Stolberg-Mausbach: Markustreff schließt zum Jahresende seine Pforten

Stolberg-Mausbach: Markustreff schließt zum Jahresende seine Pforten

Am Nikolaustag wird in Mausbach Abschied gefeiert. Das Stadtteilprojekt, aus der Taufe gehoben im Jahr 1998, macht nach rund elfeinhalb Jahren Arbeit zum Ende des Jahres dicht. Zwei Projekte werden bis dahin noch laufen: Die Heinzelmännchen und das Beratungsangebot Offenes Ohr.

Elfeinhalb Jahre sind eine lange Zeit. Zumal ein solches Projekt immer zeitlich begrenzt und in der Regel nur auf drei bis vier Jahre angelegt ist. In Mausbach wurde es dreimal verlängert. Deshalb klingt bei Ralf Lehmkühler auch weder Enttäuschung noch Wehmut mit, wenn er über diese Jahre spricht, die er von Beginn an wesentlich mitgestaltet hat.

Immerhin, so der Gemeindereferent, hätten sich einige der von ihm und den rund 30 ehrenamtlichen Helfern angestoßenen Projekte so verselbstständigt, dass sie die Begleitung des Stadtteilprojekts nicht mehr brauchen.

Zum Beispiel der Arbeitskreis Jugend und Verkehr, der sich nach Anwohnerbefragungen durch Studenten der Katholischen Fachhochschule Aachen gebildet hatte, um auf dort geäußerte Wünsche, zum Beispiel zur Verkehrsführung und Tempolimits, einzugehen.

Mittlerweile gibt es in Mausbach Bürgerinitiativen, die sich mit diesen Anliegen beschäftigen, auch das Dorfentwicklungskonzept gehe in diese Richtung, so Lehmkühler.

Ein anderes Projekt, das Erzählcafé, hat ebenfalls seinen Ursprung im Stadtteilprojekt und wird heute vom Arbeitskreis Mausbacher Geschichte weitergeführt.

Doch es hat auch Misserfolge gegeben, auch wenn Ralf Lehmkühler diese nie so nennen würde. Lieber spricht er von „Angeboten, die nicht so angenommen wurden”.

Zum Beispiel die Alleinerziehendenarbeit. Dort wollten Ehrenamtliche gerne Hilfestellungen für den Alltag geben. „Wir haben versucht, im Ort eine Gruppe aufzubauen”, sagt Lehmkühler, doch diese war offensichtlich nicht gefragt in einem Dorf, in dem viele Menschen sich untereinander kennen.

„Es scheint ein Problem in Mausbach zu sein, sich zu seinen Problemen zu bekennen”, vermutet Lehmühler. Ähnlich lief es bei der Hartz-IV-Beratung, die gemeinsam mit dem Projektpartner Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) angeboten wurde.

Gestartet wurde das Stadtteilprojekt 1998, nachdem aus der Pfarrgemeinde heraus ein reges Interesse daran geäußert worden war.

Unter Beteiligung des SKF Stolberg, des Caritasverbands, der Regionalstelle der Dekane, des Generalvikariats des Bistums Aachen und des Helene-Weber-Hauses wurde die Pfarre St. Markus Projektträger, der erste Treffpunkt befand sich in der „Alten Bücherei”, der ehemaligen Pfarrbücherei an der Gressenicher Straße.

Später kam als weiterer Partner die KAB hinzu, doch besonders wichtig sind Lehmkühler die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter aus der Gemeinde, die mit viel Arbeit und Tatkraft geholfen haben.

„Rund 30 dürften es im Laufe der Jahre gewesen sein”, sagt der Gemeindereferent, der sich in Zukunft wieder verstärkt der seelsorgerischen Arbeit in den vier Gemeinden - neben Mausbach sind das Gressenich, Schevenhütte und Werth - widmen wird.

Alle Helfer nennen kann Lehmkühler nicht, dann aber hebt er doch Anne Schwan-Hardt hervor, die vor allem in der Frauenarbeit tätig war. Dies gelte vor allem für die Kontaktaufnahme zu ausländischen Frauen und Müttern aus dem Bereich Wasserkaul, ein Job, der für ihn als Mann ungleich schwieriger gewesen wäre.

Und wenn auch nicht jeder Ansatz erfolgreich war und manche Projekte mit der Zeit buchstäblich im Sande verliefen, wie der am Wasserkaul angelegte Spielplatz, der seit einiger Zeit schon nicht mehr in Betrieb ist, so ist Lehmkühler dennoch nicht unzufrieden.

„Wir haben an manchen Stellen Impulse gesetzt, und wenn sich Gruppen gehalten haben, so ist das ein Erfolg”, sagt er mit Blick auf manche Bürgerinitiative. „Manche Dinge haben sich verselbstständigt, Gott sei Dank.”

Und manche Dinge werden in Zukunft von anderer Stelle betreut. Das von der Politik bereits beschlossene und derzeit in der Planung befindliche Familienzentrum Mausbach, ein Zusammenschluss der katholischen Kita St. Markus und der städtischen Kita am Rektor-Soldierer-Weg, soll im Sommer 2010 zertifiziert sein und könnte dann manche Aufgaben übernehmen, zum Beispiel in der Familienbetreuung oder beim Sprachunterricht.

Auch das Heinzelmännchenprojekt, bei dem alten oder armen Menschen mit Kleinstarbeiten geholfen wird, könnte im Familienzentrum eine Zukunft haben. Ralf Lehmkühler ist jedenfalls optimistisch: „Das Familienzentrum ist jetzt wohl die entscheidende Chance.”

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