Stolberg: Millionen-Sanierung: 56 Senioren müssen umziehen

Stolberg: Millionen-Sanierung: 56 Senioren müssen umziehen

Sie haben lange überlegt, abgewogen und analysiert, wie sie am besten auf die neuen Herausforderungen des Betreuungs- und Teilhabegesetzes reagieren. „Für uns und die Schwestern stand und steht immer die Würde des Einzelnen im Mittelpunkt“, sagt Peter Jankowski. „Und wir wollen mit Bewohnern, Angehörigen und Mitarbeitern den Weg gemeinsam gehen“, ergänzt Dirk Renerken.

Die beiden Geschäftsführer des Hauses Maria im Venn in Venwegen und des Heims des Guten Samaritan in der Innenstadt haben Ausbau und Modernisierung der beiden Senioreneinrichtungen intensiv geplant. Die Ordensgemeinschaft der Christenserinnen als Träger hat entschieden und die Weichen für die Zukunft gestellt.

Urlaub in Venwegen: Im Oktober ziehen die Bewohner des Samaritanerheims ins Haus Maria im Venn. Danach beginnt am Vichtbach der grundlegende Umbau. Foto: J. Lange

Im Oktober beginnt ein Projekt, das seines gleichen in Stolberg sucht. Zunächst wird das Samaritanerheim grundlegend erneuert. „Damit die Baumaßnahmen ungehindert und vor allem ohne Beeinträchtigungen für die Bewohner erfolgen können“, sagt Dirk Renerken, werden alle 56 Gäste ins Mutterhaus der Ordensgemeinschaft umziehen, wo auch die 56 bekannten Mitarbeiter sich weiter um sie kümmern können.

Das Wohl der Bewohner

Dort haben die elf Schwestern ihn ihrem Trakt der weitläufigen Anlage auf dem 35 000 m² großen Grundstück am Waldrand Platz gemacht und sind in ihrem Klosterflügel zusammengerückt. „Bereits seit zwei Jahren laufen die Vorberietungen und Umbauarbeiten, damit die Bewohner des Samaritanerheims sich bei uns wohl fühlen und mit christlicher Nächstenliebe betreut und gepflegt werden können“, erläutert Jankowski und betont, dass dabei besonders Werte und Philosophie der 1299 erstmalig urkundlich erwähnten Ordensgemeinschaft, die sich seit jeher in der Kranken- und Altenpflege engagiert, groß geschrieben werden: „Alle Maßnahmen müssen sich an einem würdevollen Leben unserer Bewohner ausrichten“.

Das kann das Haus Maria im Venn bieten, während die etwas beengte Lage des gut 60 Jahre alten Samaritanerheims zwischen einer Biegung der Vicht und dem steilen Ausläufern des Donnerbergs einen Umbau im Bestand bedingt. Zwischen acht und zehn Millionen Euro wird die gemeinnützige Betreibergesellschaft der Christenserinnen investieren, um das katholische Heim nach neuesten und pflegewissenschaftlichen Erkenntnissen zu gestalten.

„Dies gewinnt nicht nur vor den gesetzlichen Veränderungen, sondern auch vor dem Hintergrund der immer früher einsetzenden dementiellen Veränderungen an Bedeutung“, erläutert Dirk Renerken. In wohnlicher Atmosphäre sollen soziale Kontakte erhalten bleiben können, auch wenn umfassende professionelle Pflege- und Betreuungshilfen erforderlich werden. Deshalb wird das Samaritanerheim in überschaubare Wohneinheiten gegliedert und zudem eine Tagespflegeeinheit mit zwölf Plätzen im Erdgeschoss angegliedert, wo zudem eine Wohngruppe angesiedelt wird.

Dazu wird neben dem heutigen Eingang der rechte Trakt komplett abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Dort entstehen neben der Lobby, Kapelle (bisher erstes Obergeschoss), Cafeteria und Tagespflegebereich. Die Küche zieht in den Keller; die Wäscherei übernimmt Venwegen.

Der linke Trakt wird um ein Obergeschoss nebst ausgebautem Dachgeschoss aufgestockt, in dem Platz ist für Verwaltung, Medienraum und Fortbildung. Die beiden Obergeschosse bieten weiteren Platz für jeweils zwei Wohnbereiche, die in ihrer Mitte mit zentralen Einheiten familiär gestaltete Lebenswelten bieten sollen. Dazu tragen Wohnzimmer und kleine Küchen bei.

Eine durchgehende barrierefreie und rollstuhlgerechte Bauweise sollen die Selbstständigkeit und die Teilhabe am Gemeinwesen fördern, sagt Renerken. Zukünftig wird das Samaritanerheim über 80 moderne Zimmer für pflegebedürftige Menschen verfügen. Entsprechend reduziert werden die Pflegeplätze im Haus Maria im Venn, wo Umbaumaßnahmen anlaufen können, wenn die „Samaritaner“ wieder in ihr neues Heim am Vichtbach umgezogen sind.

Derzeit stehen 139 Pflegeplätze mit eigenen Sanitärbereichen und fünf eingestreute Kurzzeitpflegeplätze in dem 1974 erbauten Hauptsitzes der aktuell 17-köpfigen Ordensgemeinschaft zur Verfügung. „Da das Haus kontinuierlich modernisiert wurde, entspricht die Masse davon den absehbaren gesetzlichen Anforderungen“, erläutert Jankowski.

117 Einzelzimmer verfügen über 21,4 m² inklusive Balkon, Kabel-TV- und Internet-Anschluss. Die elf Doppelzimmer mit 26,4 m² werden den kommenden Anforderungen nicht mehr entsprechen. „Sie werden zu Einzelzimmern umgebaut“, kündigt der Geschäftsführer an, hält sich aber bewusst mit Details noch zurück. „Kontinuierlich verändern sich gesetzliche und gesellschaftliche Anforderungen“, erklärt Peter Jankowski, dass die Christenserinnen zum Wohle der Bewohner gerne auf dem Stand der Zeit sind.

Wohin genau die Reise geht, um die Zukunft des Hauses im Venn nachhaltig zu gestalten, ist noch nicht gewiss. „Wir überlegen noch“, sagt Jankowski und nennt die Stichworte betreutes Wohnen, Tagespflege, Rehabilitation. Vor- und Nachteile zugleich bietet zudem die Aufteilung des Hauses. Das Erdgeschoss verfügt über jede Menge zentrale Räume — von Kapelle, Speisesaal und Cafeteria über Bücherei, Besprechungs-, Spiel- und Kreativräume bis hin zu einer kleinen, aber feinen Mehrzweckhalle. „Das Angebot ist vielfältig, aber die Wege sind weit“, sagt der Geschäftsführer und dass die Schwestern auf der Suche nach dem goldenen Weg sind, den Menschen auch weiterhin ein würdiges Leben im Alter zu ermöglichen.

In jedem Fall besteht Einigkeit zwischen Peter Jankowski und Dieter Renerken beim Blick auf die Zukunft und die Entwicklung in der Kupferstadt, die in diesen Zeiten einen enormen Zuwachs von Pflegeplätzen und betreutem Wohnen verzeichnen. „Der Blick auf die demografische Entwicklung zeigt, dass wir jeden dieser Plätze in Stolberg auch brauchen werden.“