Lehrerin an der Gesamtschule Stolberg: Monika Haaß geht nach 39 Berufsjahren in den Ruhestand

Lehrerin an der Gesamtschule Stolberg : Monika Haaß geht nach 39 Berufsjahren in den Ruhestand

In Aachen wurde sie geboren, dort geheiratet und studiert hat Monika Haaß, die nach 39 Jahren Arbeit als Lehrerin an neun verschiedenen Schulen unterrichtet hat und jetzt von ihrem Kollegium in Stolberg in den verdienten Ruhestand verabschiedet wurde.

Schulleiter Helge Pipoh würdigte Haaß’ Leistung beim Aufbau der neuen Gesamtschule in Stolberg und ihren engagierten Einsatz für die Inklusion. „Loben, loben, loben“ und der damit verbundene Einsatz für Gerechtigkeit seien Haaß’ täglicher Antrieb im Schuldienst gewesen, sagte Josef Artz als Vertreter des Lehrerrates und wie das Kollegium mit ihren sehr persönlichen und unterhaltsamen Beiträgen betonte. Die Lehrerband unter Leitung von Marcel Nitzinger verabschiedete sich unter anderem mit einer abgewandelten Version des „Ohne dich“ (Selig) emotional von ihrer Kollegin.

Doch nach ihrem letzten Arbeitstag wird sie auf der Liester noch präsent sein. Der Vorplatz des Schulgebäudes am Sperberweg wurde kurzerhand in „Monika-Haaß-Weg umbenannt und mit einem entsprechenden Schild versehen. Monika Haaß ist eine Powerfrau, die mit Begeisterung an der Pädagogischen Hochschule die Fächer Deutsch, Mathematik und Wirtschaftslehre studierte und Grund- und Hauptschullehrerin wurde, um die Welt zu verändern und zu verbessern. Am liebsten hätte sie gehabt, wenn alle ihre Schüler Gewerkschafter geworden wären.

Im Alter von 22 Jahren machte sie in der Grundschule Klinkheide in Herzogenrath schon Vertretung. Für das Referendariat an einer Hauptschule fuhr sie ein Jahr lang nach Rheydt. In der Baesweiler Hauptschule hatte sie dann ihre erste Festanstellung. Kurze Zeit später wechselte sie an die dortige Sonderschule, für die sie nebenbei noch vier Jahre lang ein Zusatzstudium in Sonderpädagogik im Fernstudium in Hagen auf sich nahm. Nach einer Elternzeit von drei Jahren kam sie über die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) nach Weisweiler zur Schule für Erziehungshilfe, wo sie zehn Jahre blieb. Weitere fünf Jahre unterrichtete sie an der Förderschule in Würselen.

Ihre Kinder besuchten damals die Gesamtschule in Aachen-Brand. Als sie wegen ihres Sohnes, der zu einem Auslandsjahr in die USA aufbrechen wollte, etwas in der Schule zu klären hatte, warb der Schulleiter, den sie vom Studium her kannte, sie ab. In der Gesamtschule Brand, ihrer siebten Schule, arbeitete sie zehn Jahre lang und kümmerte sich um Kinder mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf. Dann wechselte sie wieder an die Förderschule Würselen, weil von dort die Anfrage kam, ob sie die stellvertretende Schulleitung übernehmen würde. Sie bestand eine weitere Prüfung und blieb drei Jahre.

Als es dann hieß, die Schule wird zugemacht und sie kein Versorgungsfall werden wollte, hat sie selbst die Initiative ergriffen und sich um eine Stelle bemüht. In Stolberg hatte gerade die erste Gesamtschule eröffnet und war noch im Aufbau. Haaß kontaktierte den Chef und probierte im Alter von 58 Jahren noch mal etwas Neues aus. Sechs Jahre hatte sie die Abteilungsleitung I für die Schüler der fünften bis siebten Klassen inne. Zwölf Stunden pro Woche fielen auf den Unterricht in den Klassen 6 und 7, die restliche Zeit war Verwaltungsarbeit.

In Stolberg angekommen

Insgesamt 829 Schüler werden hier von 83 Lehrern heute unterrichtet. Haaß ist in Stolberg angekommen. Sie habe die Kinder über die Jahre sehr geliebt, auch wenn der ein oder andere unter ihnen ein schräger Vogel war. Den Unterricht führte sie mit Strenge und Herzlichkeit und ihr Lachen war immer ansteckend. Die Gesamtschule sei die best ausgestattete Schule, die sie kenne, die Kollegen spitze und die Arbeit habe ihr einfach nur Spaß gemacht. Doch jetzt sei endgültig Schluss.

Aber von Ausruhen ist bei ihr keine Rede und Power habe sie noch genug, so dass keine Langeweile aufkommen wird. Sie möchte in der neuen freien Zeit nicht immer auf die Uhr gucken müssen, wenn sie zum Beispiel in ein Café gehe oder in einem ihrer Bücher schmökere. Sie überlegt noch, ob sie an der Seniorenuni Philosophie oder Soziologie studieren soll. Des weiteren möchte sie das Nähen lernen und vielleicht auch ein Instrument. Auf jeden Fall wolle sie ihre ehrenamtliche Arbeit im Hospiz wieder aufnehmen, und sie freue sich auf das erste Enkelkind, das im Dezember zur Welt kommt. Die Welt verändert oder verbessert habe sie nicht, aber wohl einige Schüler berührt. Sie erinnert sich gerne an einen Schüler mit Förderbedarf, der auf ihren Rat Gärtner geworden ist und sogar die Meisterprüfung geschafft hat und heute als Selbständiger arbeitet, auch in ihrem Garten.

(mlo)