Breinig/Vicht: Lokalderby zwischen Breinig und Vichttal: Spielt das Wetter mit?

Breinig/Vicht: Lokalderby zwischen Breinig und Vichttal: Spielt das Wetter mit?

Wer Geschichten über besondere Anspannung hören will, ist bei Michael Frey falsch. Es sei natürlich kein ganz normaler Spieltag, sagt der Vorsitzende des VfL Vichttal. Und doch klingt er routiniert, wenn es um die Organisation geht.

Trotz 500 Zuschauern, die zum Stolberger Mittelrheinliga-Derby gegen Breinig erwartet werden. Weit mehr als doppelt so viele wie bei Spielen gegen Siegburg oder Hennef. „Wir sind Großveranstaltungen aber ein stückweit gewohnt“, sagt Frey.

Und: „Wir müssen ein bisschen mehr Personal einplanen, ein bisschen mehr absperren bei den Parkplätzen. Das hält sich aber alles im Rahmen.“ Samstag läuft der Einkauf, ab dem Morgen sind am Spieltag die Ehrenamtler auf der Anlage. Es ist alles eingespielt. Auch für so einen Derby-Tag.

Schiefgehen könnte nur das, was nicht beeinflussbar ist: das Wetter. Wohl erst am Spieltag selbst entscheidet sich, ob dieser gemeinsame Gegner von Vichttal und Breinig gewinnt, noch ehe der Ball rollt. Michael Frey und seine Kollegen werden dann auf dem Kunstrasenplatz im Sportpark Dörenberg stehen. Und sie werden die Daumen heben — oder senken. Kann das Derby gespielt werden: ja oder nein?

„Wir wollen das sehr gerne. Dann haben wir zum einen nicht so viele Nachholspiele im neuen Jahr. Und wenn wir einen oder sogar drei Punkte holen, wäre es auch noch der krönende Abschluss einer tollen Hinrunde“, sagt der Vorsitzende des VfL Vichttal. Sie würden sich auch nicht von drei Grad abhalten lassen, versichert er. Und nicht von Schneeschauern. „Aber sollte der Platz nicht bespielbar sein, ist er nicht bespielbar. Gegen höhere Gewalt sind wir machtlos.“ Vorher absehbar, ob es klappt, ist kaum. Auch wenn sie momentan ständig den Wetterbericht checken.

Der 17. Dezember, sagt Frey, „ist halt eigentlich keine Zeit mehr, um Fußball zu spielen.“ Doch der Rahmenterminplan ist eng. Und somit will Frey auch nicht den Verband kritisieren. Dass das Stolberger Derby nun, eine Woche nach regulärem Vorrundenende, stattfindet, hat ohnehin eine längere Vorgeschichte. Denn nach Plan war das Duell bereits am 8. Spieltag angesetzt — der fand Mitte Oktober statt. Da wäre die Chance zumindest größer gewesen: Auf ein Derby bei angenehmen Herbst-Temperaturen, mit Sonne, Bier und Bratwurst. Just an diesem Wochenende spielte Vichttal aber im Mittelrhein-Pokal gegen den FC Pesch.

An einem ersten Nachhol-Termin zeitnah danach unter der Woche wurde im Einvernehmen der beiden Vereine das Lokalduell nicht ausgetragen — stattdessen einigte man sich mit dem Staffelleiter auf eben diese Dezember-Lösung. Eine Jahreszeit, zu der Amateurfußball-Spiele oft auf der Kippe stehen. So wie auch diesmal: Schon in den vergangenen Wochen häuften sich die Spielausfälle. Vichttal ist seit drei Wochen in einer Zwangspause.

Vor ein paar Tagen fand dann in der Mittelrheinliga am 14. Spieltag nur noch ein Spiel statt. Wo? In Breinig. Mit Besen und anderem Gerät wurden die Linien auf dem Spielfeld freigeräumt, die Partie um eine Stunde nach hinten verschoben — und am Ende gegen Bergisch Gladbach gekickt, während sich die ganze Liga dem Wetter beugte. Man habe die Gäste nicht, ohne alles zu versuchen, wieder auf die weite Heimreise schicken wollen.

„Am Anfang gab es noch eine leichte Schneedecke, aber die Temperaturen sind gestiegen, es kam ein bisschen Regen. Und schon nach einer halben Stunde war der Platz mehr grün als weiß“, sagt Ralf Clemens, Abteilungsleiter Seniorenfußball beim SV Breinig. Die Gäste honorierten die Mühe. Nicht punktemäßig. Die nahmen sie bekanntlich mit gen Heimat. Aber auf dem Kölner Portal rheinfußball.de übermittelten sie nach dem Spiel ihre Anerkennung.

Spielen wollen auch die Breiniger in Vichttal unbedingt. „Sonst hätten jetzt auch die Spieler schon eine Woche eher frei gehabt“, sagt Clemens. Ihre Anreise nach Vichttal ist freilich deutlich kürzer als die der Gäste aus Bergisch Gladbach. Und auch die der 100 bis 150 Breiniger Anhänger, die Clemens als Unterstützung des SV auf dem Dörenberg erwartet. 5,7 Kilometer Autostrecke liegen zwischen Sportanlage und Sportanlage — Fahrzeit: gerade einmal acht Minuten.

Eine Tatsache, die erst recht in einer Liga zur Besonderheit wird, in der die Entfernungen zu Spielen oft hundert Kilometer und mehr betragen. Für Breinig sind die Abläufe dennoch dieselben. Es wird im Auto angereist. Aber das ist immer so. „Ich glaube, wir sind aktuell der einzige Mittelrheinligist, der ohnehin nie einen gemeinsamen Bus hat, wenn es zu Auswärtsspielen geht“, sagt Clemens — und lacht. Es gebe Fahrgemeinschaften. Man habe andere Prioritäten und bislang gebe es keine Beschwerden.

Das Drumherum, es ist also in gewohnten Bahnen. Beim Gastgeber. Und beim Gast. Ein Spiel wie jedes andere sei es dadurch dennoch nicht. „Es ist nicht so, dass Feinde aufeinandertreffen. Die meisten Spieler kennen sich. Trotzdem werden Emotionen da sein.

Gerade auch unter den Zuschauern. Und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, wir wollten das Spiel in Vicht nicht gewinnen. Das ist immer schön“, sagt Clemens. Das ist auch beim elften Liga-Aufeinandertreffen geblieben.

Den Reiz verliere das Duell nie. Dieses Mal besteht die Hoffnung, dass das Spiel besonders viele neutrale Zuschauer anlockt — und der Termin somit auch ein Gutes hat. Wenn sonst kaum noch eine Partie stattfindet, können alle gen Vicht schauen: „Das macht sicher einen Unterschied. Ich denke, viele Aktive wollen sich so ein Spiel angucken“, sagt Frey — und fügt hinzu: „Was ich nicht weiß, ist, wie das Wetter die Leute abhält.“ Und da ist es dann doch wieder, das beherrschende Thema der Tage.

Über Spielausfall informieren

Sollte das Lokalduell am Sonntag kurzfristig abgesagt werden, informieren wir Sie auf der Facebook-Seite unserer Zeitung. Zudem erfahren Sie davon über die üblichen Kanäle: Auf dem Internetportal fupa.net sowie beim VfL Vichttal, der selbst auf seinen vereinseigenen Plattformen Spielausfälle mitteilt. Vichttal wird — vorausgesetzt, das Derby findet statt — im neuen Jahr vor dem offiziellen Auftakt der Rückrunde zwei Vorrundenspiele nachholen müssen. Beide waren witterungsbedingt ausgefallen.

Wegen der Nachholtermine startet der VfL Vichttal gleich mit einer englischen Woche. Am Sonntag, 18. Februar, steht um 15 Uhr das Heimspiel gegen Alfter an. In Herkenrath wird am Donnerstag, 22. Februar, um 20 Uhr angepfiffen.

Die Rückrunde beginnt am Sonntag, 25. Februar, mit einem Heimspiel gegen Bergisch Gladbach. Der SV Breinig, der keine Nachholspiele zu bestreiten hat, startet in die Saison mit einem Auswärtsspiel in Arnoldsweiler.