Stolberg: Mit Pettersson und Findus wieder lachen

Stolberg: Mit Pettersson und Findus wieder lachen

Wenn Hubert vom Venn zur Märchenzeit lädt, dann können die jungen Patienten des Bethlehem Gesundheitszentrums endlich durchatmen. Symptome, Prognosen, Krankheitsbilder — all dies gehört vor die Tür. Im Märchenland haben nicht etwa Ärzte und Krankenpfleger das Sagen, stattdessen stehen freundliche Männer mit Hut und sprechende Katzen auf dem Programm.

Jeden letzten Montag im Monat liest der Eifeler Kabarettist, Autor und Journalist den Patienten der Kinderstation vor. Entstanden ist die Idee im Rahmen des bundesweiten Vorlesetages im vergangenen November. Was ursprünglich als einmalige Aktion gedacht war, entwickelte sich schnell zu einem festen Termin im Kalender des Autors.

Für Dirk Offermann, Geschäftsführer des Bethlehem Gesundheitszentrums, und Dr. Heiner Kentrup, Chefarzt der Kinderklinik, ist das ehrenamtliche Vorleseangebot eine ideale Ergänzung des Therapieprogramms. „Gerade bei Kindern ist wichtig, dass sie sich wohlfühlen. Das fördert ihre Selbstheilungskraft“, betont Offermann. Kentrup ergänzt: „Das Atmosphärische spielt bei uns auf der Station eine große Rolle.“

Davon kann auch Hubert vom Venn ein Lied singen. Der 63-Jährige musste wegen einer schweren Krankheit drei Jahre seiner Kindheit im Krankenhaus verbringen. Erst mit acht Jahren konnte er das Krankenzimmer endgültig verlassen. Vom Venn weiß somit, was es heißt, im Krankenbett von einer Behandlung zur nächsten geschoben zu werden, Legosteine als „Schutzgeld“ an ältere Jungen zu zahlen, und sich ein Zimmer mit einem im Sterben liegenden Kind zu teilen.

Zu lachen gibt es in solchen Situationen wenig. Umso mehr freut es ihn, wenn er mit seinen Geschichten Kinder ablenken kann, und wenn dies nur für eine halbe Stunde gilt. „Dies ist einer der Auftritte, auf die mich wirklich sehr freue, und ich will es nicht mehr missen“, sagt der Eifeler Künstler.

Ein Märchen pro Vorlesestunde bringt er den jungen Patienten mit, hinzu kommen immer auch seine Handpuppen, mit denen er die Geschichten von Pettersson und Findus oder dem Rattenfänger von Hameln zum Leben erweckt. Szenen von Gewalt schreibe er jedoch immer um. „Bei mir kommt nicht der böse Wolf um die Ecke, sondern nur der Kater in Latzhosen“, betont vom Venn. Angst hätten die Kinder im Krankenhaus schließlich schon genug.

Vom Venn hofft, dass weitere Menschen seinem Beispiel folgen. Schließlich sei es leicht, mit kleinen Gesten anderen Menschen eine Freude zu machen. „Wir leben in einem Land, dem es gut geht. Es könnten also viel Menschen so etwas machen“, findet der Künstler und ergänzt: „Ohne das Ehrenamt können wir viele Dinge knicken“.