Stolberg: Kunst-Aktion gegen das Wildbienensterben

Stolberg : Kunst-Aktion gegen das Wildbienensterben

Mehr als 30 Künstler aus der Region zeigen ihr Schaffen am letzten August- und am ersten Septemberwochenende in Birgit Engelens Skulpturengarten und Atelierhaus am Hammerberg 13. Und widmen sich mit mannigfaltigen Kunstformen und Herangehensweisen demselben und durchaus ernsten Thema. Das Wildbienensterben ist das Sujet der Gruppenausstellung.

Hintergrund ist, dass Wildbienen, die meist nicht in Völkern organisiert sind, sondern solitär leben, eine enorm wichtige Rolle in der Natur erfüllen. Sie sind in ihrer Artenvielfalt bedeutende Bestäuber unserer Kulturlandschaft und im Obst- und Gemüseanbau.

Dabei sind die Wildbienen viel mehr als nur nützliche Helfer: Sie stellen schlichtweg die Ernährung der Menschheit sicher. Zwischen 500 und 600 verschieden Arten von Wildbienen gibt es in Deutschland, doch die Entwicklung ist dramatisch: Die Populationen werden immer kleiner und inzwischen stehen mehr als 230 Wildbienenarten auf der „Roten Liste“ der gefährdeten Arten.

Zunehmende Versiegelung

„Hauptursachen dafür sind Pharmakonzerne und der flächendeckende Einsatz von Insektiziden, Veränderungen in der Landwirtschaft und zunehmende Versiegelung von Flächen durch Straßen- und Wohnungsbau“, beschreibt Engelen.

Wertvolle Strukturen wie Sandwege, Totholz- oder Steinhaufen und alte Hecken, die von Wildbienen als Nistplätze genutzt werden, seien in vielen Regionen Deutschlands nahezu verschwunden. Außerdem fehle es den Wildbienen zunehmend an Nahrungsquellen. Mit Malerei, Skulpturen, Holzschnitten, Objekten, Fotografien, Collagen, Installationen, Tanzperformance und mehr nähert sich die Kunstausstellung dem Thema.

Hinzu kommen ein Informationsstand und Mitmachaktionen der Biologischen Station, Naturführungen und ein Bienenvolk im Schaukasten sowie eine „Documenta“-Aktion (siehe Infokasten).

Überschrieben ist die Schau mit dem Titel „Sumsimitpo“ — ein Begriff, einerseits lautmalerisch an das Summen der Wildbienen angelehnt, andererseits rückwärts lesbar als Optimismus.

Bewusstsein schaffen

Denn „der Mensch ist zwar für das Wildbienensterben verantwortlich, aber er kann es auch abwenden“, sagt Engelen. Und auf Letzteres zielen die Künstler ab.

Informativ, provokant und doch liebenswert, anregend und ästhetisch will das Kunstkollektiv ein Bewusstsein bei den Besuchern der Schau schaffen, um die Wildbienen auf Dauer zu retten.

„Dazu ist ein Umdenken in der Bewirtschaftung in der Landwirtschaft und auf öffentlichen Flächen nötig. Aber auch jeder Einzelne kann im eigenen Garten oder auf dem Balkon den Wildbienen und damit den Menschen helfen“, erklärt Engelen.

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