1. Lokales
  2. Stolberg

Naturschutz mit dem Bagger: Lebensraum für die bedrohte Gelbbauchunke

Naturschutz mit dem Bagger : Lebensraum für die bedrohte Gelbbauchunke

In Stolberg laufen derzeit Maßnahmen, um den Bestand der seltenen und deshalb streng geschützten Gelbbauchunke zu stabilisieren. Federführend ist die Biologische Station.

Sie ist in Nordrhein-Westfalen vom Aussterben bedroht und gilt laut der erst kürzlich aktualisierten „Roten Liste“ der Amphibienarten Deutschlands bundesweit als stark gefährdet: die Gelbbauchunke. In diesen Tagen und Wochen werden für sie in einem Schutzgebiet in Stolberg rund 50 Laichgewässer angelegt.

Mit dieser Naturschutzmaßnahme der Biologischen Station der Städteregion Aachen soll die bisher kleine Population gestärkt und vergrößert werden. Trittsteine werden für einen Verbund mit anderen Gebieten sorgen. In NRW gibt es nur rund 40 Vorkommen der Gelbbauchunke. Im Rahmen des Projekts „LIFE-Amphibienverbund“ konnten seit 2017 zusammen mit Partnern in der Region bereits über 400 Gewässer in 21 Gebieten angelegt werden. Mit dem Projekt unterstützt die Biologische Station neben der Gelbbauchunke auch Arten mit ähnlichen Ansprüchen wie die Kreuz- und Geburtshelferkröte.

Speziell für die Gelbbauchunke wurden in Stolberg bereits Ende der 1990er Jahre vier Gebiete als Fauna-Flora-Habitat-Gebiet ausgewiesen. Die Biologische Station kümmert sich bereits seit der Jahrtausendwende um den Erhalt und die Verbesserung des pflegebedürftigen Lebensraumes und seit 2017 verstärkt mit Mitteln der EU und des Landes.

 Die Gelbbauchunke war früher rund um Stolberg und im Eschweiler Stadtwald häufig. Aktuell kommt sie nur noch in wenigen Schutzgebieten und Steinbrüchen vor.
Die Gelbbauchunke war früher rund um Stolberg und im Eschweiler Stadtwald häufig. Aktuell kommt sie nur noch in wenigen Schutzgebieten und Steinbrüchen vor. Foto: Biologische Station Oberberg

Aktuell finden die Arbeiten in einem Gebiet statt, das zuvor als Halde genutzt wurde. Der Eigentümer stellt dabei das Gelände für die Gewässeranlage dauerhaft dem Naturschutz zur Verfügung. „Die Herausforderung ist, Gewässer zu schaffen, die einerseits dauerhaft vorhanden sind, aber trotzdem ihren Pioniercharakter über die Zeit erhalten“, erläutert Bettina Krebs, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Biologischen Station an der Zweifaller Straße. „Zum Einsatz kommen bei den Baumaßnahmen deshalb Brunnenringe und Foliengewässer mit einer Betonschutzschicht. Diese Typen von Laichgewässern sind im benachbarten Limburg erprobt worden und haben den Vorteil, dass sie sehr stabil sind und gut trockengelegt und gereinigt werden können“, betont Krebs.

Fressfeinde wie räuberische Insekten sowie deren Larven seien nämlich ein Problem für die Kaulquappen der Gelbbauchunke. Indem die Gewässer von Zeit zu Zeit im Winter entleert werden, werde die Besiedlung der Gewässer wieder auf null zurückgesetzt, wie dies auch in den Tümpeln von großen Auen der Fall wäre. Im darauffolgenden Sommer hätten die Kaulquappen dann wieder beste Startbedingungen, um sich zu jungen Unken entwickeln zu können.

Prinzipiell gilt: Je mehr junge Unken überleben, desto höher ist die Chance, dass die aktuell nur rund 20 erwachsene Tiere umfassende Population sich mit der Zeit vergrößert. Ganz in der Nähe wurde ein erstes sogenanntes Trittsteinbiotop angelegt – eine kleine Anzahl an Gewässern in der Landschaft zwischen den Vorkommen in den Schutzgebieten. Diese Mini-Biotope sind ein erster Schritt für eine Vernetzung der Vorkommen. Bis 2025 sollen weitere folgen.

Unken und andere Tiere, die auf Kleingewässer angewiesen sind, können dann von einem Gebiet zum anderen wandern. „Dies sorgt für einen genetischen Austausch und trägt zur Stabilisierung der Vorkommen bei“, zeigt sich Bettina Krebs optimistisch.

(red)