Mexikaner Sanchez in der Ballettschule Ballett-Atelier Stolberg

Tänzer José Manuel Ortiz Sánchez : Aus Mexiko zur Stolberger Ballettschule

Arbeit, Faszination und Leidenschaft: Über die Liebe zum Ballett

Eigentlich ist José Manuel Ortiz Sánchez ein recht schüchterner Mensch. Warm eingepackt im bunten Kuschelpullover und in der grünen Sporthose mit dem weißen Streifen an der Seite, sitzt er auf dem weichen Sofa im Büro der Ballettschule und beißt beherzt in sein Brötchen.

Erst vor wenigen Minuten ist er mit dem Zug am Stolberger Hauptbahnhof angekommen. Schließlich wohnt der 33-Jährige eigentlich in Köln. Doch für seine große Leidenschaft, das Tanzen, ist ihm kein Weg zu weit. Dafür gab er vor einigen Jahren sein Leben in seiner Heimat Mexiko auf und kam nach Deutschland. „Ich habe viel gekämpft, um nach hier zu kommen“, sagt er rückblickend. Doch es habe sich gelohnt.

Sobald José Manuel Ortiz Sánchez, der von allen nur José genannt wird, den großen Tanzsaal in der ersten Etage der Ballettschule betritt, scheint er wie ausgewechselt. Sánchez legt den dicken Wollpullover ab, zieht die Schuhe aus und taucht in eine andere Welt ab. Grazil bewegt er sich zur Musik, sein Körper ist angespannt bis in die Zehenspitzen und doch sieht jeder Schritt leicht und unangestrengt aus. Sind die letzten Töne der Musik verklungen, breitet sich ein Lächeln auf seinem Gesicht aus. „War das gut so?“, fragt er und wirkt dabei dann doch fast schon wieder ein wenig schüchtern.

Im Rahmen des Ballett-Tages, der heute in Deutschland stattfindet (siehe Infobox), hat Sánchez seine Geschichte erzählt. Und diese beginnt in Mexiko. Er selbst sagt, dass er sich bereits von klein auf für den Sport, der auch heute von vielen noch immer als klassische Frauen-Sportart gesehen wird, interessiert habe. „In unserer Kultur, in unserem Land gehört das Tanzen einfach dazu“, sagt er.

Am Donnerstag ist Tag des Balletts. Profitänzer José Manuel Ortiz Sánchez hat seine Leidenschaft zum Tanz bereits in der Kindheit entwickelt. Foto: ZVA/Sonja Essers

Schnell stand für ihn fest, dass der Tanz nicht nur ein Hobby sein, sondern auch sein Beruf werden soll. Vier Jahre lang studierte er in Mexiko. Als eines Tages der deutsche Balletttänzer und Tanzlehrer Lutz Förster die Universität besuchte und auch Sánchez bei ihm Kurse besuchte, stand für den jungen Mann schnell fest: „Ich wollte unbedingt noch mehr lernen. Die Tanzszene in Europa hat viel mehr zu bieten. Hier gibt es einfach viel mehr zu sehen.“

Erfahrung sammeln

Sánchez kam nach Deutschland und brachte sein Studium an der Folkwang Universität in Essen zu Ende. Danach schloss er sich einer Company in Köln an, reiste durch ganz Deutschland und sammelte Erfahrung. Doch vom Tanzen alleine ließ es sich nicht auf Dauer leben, musste Sánchez feststellen. „Ich wollte aber nicht kellnern. Also entschied ich mich dafür, zu unterrichten. Das ist ganz anders, weil man sich den Schülern anpassen muss“, sagt er.

Tanzpädagogik gehörte zu seinem Studium ebenfalls dazu und auf der Suche nach einer geeigneten Stelle wurde er schließlich auf das Stolberger Ballett-Atelier aufmerksam.

Wie schwierig es Profitänzer auch heute noch haben, weiß Siegfried Matheis, kaufmännischer Leiter des Ballett-Ateliers. „Ballett oder auch der Tanz im Allgemeinen haben ein fürchterliches Ansehen in Deutschland. Viele Tänzer verdienen nicht genug, um davon leben zu können“, sagt er. Seit fast sieben Jahren arbeitet Sánchez nun in Stolberg und gibt dort ein Mal in der Woche Unterricht. Was er am Tanzen besonders liebt? „Ein Tänzer verändert sich jeden Tag und bringt verschiedene Gefühle auf die Bühne. Das mag ich. Beim Tanzen bin ich ich. Ich fühle den Moment und das macht mir Spaß.“ Für ihn spiele es auch keine Rolle, ob er vor vielen oder wenigen Zuschauern auftrete. „Es ist egal, ob es nur vier Menschen sind oder 200. Das gehört dazu.“

Auch wenn er mit seinen 33 Jahren nicht mehr zu den Jüngsten in seinem Beruf gehöre, komme Aufhören für ihn erst einmal nicht in Frage. Ganz im Gegenteil. Sánchez hat in Zukunft nämlich noch eine Menge vor. „Am liebsten würde ich auch noch meinen Master machen. Tanzen bedeutet mir alles und ich wollte einfach ein guter Tänzer werden“, sagt er.

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