Lions-Club Eschweiler-Stolberg feiert bald sein 60-jähriges Bestehen

30 Jahre Lions Club Eschweiler-Stolberg : Bescheidene „Löwen“ im Dienst am Nächsten

Seit 60 Jahren gibt es bereits den Lions-Club Eschweiler-Stolberg. Diesmal wollen die ehrenamtlichen Helfer ein ganz besonderes Projekt unterstützen.

„We serve – wir dienen“. Immer wieder verweisen die drei Herren mit dem Blaugoldenen Club-Abzeichen im Revers ihres Jackets auf das Leitwort ihrer Vereinigung. „Nicht wir sind wichtig“, sagt Präsident Ralf Scholl. „Anderen zu helfen ist wichtig“. Der Lions-Club Eschweiler-Stolberg ist das Mittel dazu. Jedes Lions-Mitglied hat sich verpflichtet, den Dienst am Nächsten über seinen persönlichen Profit zu stellen.

Der Lions-Club Eschweiler-Stolberg ist einer von gut 48.000 Clubs mit etwa 1,5 Millionen Mitgliedern weltweit, einer von einem Dutzend in der Region rund um Aachen, Düren und Jülich. Dabei können die nun 42 Mitglieder im kommenden Jahr auf das 60-jährige Bestehen ihres Lion-Clubs blicken.

Ralf Scholl, der zudem die Aufgabe des stellvertretenden Vorsitzenden des internen Hilfswerks übernommen hat, sitzt mit Geschäftsführer Gerd Thormann und Lutz Wiesenmüller, Vizepräsident des Clubs und stellvertretender Vorsitzender, im Besprechungsraum des Stolberger Familienzentrums. Sie sind gekommen, um zu helfen.

Bewusst haben sich die Lions für das Projekt der frühen Hilfen entschieden. „Wir wollen verstärkt Kinder unterstützen“, sagt Thormann. Dieses Mal in Stolberg, ein anderes Mal in Eschweiler. Einrichtungen, Aktivitäten und Bedürftige in den beiden Nachbarstädten werden abwechselnd unterstützt. Spenden kommen gelegentlich aber auch anderen Institutionen in der Städteregion zugute.

„Kinder sind unsere Zukunft“, unterstreicht Wiesemüller. Sie wollen die Mitglieder des Clubs bevorzugt unterstützen. Aber auch andere Angebote werden nicht vergessen. Beispielsweise die Alzheimer-Hilfe oder Flüchtlingsprojekte. „Wir helfen, wo Hilfe benötigt wird“. Schon legendär sind die Weihnachtsfeiern mit Kindern von Tafelkunden.

Die Kontakte zur Stadt Stolberg sind seit Jahren eng, verrät Jugendamtsleiter Willi Seyffarth. „2006, als wir die Kita Steinweg übernommen haben und ein Spielgerät fehlte, haben wir bei den Lions angeklopft.“ Das war nicht vergeblich. Immer wieder hat der Club dort unter die Arme gegriffen, wo öffentliche Gelder nicht ausreichten oder nicht eingesetzt werden konnten. Zum Wohle der Betroffenen.

So auch diesmal. 3000 Euro stehen auf dem symbolischen großen Scheck, den Scholl, Thormann und Wiesemüller mitgebracht haben. Sie wissen das Geld gut angelegt – in Kinder. Ein Projekt für benachteiligte Kinder haben Sabine Viethen und Annabelle Kayser, die bisherige und aktuelle Netzwerkkoordinatorinnen der Frühen Hilfen, im Auge. Dabei soll die Unterstützung so ankommen, dass andere nicht merken können, dass geholfen wird. Alle Kinder sollen auf Augenhöhe teilnehmen können.

Die Frühen Hilfen sind vom Grundsatz her schon kein Angebot, dass sich auf Problemfälle konzentriert. Im Gegenteil. Der Babybesuchsdienst besucht alle Stolberger Eltern von Neugeborenen. Das macht 500 bis 600 Erstbesuche pro Jahr in der Kupferstadt. 92 Prozent der Eltern werden erreicht, erzählt Viethen aus der Praxis. In der Regel finden die Mitarbeiter des Jugendamtes die Türen freundlich geöffnet vor. Dass sie einmal einem Besuchsdienst vor der Nase zugeschlagen würden, gilt als absolute Ausnahme.

Das Image des Jugendamtes habe sich gewandelt, berichtet Seyffarth. Die Angebote würden längst als echte Unterstützung wahrgenommen. Der Besuchsdienst hat stets eine dicke Mappe unter dem Arm: das Babybegrüßungspaket. Das ist so etwas wie ein übersichtlicher Wegweiser durch die breite Welt der vielfältigen Angebote unterschiedlicher Träger, die sich an Eltern und Neugeborene richten.

Unterstützung gibt es beispielsweise bei der Suche nach einem Babysitter oder einem passenden Betreuungsplatz in einer Einrichtung oder bei einer Tagesmutter. Babysitter- und Erste-Hilfe-Kurse sowie Angebote zu speziellen Förderprogrammen gehören zum Portfolio. Informationen bei der Suche nach Freizeit- Kultur- und Sportangeboten gehören ebenfalls zum Angebot.

Schnell ist der Bogen gespannt vom Neugeborenen über das Kleinkind bis zum Jugendlichen. Zumal die „Frühen Hilfen“ angesiedelt sind im städtischen Familienbüro an der Rathausstraße. Das ist ein einzigartiges Angebot in der Städteregion, das landesweit für Aufmerksamkeit sorgt. Jenseits des eigentlichen Verwaltungsbaus wirkten die freundlichen Räume einladend, sollen helfen, keine Hemmschwellen aufkommen zu lassen, die Angebote von Stadt und freien Trägern anzunehmen. „Wir wollen alle Stolberger Familien erreichen“, sagt Seyffarth nicht minder einladend.

Mit großem Interesse folgen Ralf Scholl, Gerd Thormann und Lutz Wiesenmüller den Ausführungen. Sie sind ein weiterer Baustein im Clubleben eines Lions. Denn dazu zählen auch regelmäßige Vorträge, zu denen man sich die Mitglieder des Clubs Eschweiler/Stolberg im Restaurant Gut Schwarzenbruch in Atsch treffen. „Quer Beet“, sagt Scholl, sind die Themen dabei.

Das bunte Programm an Vorträgen, an denen möglichst alle Mitglieder teilnehmen sollen, dient zur Weiterbildung. Lions zeigen sich an allem interessiert, was eine Gesellschaft prägt, von Reisen über Hilfsorganisationen bis zu beruflichen Fragen. Dabei spiegelt die Palette auch ein wenig die Vielfalt des Clubs wider.

Viele unterschiedliche Berufsbilder treffen sich bei den Abenden. Und bei den vielen anderen Veranstaltungen, die initiiert werden, um Gutes zu tun. Sei es das Gartenfest im Sommer, die Feier im Advent, das Fischessen nach Karneval, die Bescherung von Kindern oder auch die „Weihnachtsfeier für die Stolberger Tafel“, die pünktlich zum Nikolaustag im Gemeindezentrum Frankental über die Bühne ging. „Natürlich kosten auch die Vorbereitungen eine Menge Zeit“; gesteht Wiesenmüller ein. Das Leben als Lion ist kein Selbstzweck, sondern soll anderen helfen, ihren Weg zu gehen.

Und wie wird man Mitglied im Lions-Club? In der Regel fällt der Vorschlag, jemanden in den Club aufzunehmen, zuerst intern. Glauben die Mitglieder, die vorgeschlagene Person würde zu ihnen passen, bekommt sie das Angebot, die Lions bei drei Veranstaltungen näher kennen zu lernen. „Dann liegt es bei jedem selbst, ob er an unserem Club Gefallen findet“, sagt Gerd Thormann.