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Stolberg: Lokale Facebook-Gruppen: Stolberger sind gut vernetzt

Stolberg : Lokale Facebook-Gruppen: Stolberger sind gut vernetzt

Smartphones, Computer und Internetfernsehen: Deutschland ist online. 79 Prozent der Menschen in diesem Land um genau zu sein. Das besagt die Medienanalyse von ARD und ZDF aus dem vergangenen Jahr. Bei 56.000 Einwohnern in Stolberg bedeutet das: 44.800 Stolberger sind „on“.

Ein Blick in die sozialen Medien verrät, der Dorffunk ist in Stolberg nun auf Facebook. Da gibt es nicht nur die gleichnamige Gemeinschaft, mit 2474 Mitgliedern, es sind gleich viele weitere Gruppen zu finden. Stadtviertel-Gemeinschaften sind beispielsweise vertreten, Sportvereine oder die Stadt selbst. Einige Geschäfte haben heutzutage einen eigenen Facebook-Auftritt. Auch die Lokalredaktion unserer Zeitung ist seit einigen Wochen — extra für Stolberg — bei Facebook zu finden.

Auffällig ist beim Kupferstädter Social-Media-Verhalten: Die beliebtesten Seiten sind die, auf denen die Stolberger selbst zu Wort kommen, wo sie Veranstaltungen ankündigen können, geliebte Haustiere vermisst melden oder Fotos von der Kupferstadt posten. Das Geheimnis der beliebten Stolberger Facebook-Seiten scheint Aktion zu sein, Eigenbeteiligung.

Stadt Stolberg mit 1018 Fans

Einige der Gemeinschaften sind sogar geschlossene Gruppen. Nicht jeder soll mitmischen, nicht jeder soll alles lesen können. Die Einstellungen entscheiden. Die einzelnen Gruppen haben zwischen ein paar Personen bis über 5000 Mitglieder.

So hatte beispielsweise die Stadt Stolberg mit ihrem Profil „Kupferstadt Stolberg — Rhld.“ am Montag 1018 Mitglieder. Die Facebook-Repräsentation der Stadt gibt es etwa seit einem Jahr. „Wir posten vor allem Ankündigungen für Veranstaltungen, die in Stolberg interessant sind“, sagt Robert Walz, Sprecher der Stadt. Und so schlecht ist die Resonanz nicht. In der Regel wird jeder Post mindestens einmal geteilt.

Das Gruppenverhalten zeigt aber Aktionsschwerpunkte. Die Seiten auf denen sich die Nutzer interaktiv beteiligen können haben die meisten Mitglieder in der Stolberger Facebook-Gemeinschafts-Landschaft. So etwa die geschlossene Gruppe „Stolberg (Rhld.) — unsere Stadt, unsere Heimat“. Von 3999 Mitgliedern werden Pressemitteilungen verlinkt, Fotos von täglichen Erlebnissen oder von Stolberg im historischen Kontext gepostet.

So funktioniert im Prinzip auch der „Stolberg Dorffunk“. Der wurde im Frühjahr 2014 von Michael Kirch gegründet. Der geborene Aachener ist für die Liebe nach Stolberg gezogen und lebt seit dem in Vicht. „In einer Fernsehsendung habe ich eine Dokumentation über ein neues soziales Netzwerk für Nachbarschaften gesehen“, sagt Kirch. Da meldet sich doch niemand an, habe er damals gedacht und sich für ein Netzwerk entschieden, „wo eben schon alle dabei sind.“

Dann ist es recht schnell gegangen: Freunde, Nachbarn, Stolberger. Er kennt schon lange nicht mehr alle persönlich. Die Nutzer seien recht pflegeleicht, sagt er. „Heute habe ich mit der Seite kaum noch was zu tun“, manchmal müsse man Werbe-Posts löschen, er habe deshalb auch schon Personen für die Seite gesperrt. Bei besonderen Ereignissen, „wie zum Beispiel bei dem Hochwasser im vergangenen Jahr, da rasen die Mitgliederzahlen in die Höhe.“

Aber auch das Profil der Stolberger Feuerwehr ist beliebt. 2672 Personen gefällt die Seite. Bilder und Links werden in der Regel mit über 20 „Gefällt mir“-Angaben belohnt.

Die Gruppe mit den meisten Mitgliedern ist „Stolberger Street News“. 5323 Personen waren am Montag in der Gemeinschaft. Die Gruppe wächst aber stetig und deckt inzwischen fast ein Zehntel der Stolberger Bevölkerung ab. Sie ist auch eine der ersten Stolberger Groß-Gemeinschaften auf Facebook. Dimitrios Papas hat damals die Gruppe gegründet. Die Seite wurde eine Zeit lang von zwei Stolbergern betreut. Heute ist es nur noch einer von ihnen dabei. Es gab Drohungen gegen die Betreiber, von Prügel bis zu Mord. Deshalb hat sich der eine entschieden die Seite abzugeben. Der andere möchte unerkannt bleiben.

Chris Maier hilft dem verbliebenen Betreiber mit der Seite. „Wir erhalten im Schnitt 100 Nachrichten am Tag“, sagt Maier. Ganz schön viel Arbeit, wenn auf jede Nachricht geantwortet werden soll. Auch scheint der Facebook-Auftritt unter Berücksichtigung der Drohungen nicht ganz ungefährlich. „Den Betreibern wurde nach einigen Posts gedroht“, sagt Maier. Die Beliebtheit auf der einen Seite schützt nicht vor den Gefahren von Menschen, die sich angegriffen fühlen. „Nach Videos über den lokalen Fleischhandel gab es Morddrohungen.“

Kein Tag ohne Kommentar

Dennoch sind Maier und der Betreiber von dem Konzept der Seite überzeugt. „Nachrichten von Stolbergern für Stolberger“, das wollen sie leisten. Erst am Wochenende haben sie eine Familienzusammenführung begleitet. „Die Tochter hat sich erst bei ihrer Mutter gemeldet, als sie die Posts auf Facebook gesehen hat“, sagt Maier. Da habe das Mädchen erkannt, dass ihre Mutter sie ganz schrecklich vermisst und sich sorgt.

Die Mitgliedszahlen der „Street News“ sind allein in der letzten Woche um 75 gestiegen. Kein Tag vergeht, an dem in Stolberg nicht etwas geteilt und kommentiert wird. Facebook kann auf der ganzen Welt genutzt werden, aber die geografische Konzentration in den Posts lässt auch den Rückschluss auf einen lokalen Schwerpunkt unter den Fans zu.

Das Erfolgskonzept der Stolberger Facebook-Seiten? Das scheint die Möglichkeit zu Eigenbeteiligung, das Mitspracherecht und das Bewusstsein, dass die Seite nur mit allen funktioniert.