Stolberg: Lieferservice: Wenn er klingelt, gibt es frische Ware

Stolberg: Lieferservice: Wenn er klingelt, gibt es frische Ware

Es ist 21 Uhr, der Magen knurrt, und das Wetter ist zu schlecht, um sich noch vor die Tür zu wagen. Die einfachste Lösung ist der Griff zum Telefon und keine 30 Minuten später steht ein fertiges Gericht vom Lieferservice auf dem häuslichen Esstisch. Doch was macht man, wenn man sich selbst eine Mahlzeit zubereiten möchte und keine Lebensmittel mehr im Haus hat oder nicht in der Lage ist, sich diese zu besorgen? Wie steht es um die Dienstleistungsqualitäten der Supermärkte in Stolberg?

Da wäre zuerst die „Edeka“-Filiale in Büsbach zu nennen. Schon unterer der vorherigen Leitung bot Dieter Welter seinen Stammkunden einen Lieferservice an. Diese Tradition wird nun vom neuen Besitzer Hendrik Walter fortgeführt. Sein Kundenkreis erstreckt sich hauptsächlich über den Raum Büsbach. Er beliefert allerdings auch Seniorenzentren in Eschweiler oder Kunden in der Stolberger Innenstadt. Jedes Mal wenn der Lieferfahrer, sei es Walter persönlich oder sein Schwiegervater Karl-Heinz Brunnquell, vor der Tür steht, können sich die meist älteren Herrschaften ein Lächeln nicht verkneifen.

Auslieferung Einzelhandel. Foto: P. Jansen

Darauf angewiesen

Karl-Heinz Brunnquell mit einem Einkaufswagen voller Waren, die er einem Kunden ins Haus liefert. Foto: P. Jansen

Das Ehepaar Henni und Herbert Schartmann ist auf den Lieferservice angewiesen:„Bis vor zwei Jahren konnten wir unsere Einkäufe noch selbst holen“, sagt Henni Schartmann, „doch nun hätten wir ohne den Service ein großes Problem“. So geht es vielen der Kunden auf der Liefertour. „Der „Edeka“ in Büsbach ist mehr als nur ein einfaches Lebensmittelgeschäft“, so Brunnquell, „er ist ein Kommunikationszentrum“. Er beschreibt, dass viele Kunden, auch wenn sie nur eine Kleinigkeit einkaufen wollen, ein bis zwei Stunden im Laden bleiben würden, um sich mit Bekannten zu unterhalten und Neuigkeiten auszutauschen.

Deshalb kommen auch viele noch persönlich in den Markt, um sich ihre Lebensmittel selber auszusuchen und sie sich dann mittels Lieferwagen nach Hause transportieren zu lassen.

Discountprinzip

Friedrich und Katharina Bündgen beschreiben noch einen weiteren Nebenaspekt des Lieferservice: „Da wir nicht mehr so oft aus dem Haus kommen, ist es schön, mal mit jemandem ein Wort zu wechseln oder einen Witz zu machen“, erzählt Friedrich Bündgen. Es würde etwas Entscheidendes in Büsbachs Kultur fehlen, wenn es diesen Markt mit seinem Service nicht mehr gäbe, beschreibt Brunnquell.

Doch diese Denkweise ist heutzutage nicht mehr in vielen Betrieben zu finden. Supermärkte wie „Netto“ in Münsterbusch oder „Penny“ in Breinig sind Filialen von Discountern. Ein Lieferservice ist in deren Firmenpolitik nicht vorgesehen und kann somit auch nicht in einzelnen Betrieben der Ketten eingeführt werden. In Niederlassungen wie „Rewe“ in Gressenich oder Breinig wäre ein solcher Service zwar theoretisch möglich, doch für ein solches Vorhaben fehle es einfach an Mitarbeitern, so Miriam Kujawski, Geschäftsführerin der „Rewe“-Filiale in Gressenich.

Selbst einem so großen Markt wie dem Kaufland in Stolberg, ist es nicht möglich, einen solchen Service anzubieten. Diana Motter, Filialleiterin des Kauflands, erläutert, die Preise des Marktes seinen so günstig, dass sich ein Lieferservice nicht rentiere. Eduard Schlegel, Leiter der „Edeka“-Filiale an der oberen Steinfurt, und Ender Cevik, Geschäftsführer des „E-Center“ in Münsterbusch, geben ebenfalls an, dass dieser Service so einfach nicht umzusetzen sei. „Um meinen Kunden ein solches Angebot bieten zu können, müsste ich Lieferfahrer einstellen, denn mit dem jetzigen Personalstand wäre dies nicht zu bewältigen“, gibt Ender Cevik zu bedenken. Er merkt allerdings an, dass er genau dies nach der Eröffnung seiner zweiten Filiale in der Atsch zu tun beabsichtige.

In der Innenstadt Stolbergs ist es noch schwerer, überhaupt einen Supermarkt zu erreichen. Es gibt jeweils eine „Aldi“-Filiale am Rathaus und in der Prattelsackstraße. Beide bieten ebenfalls keinen Lieferservice an, da sie sich dem Discountprinzip verschrieben haben. Ein solcher Service würde für das Unternehmen nur einen zusätzlichen personellen und organisatorischen Aufwand bedeuten, erklärt Anke Scholz von der Abteilung Kommunikation der „Aldi Einkauf GmbH & Co. oHG“.