Mehr Ausbildungsplätze für Erzieher in Stolberg

Praxisintegrierte Ausbildung : Dem Fachkräftemangel entgegenwirken

Die Zahl der Geburten wächst. Im vergangenen Jahr erblickten in Stolberg 1977 Kinder in 1927 Geburten das Licht der Welt. In diesem Jahr rechnet man am Bethlehem-Gesundheitszentrum mit mindestens 2050 Geburten – Tendenz steigend. Mit der wachsenden Zahl an neuen Stolbergern steigt auch der Bedarf an Betreuungsangeboten. Von Seiten der Stolberger Verwaltung will man darauf reagieren.

Ab dem kommenden Ausbildungsjahr sollen an der Käthe-Kollwitz-Schule voraussichtlich vier neue Erzieherstellen für Stolberg geschaffen werden. Und auch am Berufskolleg Simmerath/Stolberg soll sich diebsezüglich etwas tun. Die Vorberatung dazu findet im Personalausschuss statt, der am Dienstag, 19. Februar, tagt. Die Entscheidung liegt dann bei Hauptausschuss und Rat. Beide Gremien kommen am 19. März zusammen.

Weniger Personal

Auf den erhöhten Bedarf an Kindertagesbetreuungsmöglichkeiten sowie dem fortschreitenden demografischen Wandel, verbunden mit der immer dünner werdenden Personaldecke im Bereich der Erzieher, müsse die Stadt reagieren, meint auch Stolbergs Erster Beigeordneter Robert Voigtsberger. Wie das gelingen soll? Mit der Gewinnung und Bindung von fachlich geeignetem Personal. Bis dato sei es immer wieder gelungen, den personellen Bedarf zu decken, indem Praktikanten im Anschluss  an ihr Anerkennungsjahr übernommen werden konnten.

Aufgrund des immer größer werdenden Fachkräftemangels sei allerdings heute schon deutlich, dass man künftig nicht nur mit diesem Weg Erfolge erzielen könne, ist sich Voigtsberger sicher.

Da pädagogische Fachkräfte in vielen Bereichen – sowohl von öffentlichen Arbeitgebern als auch von freien Trägern – benötigt würden, komme es zudem zu einer Verschärfung der bereits angespannten Personalsituation auf dem Arbeitsmarkt und stelle Arbeitgeber vor große Herausforderungen. „Die Personalbeschaffung in diesem Bereich stellt einen Schlüsselfaktor dar, um weiterhin ein quantitativ und qualitativ hochwertiges Angebot der Kindertagesbetreuung in Stolberg aufrechterhalten und kontinuierlich ausbauen zu können“, so Voigtsberger weiter. Aus diesem Grund sei es notwendig, die Ausbildung attraktiver zu gestalten.

Das soll bei der sogenannten Praxisintegrierten Ausbildung (PiA) der Fall sein. Stellt man diese und die klassische Ausbildung gegenüber, werden die Unterschiede schnell deutlich. Eigentlich dauert eine Ausbildung zum Erzieher vier Jahre. Der schulische Teil umfasst drei Jahre und wird nicht vergütet. Im Anschluss findet ein einjähriges Berufspraktikum statt.

Vor Ort eingesetzt

Bei der PiA gestaltet sich der Anteil von Theorie und Praxis anders. Bereits von Beginn an werden Erzieher auch in den Einrichtungen vor Ort eingesetzt. Eine entsprechende Bezahlung nach Tarifvertrag gibt es auch. In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies: Im ersten Ausbildungsjahr gibt es 1140,69 Euro, im zweiten Ausbildungsjahr sind es 1202,07 Euro und im dritten Ausbildungsjahr 1303,38 Euro.

Die Käthe-Kollwitz-Schule in Aachen hat zu Beginn des Jahres im Rahmen einer Bedarfsabfrage allen Trägern von Kindertageseinrichtungen mitgeteilt, dass ab dem Schuljahr 2019/2020 zusätzlich praxisintegrierte Ausbildungsplätze eingerichtet werden sollen.

Je nach Anzahl der Rückmeldungen wird die Schule entscheiden, wie viele Plätze und Klassen eingerichtet werden. „Das ist ein wichtiger Schritt, wenn es darum geht, zusätzlichen Nachwuchs zu gewinnen“, ist sich Voigtsberger sicher. Auf diese Weise sei es auch möglich, Auszubildende im eigenen Betrieb zu halten, so der Erste Beigeordnete weiter und nennt das Stichwort Fachkräftebindung.

Unterstützt würde dies übrigens durch das Bundesprogramm „Fachkräfteoffensive Erzieherinnen/Erzieher – Nachwuchs gewinnen und Profis binden“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Dafür werden bis 2022 300 Millionen Euro für Personal bereitgestellt, um bundesweit mehr vergütete Ausbildungsplätze zu schaffen. Im ersten Jahr werden die Kosten zu 100 Prozent übernommen, im zweiten Jahr muss der Träger einen Anteil von 30 Prozent und im dritten Jahr einen Anteil von 70 Prozent selbst stemmen.

Zudem ist es möglich, im Rahmen des Förderprogramms einen Praxisbonus geltend zu machen, um die Weiterbildung von Ausbildern zu optimieren und auszuweiten. Dazu können bis zu 1000 Euro pro Teilnehmer für Qualifizierungskosten beansprucht werden. Zudem erfolgt eine Bezuschussung für die zeitliche Freistellung von Ausbildern in einem Rahmen von durchschnittlich zwei Stunden je Woche und pro Fachschüler. Die Mittel aus dem Bundesprogramm können von den Trägern über ein Onlineverfahren beantragt werden. Das Interessenbekundungsverfahren soll in diesem Monat starten.

Drei Standorte

Doch nicht nur an der Käthe-Kollwitz-Schule, sondern auch am Berufskolleg Simmerath/Stolberg sollen neue Plätze entstehen. Dort will man ab dem Sommer auf drei Standbeine setzen, erklärt Mandy Richter, eine der Abteilungsleitungen des Bereichs Sozial- und Gesundheitswesen. Dazu gehört neben der PiA die Ausbildung der Erzieher in Voll- und Teilzeit. Etliche Interessierte gebe es bereits, wie viele Plätze letztlich eingerichtet werden sollen, richtet sich nach der Nachfrage. Auch Richter hält diese Art der Ausbildung für ein „gutes Modell“. Schließlich könne man auf diese Weise dem Fachkräftemangel entgegenwirken.

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