Stolberg: Mit dem Gelenkbus durch Stolbergs enge Straßen

Stolberg: Mit dem Gelenkbus durch Stolbergs enge Straßen

Vor Elver Dautovic kann man nur den Hut ziehen. Souverän lenkt der 38-Jährige ein bereiftes Ungetüm durch Stolbergs Straßen. Manchmal bleiben nur Millimeter zwischen dem schweren Gelenkbus der Aseag und der Häuserwand oder dem Blech des entgegen kommenden Pkw.

Doch in der Regel geht die Begegnung ohne Schaden aus.

214 Busse gehören derzeit zur Flotte der Aseag. Elver Dautovic hat schon alle Modelle gefahren. Solobusse machen inzwischen mit 70 Fahrzeugen längst die geringste Gruppe aus. 129 Gelenkbusse werden vom Unternehmen durch die Region gesteuert. Etliche davon auch durch Stolberg.

Hinzu kommen sechs CapaCity-Gelenkbusse: 20 Meter lange Fahrzeuge mit einem Gelenk in der Mitte sowie einer zusätzlichen Achse unter dem „Anhänger“. Diese Busse bieten 174 Fahrgästen Platz, allerdings gibt es nur rund 40 Sitzplätze, dafür zusätzlichen Raum für Kinderwagen und Rollstühle. Die CapaCity-Busse sind mit vier Türen ausgestattet, um einen raschen Fahrgastwechsel zu ermöglichen.

Die hinteren Türen schwenken nach außen. Der Wendekreis beträgt fast 23 Meter. Am Heck ist der Bus mit einer Kamera ausgestattet, die Bilder werden an den Fahrer übermittelt, der das Ausschwenkverhalten des Busses so besser im Blick behalten kann.

Doch die Länge der Busse lässt sich durchaus noch steigern: Bestaunt werden immer wieder die acht Doppelgelenkbusse, die die Aseag auf besonderen Linien einsetzt. Der Bus, von den Einheimischen gerne „Öcher Long Wajong“ genannt, bringt es auf eine Länge von 25 Metern. Da ist für die Fahrer eine besondere Schulung Pflicht.

Für die jeweiligen Strecken, auf denen der Doppelgelenkbus verkehre, müsse eine Sondergenehmigung eingeholt werden, betont Aseag-Sprecherin Anne Linden. Etwa für die Linie zwischen Brand und Uniklinik. Der Gelenkbus sei für die Fahrer längst zum Standardfahrzeug geworden, sagt Anne Linden.

Aber reicht nicht auch ein kleinerer Bus, wenn es durch die engen Straßen von Stolberg geht? „Die Länge des Busses richtet sich nach der Zahl der Fahrgäste“, so Linden. Wenn etwa im Bus der Linie 22 bei der Fahrt durch Stolberg womöglich nur 20 Passagiere sitzen, solle man sich davon nicht täuschen lassen. „Der Bus fährt von Stolberg aus die gesamte Trierer Straße hinunter bis zum Bushof in Aachen. Da steigen an Werktagen noch viele Fahrgäste zu, so dass man dann schon einen entsprechend großen Bus einsetzen muss.“

Der Solobus sei natürlich die kostengünstigste Lösung für die Aseag, so die Sprecherin. Doch meist reiche das kleinere Fahrzeug eben nicht aus. Elver Dautovic ist oft auf der Linie 22 zwischen Campus Melaten und Stolberg eingesetzt. Den Gelenkbus durch Stolberg zu steuern, sei kein Problem, sagt der Familienvater. „Anderenorts gibt es durchaus engere Straßen.“ Dautovic, der seit 2003 für die Aseag am Steuer sitzt, besitzt alle Führerscheinklassen.

Vier Spiegel helfen ihm, den gesamten Gelenkbus im Blick zu behalten. „Nur beim Rückwärtsfahren geht es nicht ohne Einweiser.“ Die schmalen Straßen in Stolberg sind für Dautovic weniger ein Problem als rücksichtlose Verkehrsteilnehmer, die ihren Wagen mal eben auf der Fahrspur parken. Dautovic: „Dann informiere ich unsere Leistelle, die notfalls Polizei und Abschleppdienst alarmiert.“