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Maigesellschaft Schevenhütte wird 40 Jahre

Maibäume und Maifest : Jugend setzt sich für alte Tradition ein

Jannis Priese ist ein Maikind. Der 21-Jährige ist nicht nur 2. Vorsitzender der Maigesellschaft Schevenhütte, sondern hat auch noch am ersten Tag des Wonnemonats Geburtstag.

Ein bisschen wehmütig denkt er daran zurück, wie man früher bei den Feiern in den Mai in Schevenhütte gesungen hat, wenn die Zeiger auf Mitternacht vorgerückt waren. Doch das ist — zumindest vorläufig — Geschichte. 2016 fand in Schevenhütte der letzte Maiball statt.

Es habe sich ein „Generationenloch“ aufgetan, berichtet Priese und ganz erholt habe man sich davon noch nicht. Besonders bitter ist es in diesem Jahr: Vor genau 40 Jahren, 1979, wurde die Gesellschaft in ihrer heutigen Form gegründet, 1981 richtete die Gruppe zum ersten Mal einen eigenen Maiball aus, das erste Königspaar wurden 1982 Prieses Vater Burkhard Priese und Beate Wirtz.

Für viele Schevenhüttener war es daher ein kleiner Schock, als die Maigesellschaft verkünden musste, dass nach 2016 kein Maiball mehr stattfinde. Auch entfiel die heute natürlich scherzhaft zu verstehende Versteigerung der jungen Frauen im Dorf und damit auch die Inthronisierung eines Königspaares. Eine Tradition drohte ganz zu verschwinden. Aufgeben wollten die Beteiligten aber nicht. Die Gesellschaft begann, fleißig Mitglieder zu akquirieren und war durchaus erfolgreich dabei: „Es geht wieder bergauf“, hält Priese fest und wirkt dabei durchaus erleichtert. Zwischen 15 und 20 Mitglieder hat die Gesellschaft aktuell, dazu kommen die früheren Königspaare, „Royals“ genannt, und die Ehemaligen.

Einige der Neuzugänge sind gar keine Schevenhütter Bürger. „Wir sind ja in Stolberg und Eschweiler zur Schule gegangen“, erklärt Priese und habe dort begeisterungsfähige junge Männer entdeckt, die sich für die Tradition einsetzen wollten. „Ohne die Auswärtigen geht es auf Dauer nicht“, resümiert Priese, auch wenn in diesem Jahr einige der Jungs, die 16 Jahre alt geworden seien, Mitglied in der Gruppe geworden sind. Es bedarf dazu nicht viel: Man muss männlich sein, mindestens 16 Jahre alt und ledig. Auch gibt es die Hoffnung, in Zukunft wieder einen Ball ausrichten zu können: „Wir sparen“, meint Priese.

Und es ist ja nicht allein der Maiball traditionelle Aufgabe der Maigesellschaften. Sie stellt auch die offiziellen Maibäume im Dorf auf und an dieser Tradition konnte auch die Schevenhütter Maigesellschaft festhalten: Daher heißt es heute wieder  „Baum fällt“ im Forst von Schevenhütte — und eingeladen sind alle, die Lust haben.

Ganz traditionell trifft sich die Maigesellschaft um 16 Uhr am Maibaumständer an der Arnoldusklause (Zum Backofen 1) um dann gemeinsam in den Wald zu fahren. Dort schlagen die Burschen eine Birke, traditionell das Zeichen für das Frühlingserwachen, die „mit Manneskraft“ schließlich im Maibaumständer aufgerichtet wird. Mit bunten Bömmeln geschmückt bleibt der Baum bis Ende Mai stehen. Derzeit ist der Maibaumabbruch am ersten Samstag im Juni geplant. „Das kann sich allerdings noch verschieben“, sagt Priese.

Auch andere Maibäume im Dorf werden von den jungen Männern geschmückt. Besonders prägnant sind die Maibäume an der Kirche. Auch die Kneipen im Dorf werden von der Maigesellschaft mit Bäumen versorgt. Eine kleine Belohnung gibt es dafür natürlich auch — auch zu Recht, denn die jungen Männer halten eine dörfliche Tradition am Leben. Und auch, wenn es keinen eigenen Maiball in Schevenhütte gibt, müssen die Mitglieder nicht auf einen zünftigen Tanzabend verzichten: Mit der Maigesellschaft aus Jüngersdorf bei Langerwehe ist man gut befreundet und auch zum dortigen Ball eingeladen.