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Stolberg: Mit fünf Euro auf die Walz

Stolberg : Mit fünf Euro auf die Walz

Der Klang vom Amboss hat ihn nicht mehr losgelassen. Vor fünf Jahren besuchte der heute 21-jährige Henning Pries einen „Mittelalter-Markt” in Schleswig-Holstein.

„Wie wird man Schmied?”, wollte der Jugendliche damals wissen. Statt einer Antwort erhielt er den Hammer und legte los.

Dieses Schlüsselerlebnis wird der Wahl-Stolberger nicht mehr vergessen. In schlechten Zeiten wird es ihn immer daran erinnern, dass er sich richtig entschieden hat. Nach seiner Lossprechung Anfang Juli will sich der Geselle Henning Pries auf die traditionelle Walz begeben. Mit nur fünf Euro Startkapital in der Tasche sind schlechte Zeiten während einer langjährigen Wanderschaft programmiert.

Zwei Stellenangebote ausgeschlagen

Nach dem jahrhundertealten Brauchtum konnten Gesellen nur Meister werden, wenn sie zuvor ihr Wissen in zwei bis sechs Jahren auf der Walz erweitert haben. Das hat sich geändert. Selbst zwei Stellenangebote hat Henning Pries ausgeschlagen. Der Geselle verließ seine Heimatstadt Braunschweig und ging für dreieinhalb Jahre in die Lehre von Kunstschmied Matthias Peters.

Nach seiner letzten Gesellenprüfung ist Pries gelernter Metallbauer mit Fachrichtung Metallgestaltung. Die Grundtechniken des Schmiedens mit Stahl, Eisen, Kupfer, Messing und Bronze wie zum Beispiel Stauchen, Strecken, Nieten, Spalten und Lochen sind ihm bestens vertraut. Jetzt will er Lebens- und Berufserfahrung sammeln - am liebsten auch international.

Ein Stück Heimat

Vor vier Monaten meldete er seinen Wohnsitz in Stolberg an. Zum einen weil Stolberg für ihn ein Stück Heimat geworden ist. Zum anderen hält er sich damit auch ein Hintertürchen offen - schließlich weiß Henning Pries nicht, was ihn auf der Walz erwartet.

Die Zeiten haben sich geändert; die traditionelle Walz wird für die Gesellen schwerer. Für Kost und Logis wollen sie bei verschiedenen Meistern lernen, aber immer öfter erhalten sie die Antwort, dass es keinen Platz für sie gibt. Gleichgesinnte, die wie er für die eigene Ehre die Tradition leben wollen, findet Henning Pries immer seltener.

Lernen vom Altwanderer

Bevor er selbst auf Wanderschaft gehen kann, muss er einen so genannten Altwanderer finden, der ihn losbringt. Drei Monate muss der junge Wanderer von einem erfahrenen Wanderer begleitet werden. In dieser Zeit lernt er, mit einem speziellen Handwerksspruch um Arbeit und Unterkunft zu bitten. Henning Pries will die „Nord-Süd-Achse von Europa” durchqueren.

Ob ihm das gelingt, ist fraglich, da er traditionsgemäß kein Geld für die Beförderung ausgeben darf. Mit Wanderkleidung, Zunftkleidung und fünf Euro geht er auf Reisen, sein Handy bleibt Zuhause. Vor der Wanderschaft muss er noch spezielle Zunftkleidung einkaufen - Schmiede tragen rote Hosen, bekannter sind jedoch die schwarzen Zimmerer-Hosen.

Termin Kupfermeistertreffen

Stolberg will Pries aber nicht endgültig den Rücken kehren. Einen Meister aus Bayern, bei dem er die ersten Monate arbeiten will, konnte er bereits für das Kupfermeistertreffen am Industriemuseum „Zinkhütter Hof” begeistern. Das will Henning Pries auf keinen Fall versäumen. „Dabei kann ich tolle Kontakte knüpfen und neue Meister finden”, meint Pries. Wohin es ihn danach verschlägt, weiß er nicht.