Stolberg-Schevenhütte: Lesertour führt in eine Forellenzucht mit Leidenschaft

Stolberg-Schevenhütte : Lesertour führt in eine Forellenzucht mit Leidenschaft

Ein kurzer Wurf von Jens Utermark reicht aus, um das Wasser scheinbar zum Kochen zu bringen. Wenn der Betriebsleiter der Forellenzucht Mohnen in Schevenhütte nämlich das grobkörnige Futter verteilt, springen dutzende Fische fast aus dem Wasser. Beobachtet wurde das Schauspiel einige Stunden lang von unseren Lesern, die an der spannenden Führung durch die Forellenzucht teilnahmen.

Utermark und die Besitzer des Familienunternehmens, Udo und Elmar Mohnen, begrüßten im Rahmen unserer „7x Sommer“-Aktion die gespannten Besucher auf dem Gelände am alten Freibad. Und nahmen sie mit auf einen Blick hinter die Kulissen des vier Jahrzehnte alten Betriebs.

Zur Begrüßung erklärte Elmar Mohnen die Geschichte der familieneigenen Fischzucht. Bereits in den 1970er Jahren half der „Schevenhütter Jung“ seinem Vater dabei die Becken auszuheben und sah dabei zu, wie das Unternehmen Stück für Stück mehrere Standorte, etwa in Eschweiler-Weisweiler und Gressenich, eröffnete. Doch es war nur logisch, dass die Führung dort stattfand, wo im Frühjahr 1970 alles begann.

Die Forellenzucht Mohnen hat alles auf die Vermehrung und Aufzucht von Regenbogen- und Bachforellen ausgelegt, die dann im Umkreis von 250 Kilometer verkauft werden. Foto: Christian Ebener (4)/Sonja Essers (3)

Dabei ist die Art der Forellenzucht, wie sie in der Nähe der Talsperre betrieben wird, eine Besonderheit. Lediglich zwei weitere Betriebe in Nordrhein-Westfalen widmen sich nämlich der Zucht von Laichfischen. Das Stolberger Unternehmen ist also nahezu ein Unikat in seiner Branche.

Zum Betrieb gehört jedoch nicht nur Jens Utermark. Jede Menge Wissen vermittelten bei unserer Lesertour auch die beiden Chefs Elmar und Udo Mohnen. Udo Mohnen (im Bild) leitet die Auf- und Nachzucht, Elmar Mohnen leitet den Gesamtbetrieb. Foto: Sonja Essers

Vermehrung und Aufzucht

Seit mittlerweile vier Jahrzehnten gibt es den Betrieb Mohnen. Die Forellen und Lachsforellen wachsen in vier eigenen Teichanlagen in Schevenhütte in sauberem, klarem Eifelwasser heran und haben insgesamt anderthalb bis zwei Jahre Zeit zu wachsen. Foto: Christian Ebener

Denn bei der Forellenzucht Mohnen ist alles auf die Vermehrung und Aufzucht von Regenbogen- und Bachforellen ausgelegt, die dann mit den firmeneigenen Lastwagen an Zucht- und Angelparks — meist im Umkreis von rund 250 Kilometern — verkauft werden. Doch bis es soweit ist, gibt es jede Menge Arbeit für die Mitarbeiter vor Ort. Dabei ist „vor Ort“ tatsächlich wörtlich zu nehmen, denn Jens Utermark wohnt direkt an den Fischteichen. Wenn es Probleme gibt, ist der Mann vom Bodensee seit 18 Jahren sofort zur Stelle, wie Udo und Elmar Mohnen einhellig betonten.

Beeindruckende Exemplare bekamen unsere Leser bei Mohnen zu sehen. Die amerikanische Regenbogenforelle der Verkaufsschlager, erklärt Jens Utermark. Der Grund dafür: Dieser Fisch legt deutlich schneller Gewicht zu und ist damit natürlich auch früher verkaufbar. Foto: Sonja Essers

Rund 20 Mitarbeiter arbeiten an den verschiedenen Standorten des Betriebs, in Schevenhütte sind drei bis vier davon regelmäßig anwesend. Auch ausgebildet wird — und zwar aus Tradition. „Die Lehrlinge müssen bereit sein, rauszugehen“, so Utermark zu der Arbeitsbelastung. Denn bei der Fischzucht muss jeder bereit sein, jederzeit anzupacken. Neue Mitarbeiter stehen jedoch nicht gerade Schlange — viele Auszubildende orientieren sich nach ihrem Abschluss um. Gerade einmal 20 Prozent bleiben der Fischwirtschaft nach der Ausbildung erhalten, erklärt Jens Utermark. Wer in dieser Branche arbeitet, muss Leidenschaft und Selbstständigkeit mitbringen, betont auch Elmar Mohnen.

Zusammen mit den Lesern ging es dann an den zahlreichen Teichen vorbei, in denen die zwei Forellenarten leben. 30 Teiche werden in Schevenhütte in einem Rotiersystem bewohnt. Dabei werden die Fische immer wieder mit Hilfe eines Schlauchsystems umgesiedelt, damit die Teiche gereinigt werden können. Foto: Sonja Essers

Zusammen mit den Lesern ging es an diesem Nachmittag an den zahlreichen Teichen des Betriebs vorbei, in denen die zwei Forellenarten leben. Dabei ist die amerikanische Regenbogenforelle der Verkaufsschlager, erklärt Utermark. Der Grund dafür: Sie legt deutlich schneller Gewicht zu und ist damit auch früher verkaufbar. Bei der Bachforelle ist das ein wenig anders. Sie wird weiterhin großgezogen, um sie in den Gewässern Deutschlands auszusetzen und damit das Ökosystem zu beleben. „Das ist eine reine Umweltmaßnahme“, so Udo Mohnen. Denn: Wer einen landwirtschaftlichen Betrieb führt, dem müsse auch die Natur am Herzen liegen, stellt er klar.

Insgesamt 30 Teiche werden in Schevenhütte in einem Rotiersystem bewohnt. Dabei werden die Fische immer wieder mit Hilfe eines Schlauchsystems umgesiedelt, damit die Teiche auch gereinigt werden können, wie die Besucher erfuhren. Das Wasser kommt selbstverständlich aus der Talsperre und wird mit Hilfe von Pumpen mit zusätzlichem Sauerstoff angereichert. Regelmäßige Wasserproben werden entnommen und auch die Fütterung immer angepasst, um eine optimale Qualität zu gewährleisten — denn diese wird von den Behörden strengstens überprüft.

Weiter ging es vorbei an den Goldforellen, die speziell mit keratinhaltigem Futter versorgt werden, um ihre rötliche Färbung zu erhalten, wie Utermark den „7x Sommer“-Teilnehmern erzählt. Zahlreiche Fragen dieser Art wurden schnell beantwortet und sorgten für den ein oder anderen Aha-Moment. So erfuhr man unter anderem auch, dass die Fische nie aufhören zu wachsen in ihrem Leben, das bis zu elf Jahre dauern kann. So kann auch bestimmt werden, mit welchem Gewicht die Fische verkauft werden — denn jeder Käufer hat schließlich andere Ansprüche.

An den Laichteichen konnten unsere Leser dann allerhand Interessantes rund um das Thema Vermehrung erfahren. Die weiblichen Fische werden beispielsweise im Winter aus ihren Becken geholt und die Eier vorsichtig aus ihnen heraus-gestriffen und dann auch befruchtet. Bis zu 1500 Eier pro Kilo Gewicht können das bei der Regenbogenforelle sein. Ein großer Vorteil bietet die Temperaturabhängigkeit der Eier, erklärt Utermark. Je nach Temperatur brauchen sie nämlich unterschiedlich schnell um ausgereift zu sein — die perfekte Möglichkeit also um die neue Brut aufzuteilen.

Was mit den befruchteten Eiern geschieht, gab es dann im Brutkeller der Zucht zu erfahren und auch zu sehen. Dort werden die Eier nämlich in spezielle Brutkästen gelegt, die langsam vom Wasser durchströmt werden, bis die Fische schließlich schlüpfen. Zwei Wochen danach fangen sie an zu essen und zu schwimmen. Kurz darauf wandern sie in die großen Behälter in der Halle des Gebäudes, in denen sie solange leben, bis sie bereit sind, ihr Leben in den großen Teichen zu starten.

Wenn sie dann herangewachsen sind, werden sie mit großen Sortiermaschinen gewogen und wenn dann eine Bestellung vorliegt auch aussortiert. Die Laster fahren dann vor ein Rohr, das mit den Transportteichen verbunden ist. Hier kann dann die gewünschte Menge Fisch ausgewählt und in das Ladebecken im LKW verladen werden.

Es ist ein arbeitsaufwendiger Zyklus, dessen Zeuge die Leser unserer Zeitung an diesem Tag wurden und auch nach Abschluss stellten sich Utermark und die Mohnens den zahlreichen Nachfragen zu dieser Fischzucht, auf die Elmar und Udo Mohnen so stolz sind.

Dann war es aber Zeit für die Heimfahrt der Besucher, die an diesem Nachmittag zahlreiche spannende Eindrücke gewinnen konnten. Und es ist nicht unwahrscheinlich, dass die ein oder andere Fahrt an der Fischtheke eines Supermarktes endete. Schließlich sind die Teilnehmer nun echte Experten — zumindest wenn es um das Thema Forellen geht.