Stolberg: Kupferstädter zeigen sich gastfreundlich und hilfsbereit

Stolberg: Kupferstädter zeigen sich gastfreundlich und hilfsbereit

Ein beständiges Brummen, zu dem sich im Schleudergang eine leichtes Pfeifen gesellt — an der Probst-Grüber-Schule hat das Technische Hilfswerk (THW) ein Zelt aufgebaut, Strom- und Wasserleitungen gelegt und fünf Waschmaschinen angeschlossen. Die hat ein Stolberger den Flüchtlingen in der Probst-Grüber-Schule gespendet.

Ein wichtiger Beitrag für die Menschen, denn „wir wollen ihnen, nach ihren schweren Erlebnissen, möglichst schnell wieder ein Gefühl von Normalität geben“, sagt Andreas Dovern, Leiter der Stolberger Feuerwehr. Auch wenn es wenig mit Normalität zu tun hat mit über hundert Menschen in einer Schule zu wohnen und nicht zu wissen wie es in drei Wochen weitergeht. Je mehr Kontrolle über die kleinen Dinge des Lebens, desto besser. Zu den Waschmaschinen hat der großzügige Stolberger auch drei Trockner und das benötigte Waschmittel zur Verfügung gestellt.

Menschen in Not zu helfen, das sollte selbstverständlich sein. Ist es aber nicht. Über die eigenen Bedürfnisse hinweg sehen, die eigene Freizeit oder Besitztümer auf- und abgeben, das verdient durchaus ein großes Lob. Und ein solches kann man an diesem Punkt vielen Stolbergern aussprechen. Seit der Nachricht, dass etwa 150 Flüchtlinge vorübergehend in Stolberg untergebracht werden, können sich Stadt, Feuerwehr und die Hilfskräfte vor Ort vor Spenden und Unterstützungsangeboten kaum noch retten.

Und das ist vielleicht das einzige, was in den Vorbereitungen des Stolberger Krisenstabs in diesem Ausmaß nicht mit eingeplant war. „Bei Dienstbeginn Mittwochmorgen waren allein bei mir schon 10 Nachrichten mit Unterstützungsangeboten eingegangen“, sagt Robert Walz, Sprecher der Stadt Stolberg. Er sei aber nicht der einzige Ansprechpartner gewesen, an vielen Stellen im Rathaus seien Angebote eingegangen.

Bereits 128 Menschen, die ihr Hab und Gut aufgeben mussten und mit so gut wie nichts in der Kupferstadt ankommen, sind in Stolberg jetzt in der Probst-Grüber-Schule untergebracht. Die Einrichtung solcher Aufnahmestationen sind für die Kommunen durchaus ein Kraftakt, auch weil alles so schnell gehen muss — 24 Stunden nach Ankündigung durch die Bezirksregierung muss die Unterbringung gewährleistet sein — es ist auch eine neue, eine unbekannte Situation, in der sich die Beteiligten in Stolberg, trotz guter Vorbereitung, auch erst einmal zurecht finden müssen.

„Natürlich hoffen Verwaltungen in solchen Situationen immer auf die Unterstützung aus der Bevölkerung“, sagt Walz, „aber was wir hier gerade erleben ist der absolute Wahnsinn.“ Auch die Hilfskräfte des Deutschen Roten Kreuz (DRK) und des THW, die bereits Erfahrung mit solchen Situationen haben, würden die Stolberger Hilfsbereitschaft loben. „Das scheint nicht überall so vorbildlich zu laufen wie bei uns“, sagt Walz.

Einsatzbereitschaft der Stolberger

Abgesehen von der Aufregung, den Belastungen, welche die tragischen Lebensgeschichten der Flüchtlinge in den Helfern hervorrufen, und der Bereitschaft rund um die Uhr vor Ort zu sein, kommt also die Erfahrung der Hilfs- und Einsatzbereitschaft der Stolberger. Anfangs kam es da zu kleineren Problemen, weil die Kupferstädter nicht so genau wussten wohin, haben sie Kleidung, Spielzeug und Hygiene-Artikel teilweise direkt ins Rathaus und an die Schule gebracht.

Dort konnten die Waren aus logistischen Gründen nicht angenommen werden. „Es ist sogar eine Wohnung ‚gespendet‘ worden. Ein Stolberger hat der Stadt angeboten vorübergehend auch Flüchtlinge in seiner leerstehenden Wohnung unterzubringen“, sagt Walz. Über solche Angebote freue sich die Stadt besonders, sagt der Stadtsprecher. Auch in Zukunft sei weiterhin mit der regelmäßigen Ankunft von Flüchtlingen, wie sie derzeit schon im Stadtgebiet angesiedelt sind, zu rechen. Da sei gut zu wissen welche Stolberger Immobilienbesitzer ihre Wohnung auch an Flüchtlinge vermieten würden.

Spendenfreudige Stolberger können ihre Hilfsgüter von Montag bis Freitag bei der Hauptwache der Feuerwehr, in An der Kesselschmiede 10, abgeben. Wer sich persönlich für die Flüchtlinge einsetzen möchte kann am Montag um 18 Uhr im Ratssaal des Stolberger Rathauses an dem Treffen zur Einteilung der ehrenamtlichen Hilfskräfte kommen.

(nai)