Interview der Woche: „Maria kann Vorbild für jeden Menschen sein“

Interview der Woche : „Maria kann Vorbild für jeden Menschen sein“

Seit 1730 pilgern die Stolberger jährlich zur Schmerzhaften Mutter von Heimbach. Während in früheren Zeiten um Trost und Stärkung in Kriegen und bei Seuchen gebetet wurde, tragen die Pilger heutzutage der Gottesmutter ihre persönlichen Nöte vor, bitten um Genesung von schweren Krankheiten oder um Hilfe nach schweren Schicksalsschlägen.

Während letztes Wochenende die 289. Wallfahrt nach Heimbach stattfand, wird am Samstag um 19 Uhr die Dankmesse in der St. Sebastianus Kirche in der Atsch gefeiert. Die Prozession zu dem 36 Kilometer entfernten Wallfahrtsort mit Kreuz, Fahnen und Musik bedarf natürlich einer gewissen Vorbereitung, die in diesem Jahr der 31-jährige Präfekt (Leiter) Thomas Lang übernommen hat. Mit ihm sprach unsere Mitarbeiterin Marie-Luise Otten.

Wie oft sind Sie persönlich schon mit nach Heimbach gegangen?

Lang: Wahrscheinlich 16 bis 18 Mal. In frühester Kindheit bin ich mit meinen Eltern oft mitgegangen, habe dann einige Jahre ausgesetzt und dann die letzten elf Jahre wieder regelmäßig teilgenommen.

Was war Ihre Motivation, das Amt von Herrn Kirch zu übernehmen?

Lang: Ich habe das Amt aus Familientradition übernommen. Mein Opa (Peter Lang) war von 1975-1989 Präfekt, Herr Kirch von 1990 bis 2018, und ich bin ab 2019 der neue Präfekt der Stolberger Heimbach-Bruderschaft.

Welche Arbeiten sind mit dem Amt verbunden?

Lang: Die Organisation von Vorstandssitzungen und Pilgermessen, die Kommunikation mit den eingebundenen Personen vor und während der Wallfahrt (Pfarrämter, Forstamt, Busunternehmen, Gaststätten, Missio-Mitarbeiter und so weiter), die Beschaffung von Utensilien (Wallfahrtsfähnchen für die Pilger/innen).

Wer waren die Fahnen- und Kreuzträger und die Vorbeter?

Lang: Die Vorbeter 2019 waren Josef Lang, Andrea Delsemmé und Johann Houben. Die Fahnen und das Kreuz trugen Markus Lang, Martina Lohse, Manfred Lohse und Rüdiger Rüben.

Wer hat die Musik gespielt?

Lang: Bei den Messen spielte natürlich die Orgel. Während der Wallfahrt unterwegs wurden aber verschiedene Marienlieder ohne musikalische Begleitung angestimmt.

Wie viele Menschen gehen im Schnitt mit hin und wie viele Menschen sind mit zurückgekommen?

Lang: Waren es vor dreißig bis vierzig Jahren noch gut dreihundert bis vierhundert Pilger/innen, die nach Heimbach und zurück gingen, wurden es mit der Zeit immer weniger. In diesem Jahr sind wir mit siebzig Pilgern/innen losgegangen und mit siebzehn zurückgekommen.

Kennen Sie den Grund, warum die Teilnahme rückläufig ist?

Lang: Das liegt zum einen am fehlenden Nachwuchs. Die Gesellschaft ist im Wandel, und der Pilgergedanke ist leider nicht mehr so stark wie früher.

Was versprechen sich die Leute von so einem Marsch?

Lang: Im gemeinschaftlichen Pilgern und Wandern erfahren die Menschen Zuspruch und Stärke im Glauben. Die Gespräche mit anderen Pilger(n)/innen tun einfach gut und helfen oft, das eigene Leben zu überdenken.

Wie ist das Durchschnittsalter der Menschen, die mitgehen?

Lang: Es sind erfreulicherweise dieses Jahr viele Jugendliche mit hin gegangen. Das Durchschnittsalter liegt zwischen vierzig und fünfzig Jahren.

Wie viele Pausen werden gemacht und wo?

Lang: Insgesamt machen wir fünf Pausen: die erste im Pfarrheim in Mausbach, dann am Kartoffelbaum, in Vossenack im Sportlokal, in Kommerscheidt im Lokal „Eifelblick“ und dann eine letzte an den Tennisplätzen in Heimbach.

Wer kann teilnehmen und wie viele Kosten entstehen den Teilnehmern?

Lang: Jeder kann an der Wallfahrt teilnehmen. Kosten entstehen nur für eine eventuelle Busbenutzung, denn Teilstücke können auch mit dem Bus zurückgelegt werden, und für die Beköstigung. Wer sich aber unterwegs selbst verpflegen möchte, kann das auch gerne tun. Es besteht kein Zwang.

Was wird unterwegs gebetet? Wie oft?

Lang: Auf den einzelnen Teilstrecken wird der Rosenkranz gebetet und zwischen den einzelnen Gesätzen Marienlieder gesungen. Es besteht aber keine Betpflicht.  Allerdings erwarten wir, dass die anderen Betenden respektiert und nicht gestört werden. Neben den Betstrecken gibt es auch genügend Gebetspausen.

Gibt es auch Zeiten, wo nichts gesagt wird oder man sich unterhalten kann?

Lang: Nichts gesagt kommt selten vor. In den Gebetspausen darf sich frei unterhalten werden.

Was erwartet die Pilger/innen im Wallfahrtsort?

Lang: Wir pilgern zum Gnadenbild der Schmerzhaften Mutter Gottes.

Wie erklären Sie einem Nichtgläubigen dieses Gnadenbild?

Lang: Es geht hier nicht um eine reine Marienfrömmigkeit, sondern um eine grundsätzliche Lebensgestaltung und Haltung, die sich an der Heiligen Schrift orientiert und bei der Maria Vorbild für jeden Menschen sein kann. Sie hat das Geheimnis ihrer Berufung verstanden und und „Ja“ zu dem gesagt, was von ihr verlangt wurde. In Heimbach weist die spätgotische Marienpieta, die Darstellung mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß, darauf hin, unser Leben im aufrichtigen Bemühen zu leben, sich in den Dienst der Mitmenschen zu stellen und unser Herz nicht zu verhärten. Als zartfühlende und selbstlose Mutter mit einem Gespür für konkrete Situationen, teilte die Mutter Gottes zum Beispiel schweigend den körperlichen und seelischen Schmerz ihres Sohnes am Kreuz. Sie hat sich der Realität als Dienerin des Herrn gestellt, was ja zu unserem Leitgedanken wunderbar passt.

Der da wäre?

Lang: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast“ (Lukas 1,38) in Anlehnung an Papst Franziskus zum Weltjugendtag 2019 in Panama.

Wie viele Teilnehmer der Prozession haben in Heimbach übernachtet?

Lang: 2019 nur vier Personen.

Was haben Sie sonst noch in Heimbach gemacht?

Lang: Nach der Andacht am Gnadenbild sind wir den Kreuzweg zur Abtei Mariawald gegangen.

Sie sammeln unterwegs oder in der Kirche Geld. Wem kommt der Betrag in diesem Jahr zugute?

Lang: Die Kollekte unterwegs kommt mit einem Betrag aus den Jahresbeiträgen der Mitglieder einer Katechetenausbildung in Afrika zugute. MISSIO hat uns da einen jungen Mann aus Uganda vermittelt. Die Kollekte in der Kirche in Heimbach ist für die Erhaltung des Gnadenbildes der Marienpieta.

Steht das Datum für die Heimbachprozession im Jahr 2020 schon fest?

Lang: Das wird voraussichtlich das Wochenende vom 16./17. Mai 2020 sein.

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