwas Schöneres könne sie sich nicht vorstellen. Und vor allem eine Großfamilie habe ihrer Meinung nach viele Vorteile. „Mein jüngster Bruder ist so alt wie meine älteste Tochter. Von ihren Cousins, aber auch von ihren Geschwistern können die Kinder viel lernen“, ist sie sich sicher.

Ohne die Hilfe ihrer eigenen Familie wären viele Dinge oft nicht möglich, macht die junge Frau deutlich. „Bei uns ist es immer laut und chaotisch, aber schön, denn wir halten alle zusammen“, sagt sie.

Zusammenhalt ist auch das Stichwort für Petra Schmitz. Seit zwei Jahren ist die junge Frau alleinerziehend und wird vor allem von ihrer Schwester unterstützt. Denn: Petra Schmitz hat gleich zwei Jobs. „Ohne geht es einfach nicht. Denn man will den Kindern ja auch was bieten“, sagt sie. Das kann, wie in ihrem Fall, beispielsweise eine Ferienfahrt oder Sprachreise sein. „Das ist wichtig für die Kinder, aber das Geld muss ja zuerst auch mal verdient werden.“

Ihr Tag beginnt in der Regel morgens um 6.15 Uhr. Nachdem ihr ältester Sohn (13 Jahre) den Weg in die Schule angetreten hat, macht Schmitz sich mit dem Jüngsten (fünf Jahre) auf den Weg in die Kita. Danach geht’s zur Arbeit. Die dauert bis 16 Uhr – also genauso lange wie der Kindergarten. Abholen kann Schmitz ihren Sprössling nicht. Also ist Organisationstalent gefragt. Hilfe bekommt sie von ihrer Schwester oder auch von Freundinnen oder ihrer Mutter. „Ich bin ein Mensch, der nicht gerne um Hilfe bittet. Ich möchte lieber alles alleine schaffen. Wenn ich schon eine Freundin fragen muss, ob sie meinen Sohn vom Kindergarten abholt, habe ich ein schlechtes Gewissen. Das ist irgendwie drin“, sagt sie.

Sind am Nachmittag alle zu Hause angekommen, hat Schmitz erst einmal eine gute Viertelstunde Zeit für sich. Nach dem Abendessen und dem abendlichen Kuscheln mit dem Kleinsten, macht sie sich an die Hausarbeit. „Es gibt Tage, da bin ich nicht vor zwölf oder halb eins im Bett“, sagt die 37-Jährige. Muss sie kellnern, ist ihr Tag besonders lang. Ihre Schicht endet meist erst morgens um fünf Uhr.

Dann seien ihre Kinder allerdings nicht zu Hause, sondern beim Vater untergebracht. Beschwerden über ihre zwei Jobs hört man von Petra Schmitz allerdings nicht. Das Kellnern sei zwar anstrengend, mache ihr aber Spaß. „Dann bin ich auch mal acht Stunden nicht Mutter“, sagt sie. Dennoch gebe es ab und an Gäste, die ihr genau das vorwerfen. „Sie kritisieren dann, dass ich kellner und mich in der Zeit nicht um meine Kinder kümmere, obwohl ich das tue, damit es meinen Kindern gut geht“, sagt sie. Alleine sei ihr Nachwuchs übrigens nie. Schließlich wohnt Schmitz mit ihrer Schwester zusammen, die sie tatkräftig unterstützt.

Das sei auch nötig. Schließlich gebe es auch schlechte Tage – auch wenn diese nur selten vorkommen. „Manchmal ist man verzweifelt und weint auch. Aber man sammelt dadurch auch wieder neue Energie. Aber alleinerziehend zu sein, ist kein Weltuntergang“, sagt sie und fügt hinzu: „Man bekommt jeden Tag so viel von seinen Kindern zurück. Mir reicht es, wenn meine Söhne mir sagen, dass sie mich lieb haben. Dafür brauche ich keinen Muttertag.“

Hätte sie einen Wunsch frei, würde sie sich eine Auszeit mit ihren Kindern wünschen. Urlaub ist nämlich finanziell meist nicht drin. „Man hat oft leider nicht so viel Zeit, wie man gerne hätte. Ich wünschte mir, dass wir den Alltag und Stress manchmal einfach hinter uns lassen können“, sagt Schmitz.

Diesen Wunsch hegt auch Suad El-Bodon. Ein größerer Urlaub mit sechs Personen sei derzeit kaum zu realisieren, sagt sie. Doch auch die 26-Jährige gibt sich schon mit weitaus weniger zufrieden. „Komplimente von meinen Kindern retten jeden Tag. Da hat sich der ganze Stress schon gelohnt“, sagt sie.

Dass ihre Familie noch weiter wächst, schließt die junge Frau nicht aus. Allerdings steht die Familienplanung erst einmal an zweiter Stelle. Suad El-Bodon würde nämlich gerne wieder arbeiten gehen – und das, sobald ihr Jüngster einen Kita-Platz gefunden hat. Denn: „Mutter sein ist ein Full-Time-Job, aber leider ein unbezahlter“, bringt es die 26-Jährige auf den Punkt.