Landesregierung steht zu den WVER-Plänen für die Vicht

MdL Kämmerling enttäuscht : „Hochwasser-Problem würde nach Belgien verlagert“

Die von der Gemeinde Roetgen vorgeschlagenen Alternativen zu Regenrückhaltebecken als Hochwasserschutz für Stolberg seien bei der NRW-Landesregierung offenbar nicht auf Interesse gestoßen. Dies bedauert der Landtagsabgeordnete Stefan Kämmerling (SPD).

Das Land beruft sich auf die Untersuchungen und Planungen des Wasserverband-Eifel-Rur (WVER). Der beabsichtig ein Planfeststellungsverfahren zum Bau zweier Regenrückhaltebecken bei Rott und Mulartshütte einzuleiten, um für Ortslagen entlang der Vicht den Hochwasserschutz gewährleisten zu können. Bezugnehmend auf eine Resolution des Roetgener Rates hatte sich Kämmerling mit einer „Kleinen Anfrage“ an die Landesregierung gewandt, um zu eruieren, wie diese die vorgeschlagenen Alternativen bewertet und wie sie zu dem Bau zweier Regenrückhaltebecken als Hochwasserschutzmaßnahme für die Kupferstadt stehe.

In ihrer Antwort bezieht sich die Landesregierung auf den Hochwasser-Aktionsplan der Bezirksregierung, aus dem hervorgeht, dass ein 100-jährliches Hochwasserereignis allein in der Ortslage von Stolberg Schäden in einer Höhe von rund 25 Millionen Euro verursachen würde. Schon bei einem 5- bis 10-jährlichen Hochwasserereignis würden demnach bereits schadhafte Überflutungen beginnen.

Zehn Standorte untersucht

In einer Vorstudie des WVER wurden zehn mögliche geeignete Beckenstandorte an Vicht, Hasselbach, Gieschbach und Eigertsief untersucht. Einer der Standorte lag direkt unterhalb der Dreilägerbachtalsperre im Wald am Wasserwerk Roetgen. Der Studie zufolge könne jedoch nur eine Kombination aus zwei Regenrückhaltebecken den geforderten Hochwasserschutzgrad sicherstellen. Weiterhin erteilt das Land Roetgener Gedankenspielen eine Absage. Demnach lasse sich die Dreilägerbachtalsperre nicht für den Hochwasserschutz nutzen ohne zugleich die Trinkwasserversorgung zu gefährden.

Zudem sei es nicht machbar, ein Teileinzugsgebiet des Weserbaches wieder auf belgisches Staatsgebiet zurückzuführen. Mit dem Staatsvertrag von 1958 seien die Bewirtschaftung der grenzüberschreitenden Wassereinzugsgebiete geregelt worden. Jede Seite habe auf dieser Basis ihre Gewässer bewirtschaftet, so dass eine Änderung einen erheblichen Eingriff in Kapazitäten und Rückhaltetechnik sowie in letzter Konsequenz eine Verlagerung der Hochwasserproblematik von der deutschen auf die belgische Seite darstelle. Das wird von der NRW-Landesregierung abgelehnt, die am Staatsvertrag festhalte.

Zu der Antwort der Landesregierung sagt Kämmerling: „Ich bedauere, dass die Landesregierung an einer für die Nordeifel verträglicheren Lösung offenbar nicht aktiv mitwirken will. Stolberg muss unbedingt vor Hochwasser geschützt werden. Dass die Landesregierung aber so gar kein Interesse an einer alternativen Lösung zeigt, finde ich schon sehr ernüchternd.“

(-jül-)
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