Stolberg: Lebenslang Engagement in Donnerberg gezeigt: Reiner Deutzmann wird 90

Stolberg : Lebenslang Engagement in Donnerberg gezeigt: Reiner Deutzmann wird 90

„Nun bin ich wohl der älteste Donnerberger“, sagt Reiner Deutzmann. Das Stolberger Urgestein feiert am Donnerstag nämlich seinen 90. Geburtstag. Von klein auf, seit fast 89 Jahren, ist seine Heimat Donnerberg — eine lange Zeit, in der er viel bewirken konnte.

Gemeinsam mit seinen Eltern und seinen fünf Geschwistern wohnte Deutzmann auf der Ritzefeldstraße — das Besondere: Die linke Straßenseite gehörte zu Stolberg, die rechte Seite, auf der auch der Donnerberg liegt, war damals noch Eschweiler. Erst 1935 wurden die selbstständigen Ortschaften zu Stadtgebieten eingemeindet.

In Stolberg besuchte Deutzmann auch die Grüntalschule, an der sein Vater Rektor war. Nach Abschluss der Volksschule ging es für ihn weiter auf die Oberschule. Doch ehe er sein Abitur machen konnte, kam der Krieg. Deutzmann musste mit 16 Jahren in die Wehrmacht. Erst war er in Weisweiler stationiert, später in Hannover und schließlich wurde er zum Erdeinsatz nach Russland geschickt, wo er sich knapp vor dem Tod retten konnte.

Als der Krieg vorbei war, kehrte Deutzmann nach Stolberg zurück. Sein Vater, der Nazi-Gegner war, wurde derweil von den Amerikanern zum Bürgermeister Stolbergs ernannt. Zunächst unterrichtete Deutzmann Kinder an der Volksschule. Erst als das Gymnasium wieder geöffnet wurde, machte er endlich sein Abitur.

Auf der Suche nach einer Tanzpartnerin für den Abschlussball lernte er Ruth Beissel kennen, die Tochter des damals führenden Rollladenmeisters in Stolberg. Der Kontakt brach nie ab, auch nicht als Deutzmann für sein Jurastudium nach Köln zog. Nach vier Semestern brach er ab, stieg in die Rollladenfabrik mit ein, die er später übernahm und heiratete 1949 seine Ruth, mit der er zwei Töchter auf die Welt brachte.

Deutzmann wurde Obermeister und gründete 1956 die erste Rollladen-Innung in Stolberg. Der Geschäftsmann hatte ein Händchen dafür, Chancen zu ergreifen, und so war er der erste in der Region, der Kunststoffrollladen und -fenster herstellte. Was anfangs keiner wollte, wurde zum Bestseller.

Zudem schuf er eine Berufsschulklasse für angehende Rollladenbauer, die er unterrichtete. Er wurde Oberinnungsmeister in Nordrhein-Westfalen und war im Vorstand des Bundesverbandes Rollladen und Sonnenschutz e.V. Da er Jura studiert hatte, arbeitete er außerdem 30 Jahre lang ehrenamtlich als Schöffe im Gericht. Für sein vielseitiges Engagement erhielt Deutzmann schließlich am 10. November 1980 das Bundesverdienstkreuz.

Und dann war da noch sein Kindheitstraum: Deutzmann entschloss sich, einen Pilotenschein zu machen. Dieses Hobby musste er aufgeben, als er mit 56 Jahren den ersten Herzinfarkt erlitt. Dennoch blieb er stets engagiert und gab weiterhin Unterricht an der Pilotenschule in Merzbrück.

(ll)
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