Stolberg: Mit ihrer Stimme erwecken die Kinder den Text zum Leben

Stolberg: Mit ihrer Stimme erwecken die Kinder den Text zum Leben

Momo, Pippi Langstrumpf, Tom Sawyer oder die unendliche Geschichte: Kinderbücher sind dazu da, die Fantasie anzuregen, damit die Kinder in andere Welten eintauchen können und Freude am Lesen gewinnen. An dem jährlich stattfindenden Vorlesungswettbewerb der Kupferstadt nahmen jetzt insgesamt neun von zehn Grundschulen teil.

Schon im Vorfeld konnten sich die Schüler in ihren Klassen qualifizieren und sich danach als Schulsieger herauskristallisieren, um bei dem großen Wettbewerb in der Stadtbibliothek dabei sein zu können.

„Heute steht vor allem der Spaß am Lesen im Vordergrund. Alle Teilnehmer, die hier sind, sind automatisch schon Sieger, weil sie es so weit geschafft haben”, betonte Beate Klaas, die Leiterin der Bibliothek.

Nicht nur die Finalisten waren an diesem Tag dabei, sondern auch weitere Kinder, Lehrer und Eltern. Sie wollten sehen, wie sich die Viertklässler vor der Jury präsentieren.

Das Verfahren war eigentlich ganz simpel: Jedes Kind las im ersten Durchgang einen Text seiner Wahl, im zweiten bekam es einen Fremdtext. Dabei mussten die Kinder auf ihre Lesetechnik, die Textgestaltung sowie das Textverständnis achten.

Bei dem Wettbewerb geht es darum, einen geschriebenen Text allein mit der Stimme als Ausdrucksmittel zum Leben zu erwecken. Für die Jury war entscheidend, inwieweit die Kinder es schafften, die Zuhörer zu erreichen und das vorgestellte Buch zu präsentieren. „Es wird sehr schwierig für uns, weil hier sicherlich ähnlich gute Talente sind”, sagte Andreas Pickhardt von der Stadt Stolberg im Vorfeld.

Worauf es ankommt

Als die erste Teilnehmerin Paula Küsters an den Vorlesetisch kam und ihr Buch „Tintenherz”” aufschlug, präsentierte sie sich ganz souverän. Auch die anderen Kinder wussten, worauf es ankommt: Auf eine deutliche Aussprache, eine sinngemäße Betonung und ein angemessenes Lesetempo. Und so wurden auch schwierige Worte wie zum Beispiel das Wort „Spirituosenhersteller” deutlich und einwandfrei ausgesprochen.

Natürlich gehört Lampenfieber zu solch einem Auftritt dazu, sagte Anissa Belgacem: „Ich war schon ganz schön aufgeregt und hatte ein bißchen Bauchkribbeln, aber als ich dann vorgelesen habe, wurde es besser.” Und in der Tat: Der erste Durchgang verlief für alle reibungslos.

Im zweiten Durchgang wurde es schwieriger. Buchhändlerin Katharina Mohr stellte den Fremdtext vor: „Die Liga der Unsichtbaren” von Gunnel Linde war das Buch, aus dem die Viertklässler vorlesen sollten. Die Spannung stieg.

Die Herausforderung lag darin, einzelne Wörter visuell möglichst schnell wahrzunehmen und zu verarbeiten, damit sie so zum Ausdruck gebracht werden können - das alles innerhalb weniger Millisekunden. Doch auch hier waren kaum Stolpersteine zu erkennen.

Der Beginn des Buches entpuppte sich als interessant und witzig, und so hatten Zuhörer und Leser Spaß in der zweiten Runde. Die Jury zog sich danach zur Beratung zurück. Positiv war, dass nur Platzierungen von Eins bis Vier verteilt wurden. Durch die Unterstützung der Sparkasse wurden als Gewinne Buchgutscheine verteilt. „Das Lesen wird durch solch eine Veranstaltung gefördert, das ist ein sehr positiver Aspekt”, meinte Gottfried Frings, Vorsitzender des Fördervereins.

Alle sind Sieger

Gewonnen hat zum Schluss Anissa Belgacem. Sie freute sich riesig über den Hauptgewinn. „Wir finden es toll, dass sie so weit gekommen ist”, sagte Sabah Sari, die Mutter der Zehnjährigen. Doch darf nicht vergessen werden: Jedes Kind hat sein Bestes gegeben, und so bleiben letztendlich alle Sieger.

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