Dank Vertretungs-Pool: Mehr Personal für die Stolberger Kitas

Dank Vertretungs-Pool : Mehr Personal für die Stolberger Kitas

Hohe Krankenquoten und Fachkräftemangel auf der einen, ein steigender Bedarf und neue Einrichtungen auf der anderen Seite: Die Kita-Landschaft und deren Ausbau ist ein Thema, das Kommunen fortwährend beschäftigt. Die Stadt Stolberg hat bereits im vergangenen Jahr einen besonderen Weg eingeschlagen.

Seit Januar 2017 gibt es den hauptamtlichen Vertretungspool. Zeit, um eine Bilanz zu ziehen. Und die fällt überaus positiv aus. „Das Konzept ist voll aufgegangen und aus vielen verschiedenen Perspektiven erfolgreich“, sagt Stolbergs Erster Beigeordneter Robert Voigtsberger. Die Politik sieht das genauso und entschied nun, das Personal aufzustocken.

In Mausbach entstehen neue Kita-Plätze. Schon in der kommenden Woche ist Spatenstich. Foto: Sonja Essers

Zum Hintergrund: Die Krankentagestatistik der Verwaltung machte im Laufe der vergangenen Jahre deutlich, dass es vor allem im Kita-Bereich eine hohe Krankenquote gibt. Lag diese 2015 bei 36,8 Krankentagen, waren es 2016 insgesamt 25 und 2017 insgesamt 31,3 Krankentage. Zum Vergleich: Bei der Feuerwehr waren es 2015 insgesamt 15,3, im Jahr 2016 insgesamt 18,5 und im Jahr 2017 insgesamt 21,6 Krankentage. In der allgemeinen Verwaltung waren es 2015 insgesamt 19,9, im Jahr 2016 insgesamt 22,3 und im Jahr 2017 insgesamt 21,9 Krankentage.

Kurzfristig besetzen

Das Problem im Kita-Bereich: Man sei an bestimmte Personalquoten gebunden. Die Aufgabe für die Verwaltung: Teilweise musste für die unbesetzten Stellen relativ kurzfristig Vertretungspersonal gefunden werden. Das sei nicht zuletzt durch den Fachkräftemangel und den Ausbau der U-3-Betreuung keine einfache Aufgabe, weiß auch Josef Offergeld, stellvertretender Leiter des Stolberger Jugendamtes. Zudem führten die kurzfristig zu besetzenden Stellen auch innerhalb des Hauses zu großem Aufwand. Allein 2014 wurden für den Kita-Bereich 115 Verträge abgeschlossen, 2015 waren es 100.

Jugendamt und Personalamt erarbeiteten gemeinsam das Konzept des Vertretungspools, um kurzfristig und flexibel bei Ausfällen reagieren zu können. Und damit nicht genug. Auf diese Weise könne man auch Personal binden und die Personalentwicklung weiter vorantreiben, meint Robert Voigtsberger. „Aus personalentwicklungstechnischen und personalorganisatorischen Gründen ist der Vertretungspool ein nicht mehr wegzudenkendes Element“, sagt er.

Und wie funktioniert der Vertretungspool? Die so genannten Springer sollen bei kurz- bis mittelfristigen Erkrankungen eingesetzt werden. Sie kommen bei Erkrankungen zwischen drei Tagen und sechs Wochen zum Einsatz. Zudem sei es wichtig, dass das Projekt kostenneutral sei. Im Jahr 2017 lag das Budget der Verwaltung für den Vertretungspool bei 405000 Euro. Das allerdings nicht ausgeschöpft wurde. Der Vertretungspool bestand aus vier Vollzeit- und zwei Teilzeitkräften. Hinzu kamen vier Ergänzungskräfte — ebenfalls in Teilzeit. Die Personalkosten beliefen sich insgesamt auf rund 324000 Euro.

Basis-Kita

Die aktuelle Zusammensetzung der Vertretungskräfte hat sich — gegenüber dem ursprünglichen Pool — ein wenig geändert. So wurde eine Ergänzungskraft mit 25 Wochenstunden befristet vom 1. Oktober bis 31. Dezember beschäftigt, weil durch zeitweise Nichtbesetzung der Stellen finanziell Handlungsspielraum vorhanden war. Eine Erzieherin schied zum 30. Juni 2017 aus persönlichen Gründen aus.

Laut Konzept sollten die Fachkräfte bestimmten Sozialräumen und einer so genannten Basis-Kita zugeordnet sein. Diese Zuteilung konnte häufig nicht eingehalten werden, da im Fall des höheren Bedarfs an Vertretung in anderen Sozialräumen das Jugendamt auch Sozialraum übergreifend die Einsätze koordinieren musste. Die Einsätze der Springer sind seit Februar 2017 durch das Stolberger Jugendamt dokumentiert worden.

Befürchtungen, die Vertretungskräfte würden als zusätzliche Kräfte in den Basis-Kitas eingesetzt, bestätigten sich nicht, so Offergeld. „Es sind nur sehr wenige Tage, in denen ein Springer in seiner Basis-Kita ist“, sagt er. Vielmehr habe man festgestellt, dass die hauptamtlichen Springer sehr flexibel mit oft kurzfristig mitgeteilten Einsatzwechseln dazu beigetragen hätten, Ausfälle zu kompensieren. Und auch die Teilzeitkräfte aus dem Vertretungspool hätten oft Mehrarbeit geleistet, um Ausfälle von Vollzeitbeschäftigten aufzufangen. Das zeige deutlich, dass weiterer Bedarf an qualifiziertem und mobilem Personal für diesen Bereich vorhanden sei.

„Der Bedarf an weiterem Personal ist definitiv gegeben“, sagt auch Robert Voigtsberger. Eine Aufstockung um eine Teilzeitstelle mit 19,5 Stunden in der Woche wurde nun von Hauptausschuss und Rat genehmigt. Diese soll zum 1. Januar 2019 befristet bis zum 31. Dezember 2020 eingestellt werden. Für das Jahr 2019 fallen so Kosten in Höhe von rund 430.000 Euro an. Zudem stimmten Hauptausschuss und Rat zu zum 1. August 2019 weitere Stellen zu entfristen. Dazu gehören zwei Ergänzungskraftstellen mit 19,5 Stunden, eine Stelle mit 30 Stunden und zwei Vollzeitstellen.

Angesichts der neuen Kitas in Mausbach, in der Spinnereistraße und auch in der Stadtrandsiedlung mit zusätzlichem neuen Personal sei auch eine schrittweise Angleichung und Aktualisierung des Budgets für den Vertretungspool erforderlich. Schließlich bestehe bei mehr Personal auch die Gefahr, dass die Krankheitsquote und der Vertretungsbedarf entsprechend ansteige, so Voigtsberger und Offergeld.

Haushaltswirtschaftskräfte

Da inzwischen in jeder der 19 städtischen Kitas ein Angebot der Übermittagsbetreuung mit warmem Mittagessen angeboten wird, gibt es in jeder Kita auch Haushaltswirtschaftskräfte mit Einsatzzeiten, die von der Höhe der Anzahl der regelmäßigen Übermittagskinder abhängen. Um diese Abläufe sicherzustellen, wäre es deshalb nötig, auch hier die krankheitsbedingten Ausfälle durch entsprechendes Vertretungspersonal zu kompensieren.

Aus diesem Grund empfiehlt die Stolberger Verwaltung spätestens nach der Umsetzung der Erweiterung von 19 auf 22 städtische Kitas ab 2020 eine Haushaltswirtschaftskraft mit zehn Wochenstunden im Vertretungspool zusätzlich zu beschäftigen. Es dürfte in Zukunft also noch allerhand zu tun geben. Mehr: Seite 18

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