Lesung Albert Sous: 368 Seiten aus einem Künstler-Leben

Lesung Albert Sous : 368 Seiten aus einem Künstler-Leben

Sammeln hat etwas mit Verlangen und Wunsch zu tun. Im Mittelhochdeutschen hatte es auch die Bedeutung „Vermögen, etwas Außerordentliches zu schaffen“. Und das ist dem Künstler Albert Sous bestens gelungen.

Als Goldschmied, Metall- und Bildbauer hat er sich einen großen Namen gemacht, denn seiner jahrelangen Sammelleidenschaft ist es zu verdanken, dass er spannende und kreative Objekte gestaltete.

Erinnert sei an die Lokomotive aus Edelstahl am Westbahnhof in Aachen und an den sechs Meter hohen Kugelbrunnen in der Fußgängerzone Aachen, der 1977 vorwiegend aus Recyclingmaterial gefertigt wurde. Sous hatte mit dieser Arbeit im öffentlichen Raum 1976 als jüngster Teilnehmer von acht Bewerbern seinen ersten Brunnenwettbewerb gewonnen und eine Fünf-Jahresgarantie angeboten.

Nun sind es mehr als 40 Jahre, und das Wunder der Mechanik und steht immer noch und funktioniert wie eh und je. Für den Arbeitskreis Geschichte Mausbach war die Lesung mit Albert Sous die Krönung der diesjährigen Veranstaltungen. Dr. Franz-Josef Ingermann und Stephan Kreutz lasen Ausschnitte aus Sous jüngstem Werk, der Biographie „Prinzip Finderlohn“, dessen Titel sich dem Leser erst spät erschließt, während der Autor die ausgewählten Texte kommentierte und die Fragen aus dem Auditorium beantwortete.

Den Himmel beobachten

Auf 368 Seiten hat er sich an viele Begebenheiten in seinem Leben erinnert. Die Menschen innerhalb der Familie und auch die Freunde waren und sind treue Weggefährten, mit denen er spannende Stunden verleben durfte. Geboren im Bethlehem-Krankenhaus Stolberg 1935 als siebtes von acht Kindern, verbrachte Sous seine Kindheit in Mausbach. Die schmerzlichste Erinnerung an diese Zeit ist der Tod seines geliebten Bruders Heinrich, der als Gebirgsjäger bei einer Lawine im Kleinwalsertal verschüttet wurde.

Mit seinem Bruder Karl beobachtete Sous gerne den Himmel und suchte ihn nach feindlichen Flugzeugen ab. Das Interesse ließ nach, als die ersten Bomben fielen. Da Hitler die Soldatenmütter unter seinen Schutz gestellt hatte, erhielt auch Sous Mutter das sogenannte Mutterkreuz, das sie dem Nazi des Dorfes allerdings an den Kopf warf. Sie schenkte es ihrem Sohn Albert an ihrem 75. Geburtstag. Seitdem liegt es in einem Pappkarton mit weiteren Relikten aus dem Zweiten Weltkrieg.

Nach dem Krieg machte Sous eine halbe Lehre als technischer Zeichner in einem Labor für Messtechnik, weil der Betrieb nach vierzehnmonatiger Lehrzeit geschlossen wurde. Mit seinen Zeichnungen aus der Lehrzeit stellte er sich bei dem Gold- und Silberschmiedemeister Ludwig Mohnen vor. Hier lernte er Gravieren, Ziselieren, Emaillieren, Schmieden, Schweißen und Löten. Bald schmiedete er aus einer runden Silberplatte einen Kelch aus einem Stück.

Für das Wochenende gab ihm der Meister farbige Vorlagen zum Nachzeichnen und Malen sowie Kunstgeschichtsbücher. Fanden sonntags Ausstellungen in Aachen oder Düsseldorf statt, wurde er dorthin mitgenommen. Da die Berufsschullehrer der Berufsschule in Köln selbständige Gold- und Silberschmiede waren, lernte er auch viel von ihnen. In der Domstadt galt es Orden für den Karneval zu erstellen, die er allerdings nach Feierabend machte. Bald erhielt Sous den ersten Preis für den handwerklich besten Orden.

Preis für originellsten Orden

1955 bekam er den ersten Preis für den originellsten Orden, der dem ersten Bundespräsident Theodor Heuss überreicht wurde. Alles lief wunderbar, nur mit dem figürlichen Arbeiten haperte es bei Sous noch. Daher studierte er an der Werkkunstschule in Aachen Bildhauerei, wo er Bonifatius Stirnberg, der für seine Skulpturen und Brunnen über die Grenzen der Kaiserstadt hinaus bekannt wurde, kennenlernte.

Beim Modellieren der Porträts mit Studenten der Grafik-Klasse traf er auf seine Ehefrau Susi, mit der er bis heute zusammenlebt. Sie haben vier gemeinsame Kinder und sechs Enkel, die alle mit Kunst zu tun haben, bis auf Enkelin Ana, die darüber schreibt.

An diesem Mausbacher Abend versäumt er nicht, den Kunstmaler Roland Mertens vorzustellen, dem Partner an der Seite seiner Tochter Vera. Beide haben zusammen mit Asylsuchenden in mehrwöchiger Arbeit in den Räumen des Ludwig Forums eine Schiffsarchitektur als Symbol für die Flucht, aber auch für die Rettung geschaffen. Weitere vierzehn Banner wurden mit den meist jungen, unbegleiteten Flüchtlingen für die Vorhalle des Aachener Doms angefertigt, wo sie den Weg zur barmherzigen Pforte wiesen.

Neben diesen vielen positiven Ereignissen erzählt „Albert“, wie sie ihn liebevoll in Mausbach nennen, auch von seinem Überfall vor gut einem Jahr. Wenn die drei Täter auch gefasst werden konnten, so sind die Hauptwerke, die private Schmucksammlung weg. Trotz dieser Begebenheit bewahrt sich der Künstler seine optimistische Lebenseinstellung. „Prinzip Finderlohn“ ist im Buchhandel erhältlich.

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